BESTECHUNG / Bisher fliegen nur 2 Prozent aller Korruptionsfälle auf

Mehr Anzeigen erwartet

  • Oberstaatsanwalt Wolfgang Schaupensteiner fordert ein Sperr-Register.

Korruptionsexperte Walter Schaupensteiner rechnet mit mehr Anzeigen aus Unternehmen. Ein Sperr-Register für korrupte Firmen ist nach seinen Worten überfällig.Auf Schiedsrichter Robert Hoyzer ist der Frankfurter Oberstaatsanwalt und Korruptionsexperte Wolfgang Schaupensteiner nicht gut zu sprechen. Mitten in die Debatte um anrüchige Nebenbeschäftigungen deutscher Parlamentarier platzte der Fußball-Wettskandal und drängte die Affären um Stromrechnungen und Beraterverträge von Politikern in den Hintergrund. Doch das eigentliche Wachstum in der Schmiergeldbranche vermuten die Ermittler in den Reihen der Privatwirtschaft, die auch strafrechtlich schärfer ins Visier genommen wird.

Dem Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) zufolge fliegen bestenfalls 2 Prozent aller Korruptionsfälle auf. Allein die erfassten Schmiergeldzahlungen verursachten einen jährlichen Schaden von 5,8 Mrd. EUR. Strafverfolger Schaupensteiner will in die privatwirtschaftlichen Beziehungen mehr Licht bringen. Ausgehend von der Stadt Frankfurt haben sich bislang die meisten seiner Fälle an den Schnittstellen zwischen öffentlicher Verwaltung und Unternehmen abgespielt.

Häufig waren öffentlich kontrollierte Firmen wie der Flughafenbetreiber Fraport, die Frankfurter Messe oder die Deutsche Bahn AG die Leidtragenden ihrer korrupten Angestellten, die vor der Auftragsvergabe die Hand aufhielten. Die Bestecher von der Unternehmensseite holten sich die Kosten mit überhöhten Rechnungen zurück und bekamen obendrein ihre Zahlungen teilweise retour. Dieses Vorgehen wird auch als 'Kickback' bezeichnet.

Dieses für beide Seiten verlockende Prinzip funktioniert natürlich auch bei Geschäften zwischen Unternehmen. Mit dem im vergangenen Sommer aufgedeckten Korruptionsnetz in der Immobilienwirtschaft ist Schaupensteiners Spezialabteilung in eine neue Dimension vorgedrungen: Es geht um Bauprojekte im Wert von mehreren Mrd. EUR in halb Europa, mindestens 15 Mio. EUR Schmiergeld, 10 Mio. EUR hinterzogene Steuern und mittlerweile über 80 Beschuldigte.

Schaupensteiner rechnet mit einer weiter steigenden Zahl von Anzeigen aus der Privatwirtschaft wie jüngst gegen Manager der Dorint-Hotelkette, die Putzaufträge nur gegen Bakschisch vergeben haben sollen. Die Tipps kämen zunehmend aus den Firmen selbst, wo die Sensibilität für illegale Praktiken enorm gestiegen sei. 'Die Leute wissen, wer mit wem was macht.'

Damit er das Vertrauen der Tippgeber nicht schon aus Überlastung enttäuschen muss, verlangt er eine bessere Ausstattung und Organisation von Polizei und Justiz. Auch das schon häufig geforderte bundesweite Sperr-Register für korrupte Unternehmen müsse endlich Wirklichkeit werden. dpa
© Südwest Presse 12.02.2005 07:45
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