1150 Triumph-Mitarbeiter bangen

Wie der mögliche Stellenabbau Heubach und Aalen betrifft ist offen – Verhandlungen beginnen
  • Triumph wird sich in Zukunft auf die Marken „sloggi“ und „Triumph“ fokussieren. (Fotos: Triumph/SDZ)
Die 708 Beschäftigten von Triumph in Heubach und die 440 Mitarbeiter im Zentrallager in Aalen sorgen sich um ihre Arbeitsplätze. Gerüchte über einen massiven Stellenabbau sprießen ins Kraut, weil der Unterwäschehersteller in Ungarn und Wien zwei Werke schließt – die Auswirkungen werden auf die Ostalb durchschlagen. „Die Anzahl der betroffenen Positionen steht noch nicht fest“, sagte Pressesprecher Olav Kratz.Heubach/Aalen. „Wir brauchen Triumph“, sagte Bürgermeister Frederick Brütting fast flehentlich, als er vor sechs Wochen wie die Belegschaft des größten Heubacher Arbeitgebers davon erfuhr, dass das Global Management Board von Triumph in der Konzernzentrale in Bad Zurzach/CH beschloß, Werke in Dunaújváros/Ungarn und in Wiener Neustadt zu verkaufen bzw. zu schließen.
Markus Spiesshofer kam zuletzt mehrfach nach Heubach, um bei den Mitarbeitern um Verständnis für die Notwendigkeit der geplanten Maßnahmen zu werben. „Es geht allein darum, die internationale Wettbewerbsfähigkeit von Triumph langfristig zu erhalten“, lautete die Botschaft des geschäftsführenden Gesellschafters aus der Gründerfamilie,
Um dafür den richtigen Schlüssel zu finden, hat Triumph die Rahmenbedingungen auf dem internationalen Textilmarkt analysiert. Nach Angaben von GfK Fashion & Lifestyle, Intage SLI und Sitaging zwischen 2009 und 2013 der mengenmäßige Absatz von Damenunterwäsche drastisch zurück – in Deutschland um 15, in Japan um 10 und in Italien um 9 Prozent. In diesen schrumpfenden Markt, so Olav Kratz, seien neue Wettbewerber mit aggressiver Preispolitik eingetreten, keiner der angestammten Player haben den Markt verlassen. Obwohl Triumph beim stärksten Teilsegment Miederwaren in Deutschland den Marktanteil in diesem Zeitraum von 20,7 auf 21,5 Prozent erhöhte, bedeute dies einen Umsatzrückgang. Grund dafür sei, dass hochwertige Unterwäsche nicht mehr wie früher als „Statussymbol“ angesehen werde – Kratz: „Frauen und Männer geben ihr Geld lieber für andere Dinge aus, z.B. für IT-Geräte, Autos oder Urlaubsreisen.“ Kreativität und Passform eines Büstenhalters seien heute für die Käuferin nur noch bedingt wichtig: „Über 70 Prozent der verkauften BHs gehen für unter 15 Euro über den Ladentisch“, weiß Kratz. Dieser Trend setzte sich fort: „In Deutschland sank zwischen 2012 und 2013 das Volumen der verkauften Damenunterwäsche um vier, im Einzelhandel gar um 14 Prozent.“ Daraus folgert Triumph: • Der Gesamtmarkt schrumpft weiter. Weil große Kaufhausketten wie Karstadt selbst unter Druck geraten, werden auch die Verkäufe über diese klassischen Absatzkanäle zurückgehen.
• Die Vertikalisierung geht weiter – dadurch erhöht sich der Preisdruck.
• Der Konsument tendiert heute zum Online-Einkauf. Der rapide Zuwachs, den Triumph auf dieser Schiene verzeichnet, kann die Verluste aus dem stationären Geschäft aber nicht auffangen.
Dazu kommen negative Rahmenbedingungen, die für Triumph die Planungsunsicherheit erhöhen: Steigende Rohstoffpreise und Lohnkosten weltweit, die nicht über den Verkaufspreis kompensierbar sind, nachlassende Wachstumsdynamik in den BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China), geopolitische Verwerfungen und Krisen und Währungskursschwankungen.
Auf Basis dieser Analyse werde Triumph folgende Konsequenzen ziehen, erklärte Olav Kratz:
• Konzentration auf die Marken „sloggi“ und „Triumph“, deren Potenziale als noch nicht ausgeschöpft sind.
• Fokus auf Innovationen (z.B. Sport-BH, Übergrößen oder schlankmachende Produkte), Service und Beratung.
• Ausbau margenstarken Produktlinien und schneller Abbau von unrentablen Produkten, Verschlankung von Verwaltungsstrukturen, Sicherstellung von rascher Verfügbarkeit und Termintreue.
• Weckung von Emotionalität durch starke Präsentation am Point-of-Sale und durch pfiffige TV-Werbung.
• Aus- und Aufbau des Online-Geschäftes, organischer und profitabler Ausbau der rund 2000 Triumph-Stores weltweit.
• Erschließung neuer Märkte, zum Beispiel in den USA und Mexiko.
Die Folgen für den Standort Heubach beschreibt Kratz so: „Strategisch bedeutsame und innovative Produkte will Triumph weiterhin in eigenen Werken herstellen, aber nicht mehr in Dunaújváros und im Nähzentrum Oberwart.“ Dies werde auf die Zahl der Arbeitsplätze in Aalen und Heubach Auswirkungen haben, da mehrere Supportfunktionen dort direkt oder indirekt mit der Produktion in Oberwart und Dunaújváros verbunden seien – Kratz: „Die Anzahl der Positionen steht noch nicht fest.“ Derzeit würde noch die Informationsphase laufen, die konkreten Verhandlungen der Unternehmensleitung mit den Arbeitnehmervertretern würden danach beginnen. Triumph wolle intensiv mit den Sozialpartnern zusammenarbeiten „und alles tun, um die sozialen Auswirkungen für die Mitarbeiter zu minimieren“.
Heubach ist für Triumph Design-, Entwicklungs- und Innovationsstandort der Marke Triumph. Unterm Rosenstein sind auch die Bereiche IT, Customer Service, Demand-Planung, Qualitätsprüfung und produktionsunterstützende Tätigkeiten für die ausländischen Werke angesiedelt. In Aalen ist das Triumph-Zentrallager mit den Funktionen Warenein- und -ausgang, Qualitätskontrolle, Zoll- und Exportabwicklung.
© Wirtschaft Regional 01.06.2015 21:44
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