ZF kaufte TRW: Zuversicht in Alfdorf

Übernahme wurde am Freitag vollzogen / Kaufpreis 12,4 Milliarden Euro / Alfdorfer TRW-Werk bekommt ZF-Logo dazu
  • John C. Plant, Präsident und CEO von TRW (links), und der ZF-Vorstandsvorsitzende Stefan Sommer wollen „das Beste aus beiden Welten“ von ZF und TRW nach Vollzug der vereinbarten Übernahme kombinieren. Rechts ist das Werk in Alfdorf - nun ZF TRW Automotive GmbH. (Fotos: ZF/Archiv)
„Wir freuen uns auf eine gemeinsame glänzende Zukunft!“ Helmut Köditz, Sven Kleinschmidt und Manfred Süß, die Geschäftsführer der TRW Automotive GmbH am Standort Alfdorf beschreiben so die Stimmung unter den 1650 Mitarbeitern in Alfdorf, als am Freitag bekannt wurde, dass der US-Konzern TRW als neue Division „Aktive & Passive Sicherheitstechnik“ nun definitiv in die ZF Friedrichshafen AG eingegliedert ist.Alfdorf/Friedrichshafen. Bereits am 15. September 2014 hatte ZF mit TRW eine bindende Vereinbarung zur Übernahme von TRW unterzeichnet, nachdem sich aber die notwendige Freigabe aller internationaler Kartellbehörden zunächst verzögerten, kam die Meldung vom erfolgreichen Abschluß der Übernahme-Transaktion von der TRW Automotive Holdings Corp. durch ZF am Freitag doch überraschend schnell. Das vereinte Unternehmen, jetzt mit einem kumulierten Umsatz von über 30 Milliarden Euro und knapp 140.000 Beschäftigten nach Continental und Bosch weltweit die Nr. 3 unter den Automobilzulieferern, firmiert künftig unter dem Namen ZF Friedrichshafen AG.
Das Alfdorfer Werk, einerseits Entwicklungs- und Technologiezentrum für Airbags und Seat Belt (Sicherheitsgurte) mit über 1000 Mitarbeitern in diesem Bereich und andererseits Komponentenfertigungsstätte für Sicherheitsgurte mit etwa 600 Beschäftigten, heißt weiterhin TRW Automotive – das blaue Logo der ZF wird vor das rote von TRW gestellt.
„Mit dem heutigen Tag bringen wir die Stärken von ZF und TRW zu einem weltweit führenden Systemanbieter im Automobilsektor zusammen“, sagte am Freitag ZF-Vorstandsvorsitzender Stefan Sommer. „Wir freuen uns auf unsere Pläne für die Zukunft. Der Zusammenschluss erlaubt uns, strategische Chancen besser zu nutzen und dauerhaften Mehrwert für unsere Kunden und Mitarbeiter zu schaffen. Im Verbund mit TRW werde ZF noch besser positioniert sein, um von großen Branchentrends zu profitieren, und sich weiterhin auf aktuelle und zukünftige geschäftliche Anforderungen konzentrieren zu können, meinte Sommer.
TRW-CEO John C. Plant erklärte: „Das vereinte Unternehmen ist ein Kraftpaket in den Bereichen automobile Technologie, Fahrerassistenz- und Insassenschutzsysteme, Antriebsstrang und Getriebe sowie Brems- und Lenksysteme. Diese einzigartige Kombination moderner Technologien geht auf die wachsenden branchenweiten Trends zu mehr Sicherheit, Kraftstoffeffizienz und autonomem Fahren ein.“ Die Transaktion biete erhebliche Vorteile für die Anteilseigner, Mitarbeiter, Kunden von TRW und die Öffentlichkeit, betonte Plant: „Alle werden davon profitieren, Teil einer großen, stark diversifizierten globalen Organisation zu sein, die Lösungen für die Mobilität und Sicherheit der nächsten Generation entwickelt.“
Der am 15. September 2014 vereinbarte Vertrag zur Übernahme von TRW durch ZF unterlag einer Reihe von Bedingungen, die nun erfüllt sind. Dazu gehörten u.a. die Zustimmung der TRW-Aktionäre und kartellrechtlicher Genehmigungen in verschiedenen Ländern, darunter in den USA, China und Europa. Eine wesentliche Bedingung war auch, dass sich ZF von der einzigen Sparte, in der die beiden Konzerne direkte Wettbewerber waren, trennt – deshalb verkaufte die ZF AG Anfang Februar ihren 50-Prozent-Anteil am vorherigen Gemeinschaftsunternehmen ZF Lenksysteme GmbH in Schwäbisch Gmünd, das jetzt Bosch Automotive Steering heißt, an die Robert Bosch GmbH.
Mit dem Closing (Abschluß der rund 12,4 Milliarden Euro teuren Übernahme) beginnt die Integration von TRW in den ZF-Konzern, die für drei bis fünf Jahre angesetzt ist. Der Prozess wird nach ZF-Angaben in jenen Bereichen beginnen, in denen die Kunden zuerst von gebündelten Aktivitäten profitieren – dies umfasst die Entwicklung neuer Produkte, die Materialwirtschaft, den Vertrieb und den Aftermarket. „Wir wollen das Beste aus beiden Welten zusammenführen“, sagte Sommer.
Auch in Alfdorf wird die Integration von einem Mitarbeiterteam begleitet. „Dabei gibt es keine Probleme“, sagte Helmut Köditz, „ZF ist unseren Mitarbeitern als guter Arbeitgeber bekannt.“ Durch den Zusammenschluss seien keine betriebsbedingte Kündigungen zu befürchten – Köditz: „Im Gegenteil, wir sind auf dem Weg zum Seat-Belt-Komponentenfertiger gut aufgestellt und sehen große Wachstumspotentiale“.
TRW ist mit Vollzug der Übernahme eine 100-Prozent-Tochtergesellschaft von ZF geworden. Jede ausstehende Aktie des TRW-Stammkapitals wurde in das Recht umgewandelt, 105,60 US-Dollar in bar zu erhalten. Der Handel mit TRW-Aktien an der New York Stock Exchange wurde am Freitag eingestellt; die Aktie wurde von der Börse genommen.
© Wirtschaft Regional 15.05.2015 22:26
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