Die EnBW ODR als Vorreiter gelobt

Zukunftsforum hat die Energiewende im Fokus – Modifikationen auf dem Weg dorthin angemahnt
  • Frank Mastiaux (l.) lobte die EnBW ODR als Trendsetter, Wolfgang Bruder (r.) zeigte Fakten. (Fotos: gek)
Am Montagabend feierte der Energieversorger EnBW ODR AG mit einem Zukunftsforum sein 100-jähriges Bestehen mit rund 250 Gästen aus Politik und Wirtschaft. In Zeiten der Energiewende ist eine sichere Stromversorgung aktueller denn je. Dr. Frank Mastiaux, Vorstandsvorsitzender der EnBW AG, kam erstmals aus Karlsruhe zum Tochterunternehmen zu Besuch nach Ellwangen. Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Wolfgang Bruder hielt das Impulsreferat, das die Zukunft der Energieversorgung thematisierte und auf eine Podiumsdiskussion vorbereitete.Ellwangen. Die ODR sieht sich seit dem Zusammenschluss von UJAG und MÜAG im Jahr 1999 als innovatives Tochterunternehmen des großen EnBW-Konzerns. Viele Pilotprojekte wurden zwischen Rems und Ries, Hohenlohe und der Donau gestartet, um als Vorreiter einer modernen Energieversorgung und neuerdings der Energiewende zu gelten. Intelligente Zähler für ein Smart Metering in intelligenten Netzen, Kooperationen zur Netzstabilisierung durch lokale Speichereinheiten, das Bewältigen von tausenden dezentraler Einspeisestellen aus regenerativen Energien oder die richtungsweisenden Initiativen zur Breitbandversorgung mit schnellem Internet durch die ODR-Tochter TSG seien stellvertretend als Beweis dafür genannt.
Als jüngste Innovation der EnBW ODR AG gilt das Errichten der ersten intelligenten Kompaktstation mit stufenloser Spannungsregelung namens „RiesLING“ im bayrischen Wechingen vor wenigen Wochen. In den Ausbau und die intelligente Steuerung der Stromnetze steckt das Unternehmen in den kommenden sieben Jahren rund 100 Millionen Euro. Die Zukunft der ODR liegt in Dienstleistungen für die bereits heute rund 25 000 Stromerzeuger, die regenerativ erzeugten Strom im Netzgebiet der ODR einspeisen: Deren Energie – sie deckt rund 40 Prozent des Strombedarfs in der Region – aufnehmen und zu vermarkten hat sich die ODR auf die Fahnen geschrieben.
Dies hat am Donnerstag Frank Mastiaux beim Festakt gewürdigt. „Hier in Ellwangen herrscht Pioniergeist und mittelständische Flexibilität. Das ODR-Netzgebiet gilt als Fokusregion der Energiewende, die dort bereits heute besonders gut sichtbar wird“, sagte der EnBW-Chef. In seinem klar strukturierten Grußwort nannte Mastiaux die Energiewende eine „Miteinander-machen-Bewegung“. Das Tempo des weiteren Ausbaus regenerativer Stromerzeugung werde unterschätzt, ebenso wie der Ausbau von Speichermedien. „Die Energiewende hat unser Geschäftsmodell in-Frage gestellt. Aber es gibt auch Chancen, an denen die EnBW partizipieren wird. Wir werden der Energiewende nicht ausweichen, sondern sie aktiv mitgestalten – ein steiniger Weg, aber wir gehen ihn“, sagte er.
Die Energiewende sei Realität, Deutschland „in der Mitte des Wegs“ angekommen. Die EnBW werde selbst erneuerbare Stromerzeugung sowie die Netze ausbauen. Den Verantwortlichen beim Tochterunternehmen ODR riet er, weiter gezielt smarte, innovative Ideen in einer Fokusregion zu verwirklichen. „Die ODR hat ein feines Gespür dafür, was Kunden benötigen. Der Austausch mit den Mitarbeitern heute war für mich ein Lernprozess“ – Mastiaux’ Worte mussten wie Balsam auf den Seelen der ODR-Mitarbeiter klingen.

Bruder mahnt Modifikationen an
Nüchterner, aber deshalb nicht weniger griffig, lieferte Dr. Wolfgang Bruder knallharte Fakten der Energiewende, an deren „Spitze die ODR als Vorreiter marschieren will“. In der Beurteilung der Ziele der Wende und deren Umsetzung zeige sich eine riesengroße Diskrepanz: 82 % stimmten der Zielsetzung zu, 48 % seien mit der Umsetzung unzufrieden. Bruder: „Unter den Unternehmern steigt dieser Wert auf 83 %.“ Der ODR-Aufsichtsratschef sprach zudem von 16 verschiedenen Energiewenden in Deutschland, da jedes Bundesland ein eigenes Süppchen koche.
Aus seiner Sicht wichtige Punkte sind die immer noch steigende Leistung regenerativer Energien, die bereits 2016 im Land die Maximallast überschreite – der Fotovoltaik und der Windenergie geschuldet. „Die Energiewende findet deshalb in den Verteilnetzen mit 20 kV- und 400 Voltleitungen statt, also hier bei uns im ODR-Netz“, betonte Bruder. Pro Jahr müsste sein Unternehmen, die EnBW Regional AG deshalb 100 bis 150 Millionen Euro in diese Netze investieren, was zu „dramatischen Herausforderungen führt“. Der ländliche Raum dürfe nicht überbeansprucht werden durch diese Investitionen.
Beim Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) forderte Bruder Modifikationen ein. Stand heute habe die Stromwirtschaft 300 Milliarden Euro Zahlungsverpflichtungen an die Einspeiser, die aus der 20 Jahre verbrieften Vergütung aus dem EEG resultiere. Durch die Vorrangeinspeisung von regenerativem Strom seien selbst neueste Kohle- oder Gaskraftwerke unrentabel geworden – wenn auch nicht unnötig oder verzichtbar, erinnerte Bruder. Denn: Sie werden immer noch als Backup benötigt. „Das Vorhalten kostet Geld. Das wird aber auch erst nach der Bundestagswahl klar gesagt, ebenso wie die Höhe der EEG-Umlage von 6 bis 6,5 Cent je kWh für 2014.“
© Wirtschaft Regional 09.09.2013 20:22
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