SPARKASSEN / Im vergangenen Jahr über den eigenen Erwartungen gelegen

Substanz deutlich gestärkt

Eigenkapitaldecke wird länger - Weniger Zweigstellen und Mitarbeiter
Die Sparkassen in Baden-Württemberg sehen sich auf dem richtigen Weg. Sie haben im vergangenen Jahr ihr Ergebnis gesteigert, die Kosten und das Risiko verringert. Dank einer jetzt dickeren Eigenkapitaldecke ist ihnen der Ausbau des Kreditgeschäfts möglich.'Die schwierigsten Jahre scheinen vorüber', glaubt Heinrich Haasis. Der Präsident des baden-württembergischen Sparkassen-Verbandes macht diese Zustandsbeschreibung vor allem am gestiegenen Ergebnis der noch 57 Institute fest. Es lag (vor Bewertung) mit 1,09 Prozent der durchschnittlichen Bilanzsumme deutlich über dem Vorjahr von 1,03 Prozent. Damit konnten die Sparkassen mit 1,6 Mrd. EUR rund 100 Mio. EUR mehr verbuchen als ein Jahr zuvor. Hinzu kommt eine gesunkene Vorsorge für notleidende Kredite.

Haasis sprach vom 'besten Ergebnis in den vergangenen sechs Jahren', das auch dazu diente, die 'Substanz zu stärken'. Allerdings ist die Bandbreite der Ergebnisse sehr groß und liegt zwischen 0,62 und 2,0 Prozent.

Angst müsse man sich um kein Institut machen, betonte Haasis. Die Eigenkapitaldecke ist überall ausreichend und konnte 2004 weiter verbessert werden. Die Kernkapitalquote verbesserte sich um 0,4 auf 7,3 Prozent im Schnitt und liegt damit fast doppelt so hoch wie gefordert. Dies lasse viel Spielraum für weiteres Kreditgeschäft, stellte der Verbandschef fest.

Dieses lag 2004 knapp über dem des Vorjahres - 'trotz der unbefriedigenden Konjunktur'. Die Sparkassengruppe sei mit 'Abstand stärkster Finanzierer des Mittelstandes' und wolle dies bleiben. Zwar registriert auch das öffentlich-rechtliche Lager Bestrebungen mancher privater Konkurrenten, wieder ins Geschäft zu kommen. Doch dies geschieht, so Haasis, nur bei 'ausgewählten Adressen'. Außerdem registriert Hassis zufrieden, dass die Kunden nicht vergessen würden, wie sie von denselben Instituten in der Vergangenheit behandelt worden seien.

Den Krediten in Höhe von 86,2 Mrd. EUR (davon an Unternehmen: 37,5 Mrd. EUR) stehen die Kundeneinlagen gegenüber, die sich um eine Dreiviertel Milliarde EUR auf 93,6 Mrd. EUR erhöhten.

Musterknaben im deutschen Sparkassenwesen sind die Institute im Südwesten auch in Sachen Kosten. Wegen geringerer Sach- und gleichbleibender Personalkosten verbesserte sich das Kosten-Ertrags-Verhältnis Cost-Income) auf 59,3 (Vorjahr 61,2) Prozent. 'Wir unterschreiten damit schon heute unsere Zielmarke', so Haasis. Wie kräftig die Sparkassen sparen, zeigt auch der Blick auf die Geschäftsstellen: Sie verringerten sich 2004 um gut 80 auf knapp unter 2600 (darunter etwa 300 Selbstbedienungseinheiten). Vor fünf Jahren waren es noch annähernd 3100 Stellen. Haasis betonte, dass es derzeit ein Umdenken in Sachen Filialen gebe.

Nur teilzeit-betriebene Zweigstellen seien gefährdet; dagegen setzten die Institute wieder verstärkt auf Filialen, die mit mehreren Personen besetzt sind. Einen Rückzug aus der Fläche werde es jedenfalls nicht geben. Beschäftigt wurden am Jahresende noch 36 600 Mitarbeiter, 1150 weniger als ein Jahr zuvor. Mit 1185 neuen Lehrstellen liegt die Ausbildungsquote im Sparkassenlager bei fast 10 Prozent.

Für die Zeit nach dem Wegfall der Staatshaftung ab Juli sieht sich der Verband gut gerüstet, nachdem sich die Sparkassen-Organisation auf einen Einlagenschutz verständigen konnte, mit dem alle Guthaben vollständig abgesichert sind. Außerdem wird eine Art Frühwarnsystem eingerichtet, mit dem Fehlentwicklungen bei den Instituten rechtzeitig erkannt und vermieden werden sollen.
© Südwest Presse 28.01.2005 07:45
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