TRW: Verkaufsschlager Eurobag

50 Jahre Insassenschutz – von Repa zu TRW Automotive / Teil 3 unseres historischen Rückblicks: 1985 bis 1995
  • Versuche auf der Crashanlage in Alfdorf förderten die Produktion von Airbags.
Die TRW Automotive GmbH in Alfdorf ist heute ein Unternehmen des TRW-Konzerns in Livonia/USA, einer der weltweit größten Automobilzulieferer mit 70 000 Mitarbeitern. Die regionalen „Wurzeln“ liegen in Lindach. Dort gründete 1961 Erich Klink das Feinstanz- und Repassierwerk Repa. „50 Jahre Insassenschutz. Von Repa zu TRW Automotive“ – unter diesem Titel blickt diese Zeitung auf die Firmenhistorie zurück. Heute auf die Zeit zwischen 1985 und 1995.Alfdorf. 1985: 23 Millionen Fahrzeuge auf den deutschen Straßen und es ist das „Jahr der Verkehrssicherheit“! Die Einführung des Bußgeldes erhöhte die Anschnallquote und senkte die Zahl der Unfalltoten. 1985 wurden 440 000 Menschen bei Verkehrsunfällen verletzt und 8900 starben. Es galt, den Straßenverkehr noch sicherer zu machen.
In Alfdorf wurde 1987 mit der Schlittenbahn eine neue Crashanlage gebaut: stationäre Kameras machen 10 000, mitfahrende Kameras 6000 Bilder jeweils pro Sekunde, 24 Halogenlampen erzeugen 200 000 Lux Helligkeit. Hinzu kam eine Werkserweiterung um 3500 qm für die Kunststoffverarbeitung und für die Airbagproduktion, ein neues zweistöckigem Verwaltungsgebäude und ein dreistöckiges Versuchszentrum mit Büroquerspange zur Verwaltung.
1987 wurde die Airbagproduktion mit elf Einheiten für den Beifahrerairbag begonnen. In den ersten zwei Jahren wurden nur für die S-Klasse 37 343 Einheiten produziert. TRW spezialisierte sich auf Beifahrerairbags, Lenkradhersteller lieferten den Fahrerairbag. Bis 1987 wurden 100 Millionsten Automatikgurte produziert. In Europa lag TRW mit einem Marktanteil von 34 Prozent knapp vor dem größten Konkurrenten Autoliv. Damals gab es noch weitere sechs Gurtlieferanten.
1988 wurde ein weiteres Werks in Peterlee/England eröffnet, dort wurden für Ford Sicherheitsgurte produziert. 15 Kunden wurden nun in Europa mit Sicherheitsgurten der neusten Generation beliefert, von Alfa Romeo, über Audi, BMW, Daimler Benz, Fiat, Ford, Porsche, PSA, Renault, Saab, Seat, Volvo bis VW.
1990 wurde die lang erwartete Premiere der Produktion von Fahrerairbags in Alfdorf mit 11.000 Einheiten für Landrover gefeiert. TRW nahm die Produktion des Fahrerairbags für SAAB auf. Damit brach TRW die Tradition der Lenkradhersteller und stellte nun Fahrerairbags in Serie her. Allerdings war damals der Airbag nur als teure Zusatzausstattung zu bekommen, die Skepsis der Autofahrer war noch groß. Brillenträger und Raucher befürchteten Gesichtsverletzungen.
TRW Repa arbeitete damals an 25 Entwicklungsprojekten für den Airbag. Auch neue Produkte wie der Gurthöhenversteller oder der Schlossstraffer wurden auf den Markt gebracht, Alfdorf war nun das Herz aller europäischen Entwicklungen. Das erste osteuropäische Werk für Sicherheitsgurte wurde 1990 in Czestochowa in Polen eröffnet.
Mit 18,2 Millionen Pkws wurde 1992 in Deutschland ein Produktionsrekord aufgestellt, danach war der Markt zunächst gesättigt. Dennoch steigerte TRW jährlich den Umsatz, weil der Airbag plötzlich auch in den Neufahrzeugen Einzug hielt. 1995 ließ ein für den Golf entwickelter günstiger Airbag die Nachfrage wachsen. Dieser „Eurobag“ wurde für 200 DM für den Fahrer oder im Doppelpack für 400 DM verkauft.
Das Werk in Lindach wurde 1991 geschlossen, der Werkzeugbau und auch die Stanzerei nach Alfdorf verlagert. Von 90 000 Sicherheitsgurten, die in Europa täglich produziert wurden, kamen allein 20 000 aus Alfdorf. Für VW wurde 1993 ein spezieller Linearstraffer entwickelt und gefertigt. Außerdem: Airbags für BMW, Fiat, Mercedes Benz, Rover, SAAB und VW. Heute würde man von einer Standardausstattung sprechen.
Die Ausstattungsraten damals betrugen beim Audi 100 15, beim BMW 3er 13 und bei der E-Klasse 35 Prozent. Nur die S-Klasse und der 7er-BMW wurden voll ausgestattet. Dennoch wurde 1991 eine neue Halle für die Airbagmontage und das neue Pyrotechniklager notwendig, insgesamt eine Erweiterung um 2300 qm. Außerdem wurde ein neues Betriebsrestaurant eröffnet.
In diesen Jahren stand TRW Repa vor mehreren Herausforderungen: Es musste der erhöhte Bedarf an Sicherheitsgurten bewältigt werden und neue Airbagprojekte in Serie anlaufen. Die höheren Stückzahlen erforderten für beide Produktlinien weitere Auslandswerke: 1995 kam in Tschechien ein Sicherheitsgurtwerk hinzu, in Italien wurden die ersten Airbags aus Bricherasio an den Kunden Fiat ausgeliefert. Durch die Akquisition eines Werkes in Südafrika lieferte TRW nun Sicherheitsgurte an die dort ansässigen deutschen Automobilhersteller direkt ans Band.
Waren die Insassen eigentlich durch die Sicherheitsgurte und Frontairbags ausreichend geschützt? Schon lange arbeitete TRW auch am Seitenaufprallschutz, 1995 ging der erste Seitenairbag in Serie. Es war dann auch ein Seitenairbag, der symbolisch als fünfmillionster TRW-Airbag an BMW überreicht wurde. 27 Prozent aller damals in Europa produzierter Airbags kamen von TRW.
© Wirtschaft Regional 08.07.2011 21:33
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