Zwei neue Mieter bei VRW

Nachfolgefirma von Hettich + Kohnle und EMAG Automation jetzt im Gmünder „Gügling“ präsent
  • Blick in eine der modernen Hallen der VRW GmbH auf dem Gügling in Schwäbisch Gmünd. Hier und in einer anderen Halle haben sich nun die Deutsche Werkzeugtechnik GmbH und die EMAG Automation GmbH eingemietet. (Foto: Florian Bieg)
Wie eng Hochs und Tiefs in der Wirtschaft beieinander liegen können, zeigt sich im Gmünder Gewerbegebiet „Gügling Nord“. Dort baute die VRW Eisen- und Metallhandels-GmbH im Sommer 2012 eine neue Bearbeitungs- und Produktionshalle, die sich nach einem Umsatzeinbruch im Jahr 2013 als zu groß erwies. Jetzt gibt es eine kleine Kompensation: Am Dienstag haben die neu gegründete Werkzeugtechnik GmbH und die EMAG Automation GmbH aus Heubach zwei neue Mietverträge unterschrieben. Dahinter stecken spannende Geschichten.
Winfried Hofele
Schwäbisch Gmünd. Überkapazitäten im weltweiten Stahlmarkt, enormer Preisdruck und fallende Margen zwangen die VRW im Juni vergangenen Jahres dazu, die Kapazitäten und die Aktivitäten im Bereich Formstahl heruntergefahren und die Zahl der damals 90 Mitarbeiter auf heute 41 zu reduzieren. „Es gab dazu keine Alternativen“, erklärten die Geschäftsführer Wolfgang Sachsenmaier und Jürgen Wolf.
Die aus der Insolvenz des früheren Gmünder Traditionsunternehmens Eisen-Wiedmann am 2. Januar 2002 von Stephan Veit, Christoph Rischko und Jürgen Wolf sowie Wolfgang Sachensenmaier in der Gmünder Benzholzstraße gegründete VRW GmbH hatte Ende 2005 in der Lise-Meitner-Straße neue Räumlichkeiten bezogen und diese mit einem Investitionsvolumen von rund 5,2 Millionen Euro im Jahr 2012 auf insgesamt über 12 000 qm erweitert.
Die Wachstumspläne ließen sich aber nicht realisieren. Dazu kam in den vergangenen Tagen noch, dass der Mehrheitsgesellschafter der VRW, die Essinger Scholz Edelstahl GmbH, wie berichtet, zum 1. Oktober 2014 vorbehaltlich der Zustimmung der Kartellbehörden vom indischen Konzern Amtec Group übernommen wird – allerdings ist die VRW in diesen Deal nicht involviert. „Wir müssen uns nun neu strukturieren“, sagte Wolfgang Sachsenmaier am Dienstag im Gespräch mit dieser Zeitung, „wir werden wahrscheinlich den Stahlhandel reduzieren und uns auf Dienstleistungen und den Bereich Logistik konzentrieren.“ Eine endgültige Entscheidung stehe allerdings noch aus. Die neuen Mietverträge, so Sachsenmaier, würden aber für eine finanzielle Entspannung sorgen.

Deutsche Werkzeugtechnik zieht ein
Einer der beiden Mieter hat ebenfalls schwierige Monate hinter sich. Es ist die neu gegründete Deutsche Werkzeugtechnik GmbH mit Sitz in Baiersdorf, konkret die Gmünder Betriebsstätte Hettich + Kohnle. Die frühere Muttergesellschaft des Straßdorfer Traditionsunternehmens Hettich + Kohnle, die Asia Pacific Sourcing Solution GmbH (APSS), ebenfalls Baiersdorf, hatte im vergangenen Jahr Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt.
Der vom Amtsgericht Fürth bestellte Insolvenzverwalter Dr. Harald Schwartz konnte sein ursprüngliches Ziel, einen neuen Investor zu finden, nicht realisieren. Die Produktionsstätte in Baiersdorf wurde deshalb geschlossen, die Suche nach einem Käufer für den Teil in Straßdorf mit 44 Mitarbeitern wurde fortgesetzt. Letztlich gab Schwartz einer Gruppierung um Oliver Rositsch und Dorothea Neubauer, der Mutter des früheren geschäftsführenden Gesellschafters und jetzigen Geschäftsführers Markus Neubauer, den Zuschlag.
Der will nun mit noch elf Mitarbeitern das Geschäft mit der Aufbereitung und Optimierung von aus China bezogenen maschinengebundenen Werkzeugen auf einer Fläche von rund 1000 qm fortsetzen. Die frühere Betriebsstätte in Straßdorf soll in den nächsten Tagen geräumt werden, danach wird nach Informationen dieser Zeitung dort die benachbarte Firma Munz einziehen.

EMAG für ein Jahr
Ebenfalls 1000 qm angemietet hat bei der VRW die Heubacher EMAG Automation GmbH, der Spezialist für Automatisierungskomponenten innerhalb der EMAG-Gruppe mit Hauptsitz in Salach im Landkreis Göppingen. Damit will EMAG die Zeit, die zum Aufbau einer neuen Anlage zur Fertigung von präzisen Automatisierungskomponenten benötigt wird, überbrücken.
© Wirtschaft Regional 29.07.2014 22:28
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