Schulform als Chance

HK Ulm bewertet Einführen der Gemeinschaftsschule
  • Handwerkskammerpräsident Anton Gindele
„Darauf haben wir dringend gewartet“, begrüßte Anton Gindele, Präsident der Handwerkskammer Ulm, die Ankündigung von Kultusministerin Warminski-Leitheußer, nach den Sommerferien mit den ersten 34 Gesamtschulen in Baden-Württemberg, darunter allein vier im Ostalbkreis, an den Start zu gehen. „Wir bauen auf die Gemeinschaftsschule, denn gerade im Handwerk steigen die Qualifikationsanforderungen kontinuierlich und die Betriebe sind auf leistungsstärkere Auszubildende angewiesen“, kommentierte Gindele die Einführung der neuen Schulart.
Ulm/Ostwürttemberg. Die Gemeinschaftsschule müsse jetzt unter Beweis stellen, dass sie leiste, was die Hauptschule in vielen Bereichen in den letzten Jahren vermissen ließ. Das Handwerk zwischen Ellwangen und dem Bodensee verspreche sich von der Gemeinschaftsschule eine Verbesserung der Ausbildungsreife der Jugendlichen und eine durchgängige berufliche Orientierung. „Wir müssen aufpassen, dass sich die Gymnasien diesen Ideen nicht entziehen und damit der echten Berufsorientierung. Da muss dringend nachgebessert werden“, erklärte Gindele.
Auch fehle es leider noch an konkreten Inhalten. Unklar sei zum Beispiel, „woran ein Handwerksbetrieb erkennen kann, welchen Wissensstand ein Bewerber oder Praktikant aus der Gemeinschaftsschule mit sich bringt.“ Denn Bewerbungen erfolgten häufig schon im Jahr vor dem eigentlichen Schulabschluss. Die Betriebe bräuchten ein transparentes Bewertungssystem, das für jeden nachvollziehbar und verständlich sein müsse. „Dies sind Fragen, auf die nicht nur die Eltern, sondern auch die mittelständischen Unternehmen zügig Antworten verlangen“, sagte Gindele.
Bei allem Respekt vor dem Willen der Landesregierung, das Bildungssystem in Baden-Württemberg gerechter zu machen, müsse die neue Gemeinschaftsschule über eine fest verankerte Berufsorientierung auf direktem Weg in die duale Ausbildung führen.

Gemeinschaftsschule soll nicht Schlusslicht in Bildungspolitik sein
Sie dürfe auf keinen Fall Schlusslicht in der Bildungspolitik sein. Mit den ausgewählten Schulen sei die Entwicklung auf einem guten Weg, betonte Gindele. „Das Handwerk erwartet ausbildungsreife Jugendliche, die erfolgreich eine Lehre bestehen können“, erklärte Gindele unter Hinweis darauf, dass für gelungenes gemeinsames Lernen es auch die Leistungsträger und positiven Vorbilder braucht, die nicht auf andere Schularten und Privatschulen ausweichen dürften.
Handwerker könnten nicht auf Dauer die neuen Nachhilfelehrer der Nation spielen, um während der beruflichen Ausbildung nachzuholen, was in der Schule versäumt wurde. Gindele: „Die Landesregierung muss sich weiter konsequent für Qualität und Attraktivität der Gemeinschaftsschule einsetzen. Der Schlüssel zu einer erfolgreichen Bildungsreform sind klare Konzepte der Berufsorientierung einschließlich der Aus- und Weiterbildung der Lehrer.“
© Wirtschaft Regional 17.01.2012 21:16
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