Duales System im Blick

Wirtschaftsgespräch Ostwürttemberg abgehalten
  • Dr. Hans-Peter Klös
Beim ersten Wirtschaftsgespräch Ostwürttemberg in der Hammerschmiede in Königsbronn wurde die berufliche Bildung in Deutschland thematisiert. Referent war Dr. Hans-Peter Klös, Geschäftsführer des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln.Königsbronn. „Der Übergang von der Schule ins Arbeitsleben verläuft in Deutschland bemerkenswert reibungslos. Ein gut ausgebautes Berufsbildungssystem gestattet es jungen Menschen, gut vorbereitet in den Arbeitsmarkt zu gehen.“ Zu dieser Erkenntnis kommt die OECD. Inzwischen blicken nahezu alle Mitgliedsstaaten der EU auf Deutschland. Obwohl das System der beruflichen Bildung Vorbildcharakter hat, gibt es eine Menge Probleme, wie beim ersten „Wirtschaftsgespräch Ostwürttemberg“ zu hören war. Auf Einladung der IHK und der Handwerkskammer (HWK) Ulm hatten sich vor allem Vertreter mittelständischer Unternehmen versammelt. Sie hörten, dass die Probleme, die eine sich verändernde Gesellschaft für das duale Bildungssystem mit sich bringt, nicht zu unterschätzen sind.
Dr. Hans-Peter Klös sprach über die berufliche Bildung als Eckpfeiler des deutschen Bildungssystems. Dabei sparte der studierte Volkswirtschaftler nicht mit Kritik und wies auf Probleme hin, die sich vor allem in der Zukunft stellen werden. Dass die OECD sich mit dieser Thematik beschäftigte, wertet der Referent als positives Zeichen. Es sei wichtig, die akademische und berufliche Bildung nicht gegeneinander auszuspielen. „Hier herrscht das Prinzip der Gleichwertigkeit“, sagte Klös.
Die durch die demografische Entwicklung entstandene Lücke ist seiner Meinung nach nicht mehr zu schließen. Der jetzt schon vorhandene Mangel an Fachkräften werde weiter zunehmen. Vor allem bei technischen Berufen gebe es bereits rund hundert „Engpassberufe“. Die Berufsorientierung müsse Teil der schulischen Allgemeinbildung werden. Probleme gibt es mit ungelernten jungen Menschen sowie mit Menschen mit Migrationshintergrund.
Darüber hinaus übersteigt der Bedarf an Fachkräften in regional abgegrenzten Arbeitsmärkten das Angebot, so dass Stellen dauerhaft nicht besetzt werden könnten. Diese Erfahrung macht man auch in Ostwürttemberg, wie die Hauptgeschäftsführer der IHK, Klaus Moser, und Dr. Tobias Mehlich von der HWK Ulm, übereinstimmend feststellten. Die Zahl der Engpassberufe bei gewerblich-technischen Berufen sei sehr hoch. Bei Akademikerberufen lägen die Engpässe vorrangig in den Bereichen MINT-Disziplinen und den Gesundheitsberufen. Nach Meinung von Klös verdienten bei der Ausschöpfung zusätzlicher Potenziale für die berufliche Bildung vor allem leistungsschwache Bewerber besondere Aufmerksamkeit.
Der Referent kam zu dem Schluss, dass die duale Ausbildung auch in Zukunft ein Eckpfeiler des deutschen Geschäftsmodells sein werde, weil dadurch die Fachkräftebasis des Mittelstandes am besten abgedeckt werden könne. Es gelte zusätzliche Potenziale zu erschließen. Das schließe die Rekrutierung aus dem Ausland nicht aus. Auch eine „Verberuflichung“ der Hochschulausbildung, wie das die Dualen Hochschulen praktizieren, sei ein Weg. Nicht zuletzt werde die Integration leistungsschwächerer Gruppen in die duale Ausbildung wichtig.
© Wirtschaft Regional 17.10.2013 20:44
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