Die Commerzbank ändert ihren Kurs

Das während der Bankenkrise in der Kritik stehende Haus öffnet sich und stellt sich als regionaler Dienstleister dar
  • Rudi Maurer und Patrick Lang (v.li.) sind für die Commerzbank-Geschäfte in Ostwürttemberg zuständig und haben ihren Sitz in der Schwäbisch Gmünder Filiale in der Bocksgasse. (Foto: sk)
Nach der weitgehend abgeschlossenen Fusion mit der Dresdner Bank und den Unwägbarkeiten während der Finanzkrise bemüht sich die Commerzbank AG auch in der Region um eine Normalisierung. Die beiden für Ostwürttemberg zuständigen Mitglieder der Geschäftsleitung, Patrick Lang (Privat- und Geschäftskunden) sowie Rudi Maurer (Mittelstand) präsentierten erstmals seit Jahren wieder regionale Zahlen.Schwäbisch Gmünd. Der Privat- und Geschäftskundenbereich habe sich 2012 gut entwickelt. Die Kundeneinlagen der 63 000 (+1400 oder 2,3 Prozent) Privatkunden in der von Bad Cannstatt bis Aalen und von Backnang bis Heidenheim reichenden Region Schwäbisch Gmünd stiegen um 19 Prozent auf 323 Millionen Euro – bundesweit lag der Zuwachs lediglich bei 10 Prozent. An den Standorten Gmünd, Aalen und Heidenheim betreuen 37 Mitarbeiter die 25 000 Kunden. 2012 legte das Neugeschäft bei privaten Baufinanzierungen um 44 Millionen Euro zu. Das Kreditvolumen der Privatkunden lag bei 500 Millionen Euro, die 65 000 Kunden hatten zum Jahresende 2012 ein Depotvolumen von rund 430 Millionen Euro bei der Commerzbank angelegt.
Die Commerzbank werbe um das Vertrauen der Kunden. Denn: „Die Finanzkrise war auch eine Vertrauenskrise. Unser Institut hat deshalb seinen Kurs geändert: Wir wollen eine Multikanalbank sein und investieren bis 2016 rund eine Milliarde Euro in deren Ausgestaltung“, sagte Patrick Lang. Rund die Hälfte des Betrags fließe dabei in das Produktangebot vom kostenlosen Girokonto für junge Menschen bis 30, neue Verbraucherkreditformen oder den Kundenkompass und die anbieterunabhängige Beratung bei Fondsalnagen oder der Immobilienfinanzierung. „Unser Filialnetz bleibt erhalten, es werden aber neue Filialmodelle getestet, die auf verschiedene Bedürfnisse zielgenauer eingehen“, sagte Lang. Zudem würden in IT- und Onlinesysteme rund 220 Millionen Euro investiert, 60 Millionen Euro kommen der Qualifizierung von Mitarbeitern zugute. Pro Filiale würden rund 100 Kunden pro Jahr nach ihrer Weiterempfehlungsbereitschaft befragt. Patrick Lang: „An der Kundenzufriedenheit wollen wir uns messen lassen.“
Rudi Maurer berichtete von ebenfalls guten Zahlen im Mittelstandsgeschäft. Aktuell würden 972 größere Firmenkunden ab einem Jahresumsatz von grob 2,5 Millionen Euro Umsatz aufwärts von seinen 20 Mitarbeitern betreut. 2012 sei im Durchschnitt für die Firmen der Region ein gutes Geschäftsjahr gewesen, die Commerzbank mit den drei Firmenkundenfilialen Gmünd, Aalen und Heidenheim konnte ein Kreditwachstum von 3 Prozent aufweisen. „Die ungefähr 2,2 Milliarden Euro hohen Kreditlinien unserer Kunden sind bei weitem nicht ausgereizt, es besteht rund eine Milliarde Luft nach oben“, sagte Maurer – Kreditklemmen gebe es also nicht.
Maurer konnte anhand seiner Zahlen feststellen, dass „der Mittelstand immer internationaler wird“. 2012 lag die im Ausland betreute Kundenanzahl bereits bei 47, im laufenden Jahr „wird sie auf rund 60 ansteigen“, betonte Maurer. Für das Betreuen der Mittelstandskunden im Ausland stünden in Schwäbisch Gmünd alleine vier Mitarbeiter zur Verfügung. Schwerpunkte unternehmerischer Aktivitäten seien neben China, dem asiatischen Raum und den USA auch Ost- und Mitteleuropa. Für 2013 prognostiziert Rudi Maurer ein rapides Anwachsen in der Vermittlung von Förderkrediten verschiedener Institutionen an seine Firmenkunden. „Im ersten Quartal 2013 hatten wir eine sehr starke Nachfrage in Höhe von 34 Millionen Euro vermittelter Förderkreditsumme. 2012 haben wir im gesamten Jahr 44 Millionen Euro Förderkredite vermittelt“, legte Maurer dar.

Geschäfte mit dem Mittelstand werden immer internationaler
Deshalb werde das vor Ort betreute Kreditvolumen, das bislang rund 500 Millionen Euro betragen habe, noch stärker ansteigen – Maurer spricht von rund 750 Millionen Euro für 2013. „Derzeit stellen wir eine sehr hohe Investitionsbereitschaft bei unseren mittelständischen Kunden fest. Dabei wollen wir auch neue Kunden hinzu gewinnen, obwohl wir bei den Firmen bereits eine sehr hohe Marktdurchdringung haben“, sagte Maurer im Gespräch mit dieser Zeitung.
Beim Mittelstand stellte Rudi Maurer in den vergangenen Monaten einen gesteigerten Beratungsbedarf fest. Themen wie das Einfädeln von Konsortialkrediten, das Platzieren von Unternehmensanleihen oder bei der Regelung der Unternehmensnachfolge seien die Commerzbank-Berater gefragte Gesprächspartner, um maßgeschneiderte Lösungen zu finden. „Die klassische Kreditfinanzierung wird bei Unternehmen nicht sterben, da eine Versorgung mit Risikokapital in Deutschland schwieriger ist als beispielsweise in den USA“, sagte er.
Vermögende Kunden und Stiftungen werden bei der Commerzbank von Spezialisten in Stuttgart betreut. „Die Anzahl der Kunden aus diesem Bereich rechtfertigt das Vorhalten von Mitarbeitern im Filialbetrieb nicht“, sagte Maurer.
© Wirtschaft Regional 02.05.2013 18:03
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