ENERGIE / Zündstoff in der rot-grünen Koalition um die Subventionierung der Windkraft

Die Dena-Studie macht schon viel Wirbel

  • Energie aus Windkraft ist auch eine technische Herausforderung: Produktion beim Rostocker Windkraftanlagen-Hersteller Nordex AG. FOTO: dpa

Der Ausbau der erneuerbaren Energie ist eines der wichtigen Ziele des grünen Regierungspartners. Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) steht dem eher skeptisch gegenüber. Jetzt hat sich die Meinungsverschiedenheit wieder an der Windkraft entzündet.Der Ausbau der erneuerbaren Energien sorgt erneut für Zündstoff in der rot-grünen Koalition. Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) betonte die hohen Kosten der Einspeisung von Windstrom und forderte eine 'sachliche Diskussion' der Ausbaupläne. Umweltministerium und Grüne halten den Ausbau zu maßvollen Preisen für machbar. Grünen-Expertin Michaele Hustedt warf Clement vor, 'bewusst falsch' zu rechnen.

Hintergrund ist eine mit Spannung erwartete Studie der Deutschen Energie-Agentur (Dena) zu den Folgen der rasant wachsenden Windkraft für das deutsche Stromnetz und die Versorgung insgesamt. Die Studie hätte eigentlich am gestrigen Mittwoch veröffentlicht werden sollen. Doch zerstritten sich die Auftraggeber - darunter auch die Ökostrom- und die konventionelle Strombranche - und nahmen das Papier nicht ab.

Clement zitierte jedoch daraus, dass allein die Kosten für die Einspeisung von Ökostrom von heute 1,4 Mrd. EUR jährlich bis 2015 auf 5,4 Mrd. EUR steigen. Hinzu kämen erhebliche Investitionen für den Ausbau der Stromnetze. Bei der Nutzung erneuerbarer Energien sei Realitätssinn gefragt. Wäre sie in Verkehr, bei Wärmegewinnung und Materialeinsatz ähnlich stark, ergebe sich aus heutiger Sicht ein Subventionsbedarf in mindestens ähnlicher Größenordnung. 'Können wir uns das leisten?' fragte der Minister: 'Wir brauchen eine sehr sachliche Diskussion, in der alle Argumente auf den Tisch kommen.'

Grünen-Expertin Hustedt warf Clement dagegen eine falsche Rechnung vor. Das Volumen der Einspeisevergütung steige natürlich mit der Strommenge. Sie stelle aber keine reale Mehrbelastung für Verbraucher dar, weil wegen steigender Preise anderer Energiequellen die Strompreise insgesamt in die Höhe gehen würden. Damit verringert sich der Zuschussbedarf für Ökostrom. Hustedt betonte, die in der Studie genannten 1,15 Mrd. EUR Netzausbaukosten, die nur wegen der Windenergie auflaufen, seien finanzierbar. Sie sprach von Mehrkosten für Verbraucher von 1 EUR pro Jahr.

Gift für den Standort

Auch aus dem Bundesumweltministerium hieß es, die Studie zeige, dass der Ausbau der Windenergie 'mit einem moderaten Ausbau der Netze kostengünstig in das deutsche Stromnetz integrierbar' sei. Technische Probleme ließen sich lösen. Mit Blick auf die Meinungsverschiedenheiten zur Studie in der Strombranche hieß es, man rechne mit einer baldigen Verständigung.

Für Unions-Umweltexperte Peter Paziorek belegt die Studie die Notwendigkeit hoher Investitionen ins Stromnetz wegen der Windkraft. Die Regierung sei aufgefordert, ihre Pläne für den Ausbau der Windkraft zu überdenken. Die FDP warf Clement vor, 'dem grünen Subventionswahn im Bereich der erneuerbaren Energien' zu lange zugeschaut zu haben. BDI-Präsident Jürgen Thumann warnte, mit der weiteren starken Förderung der Windkraft riskiere man den Blackout. Die hohen Strompreise seien zudem Gift für den Standort Deutschland. AP
© Südwest Presse 20.01.2005 07:45
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