Leicht Küchen AG: Mut zu Investitionen

Bei Commerzbank-Forum präsentiert Stefan Waldenmaier Expansionsstrategie des Trendsetters aus Waldstetten
  • Leicht-Investitionen: 6 Millionen Euro für die LEICHT WELT, 11 Millionen Euro für Anlage zur automatischen Bauteile-Fertigung. (Fotos: Leicht)
  • Investitionspartner (v.l.) Stefan Waldenmaier, Siegfried Stangohr. (Foto: wh)
Wenn am 17. Oktober in Waldstetten die LEICHT WELT eröffnet wird, endet eine außergewöhnliche Expansionsphase der Leicht Küchen AG: Bei einem Jahresumsatz von knapp 100 Millionen Euro innerhalb von 24 Monaten eine 20 Millionen Euro schwere Investition zu stemmen – das zeugt von großem Selbstbewusstsein in das Potential der eigenen Marke und vom Vertrauen der Finanzpartner in einen kerngesunden (Eigenkapitalquote 35 Prozent) schwäbischen Mittelständler, der heute Trendsetter in der Küchenwelt ist.
Stuttgart. Die mutig auf eine erfolgreiche Zukunft ausgerichtete Investitionsstrategie der Leicht Küchen AG wurde am Montag von der Commerzbank bei der Veranstaltung „Unternehmer/Perspektiven“ in der Motorworld Region Stuttgart, dem ehemaligen Meilenwerk, als beispielhaft vorgestellt. An der von Tagesschau-Chefsprecher Jan Hofer moderierten Talkrunde „Mittelstand auf Investitionskurs“ nahm auch Stefan Waldenmaier teil. Der Vorstandsvorsitzende der Leicht Küchen AG und Vorsitzende des Verbands der deutschen Küchenmöbelindustrie betonte, dass Investitionen zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit wichtig seien: „Unternehmer sollten ihre Marktpotenziale permanent analysieren und dies als Entscheidungsbasis für Investitionen nutzen.“ Gerade für den deutschen Mittelstand gelte es, die weltweit begehrte deutsche Qualität durch Wissensvorsprung zu sichern. Deshalb habe sich Leicht auf die Investitionsschwerpunkte Produktion, Produkt und Markt konzentriert: „Unser Umsatz ist in den letzten fünf Jahren im Schnitt um vier Prozent und damit stärker als die Branche gewachsen.“ Von 2002 und 2013 stiegen die Erlöse gar von 63 auf 96,3 Millionen Euro, gleichzeitig blieb die Beschäftigtenzahl mit etwa 510 konstant. „Vor 2008 waren es vor allem Erhaltungs- und Modernisierungsinvestitionen, danach Investitionen in ganzheitliche Fertigungsinseln. Diese Strategie hat uns Marktvorteile verschafft“, ließ Waldenmaier wissen. Leicht sei im deutschen Küchenfachhandel die umsatzstärkste Premiummarke. Für 2014 erwarte er einen Umsatz von knapp 100 Millionen Euro, „mittelfristig sehen wir Erlöse von 130 bis 150 Millionen Euro“, sagte Waldenmaier mit Blick auf den asiatischen Markt und einer neu gegründeten Gesellschaft, die Wachstumschancen in London nutzen soll. Dazu müsse Leicht Küchen produzieren, die in Design, Qualität und Funktion herausragend und unverwechselbar seien. „Leicht wird auch künftig stark investieren, denn Investitionen in die Zukunft sind die Lebensversicherung des Mittelstands“, erklärte Waldenmaier. Er verwies dabei auf die aktuelle und größte Investition in der über 85-jährigen Unternehmensgeschichte: Elf Millionen für zwei hoch flexible Anlagen zur automatischen Fertigung und Bekantung von Korpusteilen und Fronten und über sechs Millionen Euro in die 2500 qm große LEICHT WELT. 80 Prozent davon finanziere Leicht über Fremdkapital von den Hausbanken Commerzbank, Kreissparkasse und Volksbank. Auch Investitionen in die Mitarbeiter und den Nachwuchs seien wichtige Aspekte einer zukunftsorientierten Unternehmensstrategie. Der Leicht-Chef appellierte an den Mittelstand, „wieder mehr an die eigene Kreativität zu glauben und zu investieren“.

Die Commerzbank-Studie

Siegried Stangohr, der Vorsitzende der Geschäftsleitung der Commerzbank AG, präsentierte in Stuttgart die Ergebnisse der Studie „Vorsicht versus Vision: Investitionsstrategien im Mittelstand“, bei der TNS Infratest 4025 Unternehmer, davon 562 in Baden-Württemberg, und 70 Volkswirtschaftler befragt hatte. 54 Prozent der Unternehmen im Land sind wieder bereit, längerfristig zu planen. Weitere Fakten aus der Studie:
Unternehmen im Land verfolgen eine ausgeglichene Investitionsstrategie zwischen Wachstum und Substanzerhaltung. Im Mittelstand gibt es keinen Investitionsstau. Ökonomen sehen hingegen weiteren Investitionsbedarf.
Im Mittelstand herrscht hohe Planungsunsicherheit, Investitionen scheitern selten an einer schlechten wirtschaftlichen Lage.
Unternehmen investieren am häufigsten in die IT- und Telekommunikation-Infrastruktur. Langfristige strategische Investitionen in neue Maschinen oder Produktionsanlagen sind seltener.
für Innovationsführern sind Unternehmensbeteiligungen wichtig.
Finanzierungsprobleme sind bei Mittelständlern sehr selten, Fremdfinanzierung ist unbeliebt. Für Ökonomen sollte Fremdkapital selbstverständlich zur Finanzierung von Investitionen sein.
© Wirtschaft Regional 30.09.2014 21:33
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