ZF: TRW-Kauf im Fokus

Friedrichshafener 2014 sehr erfolgreich / Positive Einstellung in Alfdorf
  • Der Zusammenschluss zweier Technologieführer steht 2015 an: ZF und TRW haben sich in wachsenden Sparten etabliert, die von den Megatrends Kraftstoffeffizienz, erhöhte Sicherheitsanforderungen und autonomes Fahren profitieren. (Foto: ZF)
Für die ZF Friedrichshafen AG steht das Jahr 2015 ganz im Zeichen der angekündigten Übernahme von TRW. Die rund 1700 Beschäftigten der TRW Automotive GmbH in Alfdorf sehen dem Vereinigungsprozess „generell positiv“ entgegen.Alfdorf/Stuttgart. Dies erklärten TRW-Vertreter am Dienstag am Rande der Bilanzpressekonferenz der ZF Friedrichshafen AG in Stuttgart. In Alfdorf ist die Europazentrale für Insassenschutzsysteme (Entwicklung und Produktion von Airbags und Sicherheitsgurten) des US-Automobilzulieferers TRW ansässig. Diese Sparte gehört bislang noch nicht zum Portfolio der ZF und ist somit ein wichtiger Baustein für die Friedrichshafener auf dem Weg zum Komplettanbieter für autonomes Fahren. Voraussetzung für den Kauf von TRW war, wie berichtet, für ZF der am 30. Januar 2015 vollzogene Verkauf ihres 50-Prozent-Anteils an der ehemaligen Gmünder ZF Lenksysteme GmbH (jetzt Bosch Automotive Steering GmbH) an den Bosch-Konzern.
Mit einem überdurchschnittlichen Wachstum bei Umsatz (um 9 Prozent auf 18,4 Milliarden Euro) und Ergebnis vor Zins und Steuern/EBIT (um 36 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro) schloss die ZF Friedrichshafen AG das Jahr 2014 erfolgreich ab. Vorstandsvorsitzender Dr. Stefan Sommer erklärte in Stuttgart, dass 2014 abermals von heterogenen Marktentwicklungen geprägt gewesen sei. Wachstumstreiber sei das Geschäft mit Pkw-Automatgetrieben und -Achssystemen gewesen. Schwieriger habe sich hingegen der Markt für Nutzfahrzeuge und Arbeitsmaschinen gezeigt.
ZF-Finanzchef Dr. Konstantin Sauer verwies auf die mit 1,4 Milliarden Euro positive Nettofinanzposition und auf die komfortable Eigenkapitalquote von 34 Prozent: „Damit sind wir vor der TRW-Übernahme in einer ganz hervorragenden Ausgangsposition.“ ZF hatte sich bereits zur Vertragsunterzeichnung mit TRW Kreditzusagen von 23 Banken über den mit rund 12,5 Milliarden Euro taxierten Kaufpreis in Form einer Brückenfinanzierung und längerfristiger Darlehen gesichert. Durch die erfolgreiche Platzierung eines Schuldscheindarlehens über 2,2 Milliarden Euro im Januar 2015 und den Verkaufserlös für ZFLS (geschätzt 1,5 Milliarden Euro) wurde die Brückenfinanzierung inzwischen reduziert.
Zum Jahresende 2014 zählte der ZF-Konzern weltweit 71.402 Mitarbeiter, davon 41.188 in Deutschland. Durch den Verkauf des Geschäftsfelds Gummi und Kunststoff mit 3500 Mitarbeitern und der südafrikanischen Tochterfirma AIBC mit 900 Mitarbeitern reduzierte sich die Beschäftigtenzahl um 4400. Die Veräußerung des ZFLS-Anteils wirkte sich aufgrund der IFRS-Bilanzierungsregeln auf Umsatz und Mitarbeiterzahl nicht aus.
Die Übernahme von TRW soll nach Erhalt aller kartellrechtlichen Genehmigungen im ersten Halbjahr 2015 abgeschlossen werden, sagte Sommer. Es würden 13 Arbeitsgruppen, die von je einem ZF- und einem TRW-Vertreter geleitet werden, intensiv an der Integrationsplanung arbeiten, zum Beispiel für Vertrieb, Forschung und Entwicklung oder Einkauf. Koordiniert würden alle Integrationsaktivitäten vom Integration Management Office. Dieses Steuerungskomitee, in dem u.a. auch Sommer und TRW-CEO John Plant vertreten sind, tagt alle zwei Wochen. Die Integration soll in vier Phasen in drei bis fünf Jahren umgesetzt werden. In Phase 1 geht es um die Vorbereitung des „Day 1“ nach der Übernahme. In Phase 2 soll TRW als fünfte Division integriert werden, danach ist die projektbasierte Zusammenarbeit geplant. Die strukturelle Integration folgt erst in Phase 4, Priorität haben dabei Vertrieb, Aftermarket und Einkauf.
Die Beschäftigten in Alfdorf sehen der Integration gelassen entgegen: Man kenne ZF als grundsolides deutsches Unternehmen und freue sich auf die Zusammenarbeit, war zu hören.
© Wirtschaft Regional 10.03.2015 21:34
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