GSA: Von indischer in spanische Hand

CIE nun Mehrheitsgesellschafter der Mahindra Forgings Europe AG / Thomas Körner als CEO ausgeschieden
  • Jetzt in spanischer Hand: Die GSA-Zentrale in der Ulmer Straße in Aalen. (Foto: wh)
  • Thomas Körner: 2009 berichtete das heute journal über die „Schwabenschmiede“ GSA (Foto:arc)
Seit 1. November 2013 gehört die 1891 gegründete Gesenkschmiede Schneider Aalen (GSA) mehrheitlich nicht mehr dem indischen Mischkonzern Mahindra, sondern dem spanischen Automobilzulieferer CIE. Gleichzeitig ist Thomas Körner als Vorstandsvorsitzender der Mahindra Forgings Europe AG und der GSA ausgeschieden.Aalen. CIE mit Sitz in Bilbao will mit einer breiten Produktpalette, von Komponenten für den Antriebsstrang über Fahrwerks- und Interieursteile bis zu Dachsystemen, in Europa Marktanteile erobern. Die Spanier haben dafür zum 1. November ihre Anteile an der Mahindra Forgings Europe AG in Aalen, eine der fünf weltweit größten Schmiedegruppen, auf 52 Prozent erhöht. Thomas Körner (51), der Ende Oktober als Aufsichtsrat des Fußballzweitligisten VfR Aalen entlastet und wiedergewählt wurde, bestätigte auf Anfrage: „Ja, ich bin als CEO ausgeschieden. Wir haben uns freundschaftlich getrennt, ich werde das Unternehmen aber weiterhin beraten.“
Sein Lebens- und Arbeitsmittelpunkt werde künftig in Berlin sein, sagte Körner, „dort stelle ich mich einer neuen beruflichen Herausforderung.“ Er werde aber oft nach Aalen kommen: „Zu meinem Freund Berndt-Ulrich Scholz und zum VfR!“ 14 Jahre habe er in Aalen „eine wunderbare Zeit erleben dürfen“, sagte Körner. Es sei aber schon lange abgesprochen worden, dass er zurücktrete, wenn CIE die Mehrheit der Schmiedegruppe übernimmt. Sein Nachfolger, der CIE-Manager Edmundo Fernandez (40), sei ein „klasse Ingenieur und Techniker“.
Die GSA, deren Vermögen wie Grundbesitz und Wertpapiere in der vom Aalener OB geführten Carl-Schneider-Stiftung stecken, war 1992 in Schieflage geraten. Das vom damaligen Geschäftsführer Alfred Ebbinghaus entwickelte Innenhochdruckumformverfahren hatte Magna gekauft. Die GSA und mit ihr Hunderte von Arbeitsplätzen wurden auf Bitten von Alt-OB Ulrich Pfeifle gerettet – von Berndt-Ulrich Scholz.
Der Essinger Unternehmer überführte zum 1. Juli 1999 die GSA in die 1895 gegründete Jeco Jellinghaus GmbH, Gevelsberg, deren Chef und Minderheitsgesellschafter Thomas Körner war. Ende 1999 wurde die Jeco Holding AG in Aalen gegründet, zu der neben der GSA die Falkenroth Umformtechnik GmbH in Schalksmühle 2005 stieß. Anfang 2006 übernahm Mahindra die Stokes Group in Dudley/Großbritannien, Ende September 2006 wurde Mahindra Mehrheitsgesellschafter der Jeco Holding, an der Scholz noch 25 Prozent hielt (dieser Anteil wurde inzwischen abgesenkt). Nach der Übernahme der Schöneweiss-Schmiede in Hagen am 1. Juli 2007 durch Mahindra wurde sechs Wochen später die Mahindra Forgings Europe AG mit Thomas Körner als CEO gegründet. Das Spezialgebiet der Gruppe: Produktion von gesenkgeschmiedeten Sicherheitsmodulen und Teilen mit komplexen Strukturen für die Fahrzeugindustrie, den Maschinen- und Großmotorenbau.
Der börsennotierte Fahrzeug- und Traktorenhersteller Mahindra & Mahindra mit Sitz in Mumbai/Indien und CIE vereinbarten vor zwei Jahren eine enge Zusammenarbeit – CIE beteiligte sich mit 116 Mio. US-Dollar an Mahindra, im Gegenzug übernahm die Mahindra-Gruppe 13,5 % (Wert 94,24 Mio. Euro) der CIE und wurde so deren zweitgrößter Aktionär.
Beide Partner versprachen sich von diesem Deal „neue Chancen“ auf den jeweiligen Märkten; den Spaniern ging es besonders um einen besseren Zugriff auf den indischen Markt als Produktionsstandort für Kleinwagen.
Nun hat CIE das Engagement bei Mahindra ausgebaut – mit Auswirkungen auf Aalen? „GSA wird durch den Wechsel des Mehrheitsgesellschafters keinen Schaden erleiden“, ist sich Thomas Körner sicher. Ernst-Peter Schmitz bleibe Geschäftsführer in Aalen und stehe für Kontinuität. Die Auftragslage bei GSA sei „sehr stabil“, das Kompetenzzentrum für Forschung und Entwicklung werde ausgebaut, sagte Körner. Der Ex-CEO geht davon aus, „dass die rund 500 Mitarbeiter von GSA bis Ende des Geschäftsjahres einen Umsatz von etwa 100 Mio. Euro erwirtschaften werden. Körner sieht gute Wachstumspotenziale in einem von GSA entwickelten Patent für Kolbenkomponenten.
Solche Teile fertigt GSA vor allem fürs Berliner Nutzfahrzeugwerk von Mercedes-Benz; diese beiden Unternehmen verbindet auch eine lange Entwicklungspartnerschaft. Den Großteil des Umsatzes generiert GSA in Berlin – und da Thomas Körner eine besondere Liebe für Autos mit dem Stern hat, könnte sich das Geheimnis um seine „neue Herausforderung“ schnell lüften. Der Schmiedefachmann hat auch beste Beziehungen zu den Medien und zur Politik. Für Berater und Lobbyisten gibt es in der Bundeshauptstadt ja weite Betätigungsfelder.
© Wirtschaft Regional 18.11.2013 22:05
3920 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?