Anlage liefert in Ghana sauberes Wasser

Herman Roelofsen entwickelt Wasseraufbereitungsanlage – Stiftung „Home for Hope“ nimmt Prototyp in Afrika in Betrieb
  • Carolin Hoffmann (re.) bekommt von Konstrukteur Herman Roelofsen die Funktionsweise seiner selbstentwickelten Wasseraufbereitungsanlage erklärt. Diese wurde bereits nach Ghana verschifft. (Foto: sk)
Carolin Hoffmann und Herman Roelofsen stehen vornübergebeugt an einer palettengroßen, rund einen Meter hohen Kunststoffkiste in einer Werkstatt in der Lauchheimer Bahnhofstraße. Roelofsen hat seit 2012 eine darin eingebaute, kompakte Wasseraufbereitungsanlage entwickelt.
Lauchheim. Das erste Exemplar der Wasseraufbereitungsanlage hat Herman Roelofsen für die Verschiffung nach Ghana bereitgestellt. Carolin Hoffmann, gemeinsam mit Larissa Zwingel Vorstand bei der Stiftung „Home for Hope“, wird die Gerätschaft ab dem 20. August im Waisenhaus von Gomoa Tarkwa im Süden des afrikanischen Landes in Betrieb nehmen.
Carolin Hoffmann lernt den Umgang mit dem Gerät in Roelofsens Werkstatt. Der Tüftler hat monatelang an der Auslegung der Wasseraufbereitungsanlage gefeilt, die größtenteils seinem technischen Know-how entsprang. Unterstützt wurde er von Volker Koesling, einem langjährigen Kollegen. „So technisch wie nötig, aber so einfach wie möglich“ – so umschreibt der 69-Jährige, der jahrelang in Lauchheim eine Firma für Flüssigkeitsspender-Systeme betrieben hat. „Ich wollte ein Wasseraufbereitungssystem bauen, das dezentral eingesetzt werden kann und einfach zu bedienen ist. Vor einigen Jahren wollte eine Firma ein weniger ausgereiftes System auf den Markt bringen und dafür 20 000 Euro verlangen. Meine Komplettanlage in zwei Boxen inklusive Ersatzteile ist für rund 8500 Euro zu haben“, erzählt er.
Und wie sind die Stiftung „Home for Hope“ und Herman Roelofsen zusammengekommen? „Freunde von Herman Roelofsen haben ein Benefizkonzert besucht, das unsere im Februar gegründete Stiftung unterstützte. Aus Gesprächen über die Wasserqualität ergab sich der Kontakt. Dann haben wir das Geld für die Anlage zusammengetrommelt“, erzählt Carolin Hoffmann, die mit Larissa Zwingel am 20. August in die ghanaische Hauptstadt Accra flog. „Das Waisenhaus, in dem wir beide gemeinsam mit Katrin Bachleitner für ein halbes Jahr als freiwillige Helferinnen tätig waren, liegt ungefähr zwei Autostunden von Accra entfernt“, sagt sie.
Dort wollen die drei den nächsten Grundstein für eine dauerhafte Versorgung des Waisenhauses legen: Die bislang 40 Kinder sollen regelmäßig mit frischem Trinkwasser versorgt werden können. Das soll die Anlage von Herman Roelofsen liefern. „In der Anlage werden über 99,98 Prozent der Bakterien und Erreger im Dreikammersystem mit nachgeschalteter UV-Bestrahlung mit einer speziellen Lampe abgetötet. Ein nachgeschalteter spezieller Filter erledigt die restlichen 0,02 Prozent der Keime. Jedes Gerät erhält ein Zertifikat der Agrolab Labor GmbH“, sagt der Konstrukteur.
Er verweist auf das Prüfprotokoll des Fellbacher Labors, das die Güte der Wasserreinigung belegt. „Ich bin mit der Organisation ‘Ärzte ohne Grenzen’ im Gespräch. Vielleicht trägt das Projekt in Ghana dazu bei, dass die Aufbereitungsanlage den Durchbruch bei Anwendungen in Entwicklungsländern erfährt“, sagt er. Kontakte wurden ebenfalls zu Lion’s- und Rotary-Clubs, DRK und Technischem Hilfswerk geknüpft – bislang ohne nötige Resonanz.
Das Gerät scheint für den Einsatz in entlegenen Gebieten prädestiniert. Die Box mit den gesamten Armaturen wiegt lediglich 105 Kilogramm und ist auf einem Pick-Up leicht zu transportieren. Als Betriebsmittel liefert der Konstrukteur eine zweite Box mit, die neben einem Notstromerzeuger, einer Tauchpumpe sowie den zum Betrieb benötigten Gegenständen wie Klärflüssigkeit, einer Ersatz-UV-Lampe und weiteren Ersatzteilen wie Filtermatten und Pumpenmembranen auch einen 20-Liter-Benzinkanister enthält. „Wird die Anlage mit einem Aggregat betrieben, werden 1,1 Liter Treibstoff je Stunde benötigt. In einer Stunde werden 750 bis 900 Liter Wasser gereinigt“, erläutert Roelofsen.
Carolin Hoffmann hat sich wieder ans Anschließen der Schläuche gemacht, um Routine im Umgang mit dem Gerät zu erlangen. „Ziel ist, dem Waisenhaus, in dem Kinder zwischen 3 und 16 Jahren leben, dauerhaft zu helfen“, sagt die 21-Jährige, die in Künzelsau BWL und Sozialmanagement studiert. Gemeinsam mit ihren beiden Mitstreiterinnen möchte sie helfen, das Waisenhaus fertig zu bauen, um noch mehr Kinder aufnehmen zu können. „Hilfe zur Selbsthilfe wollen wir leisten, damit in Gomoa Tarkwa der Betrieb des Hauses verstetigt wird“, sagt sie. Die Verwaltung der kleinen, aber effizienten Stiftung „Home for Hope“ übernahm die DT Deutsche Stiftungstreuhand AG in Fürth.
Bis Mitte September werden die jungen Stiftungsvorsitzenden in Ghana mithelfen, dass Krankheiten durch verschmutztes Wasser seltener ausbrechen. „Die Wasseraufbereitungsanlage geht zum Selbstkostenpreis an die Stiftung. Bei Bedarf kann ich eine komplette Anlage innerhalb von zwei Wochen bauen“, sagt Roelofsen. „Mit der Trinkwasseraufbereitung wird der Grundstock gelegt, dass Menschen überleben können.“

Unterhalt und Kontakt

Herman Roelofsen stellt eine Kostenrechnung auf. Werde seine Anlage pro Tag zehn Stunden mit einem Notstromaggregat betrieben, beliefen sich die jährlichen Betriebskosten auf rund 7600 Euro. Läuft die Anlage mit vorhandenem Strom (kWh-Preis: 28 Cent) komme man auf 1730 Euro. Daraus ergibt sich ein Literpreis fürs aufbereitete Wasser zwischen knapp 0,3 Cent und lediglich 0,06 Cent je Liter Wasser. info@home-for-hope.de www.home-for-hope.de
© Wirtschaft Regional 25.08.2014 10:53
2380 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?