Das Forum sendet positive Signale aus

Automotive-Forum der Stadt Schwäbisch Gmünd und Wirtschaft Regional: Mobilität bedeutet Investitionen und neue Arbeitsplätze
  • Gelungene Veranstaltung in großer Runde: Dr. Henning Wagner, Dr. Stefan Scheffold, Dr. Jochen Kress, OB Richard Arnold, Dr. Konrad Holl, Klaus Pavel, , Prof. Dr. Gerhard Schneider, Dr. Peter Heuser, Dr. Thomas Vetter und Winfried Hofele (v.li.) besprachen die Thematik künftiger Mobilität umfassend beim Automotive Forum.
  • Thomas Vetter (re.), Vorstandsvorsitzender von Aradex, zog die gut 100 Zuhörer in der Technischen Akademie in seinen Bann. (Fotos: Eva Gaida)
Acht hochkarätige Referenten, ebenso fachkompetente Besucher und klare Botschaften: Ostwürttemberg, die Region der Talente und Patente setzt auch in Zukunft auf die Mobilitätsbranche. Vor allem Vertreter der Automobilzuliefererindustrie konnten beim Automotive-Forum von Wirtschaft Regional und der Stadt Schwäbisch Gmünd in der Technischen Akademie der Stauferstadt mit positiven Botschaften aufwarten. Und: Hunderte zusätzliche Arbeitsplätze wurden angekündigt.Schwäbisch Gmünd. „Schwäbisch Gmünd profitiert vom Automobil“, betonte Gmünds OB Richard Arnold in seiner gemeinsamen Begrüßung mit Wirtschaft Regional-Chefredakteur Winfried Hofele. Wie wenn er die folgenden Ausführungen von ZFLS-Finanzchef Dr. Henning Wagner erahnt hätte, der Investitionen in Höhe von 16 Millionen Euro, ein „Rekordjahr“ und „sicher neue Arbeitsplätze“ verkündete (wir berichteten), bedankte sich das Stadtoberhaupt bei allen vertretenen Firmen für deren Engagement in der Stauferstadt.
Arnold hob die Tatsache hervor, dass Schwäbisch Gmünd neben Ludwigsburg, Offenburg und Ettenheim Modellkommune für Elektromobilität in Baden-Württemberg sei. „Wir wollen dies bei der Landesgartenschau 2014 für alle sichtbar machen. Wir wollen 600 000 Gästen zeigen, was E-Mobilität heißt, dass die Fahrzeuge funktionieren und sie ausprobiert werden können.“ Den Veranstaltungsort, die Technische Akademie, zog Arnold gleich mit ein: „Hier wird künftig die Weiterbildung in Sachen E-Mobilität stattfinden.“ Studierende oder auch den kommunalen Ordnungsdienst kann sich der OB künftig „sehr gut auf neuen Fahrzeugen vorstellen, die allein mit Strom betrieben werden“.
Dr. Henning Wagner, CFO der ZF Lenksysteme GmbH, machte allen Besuchern der Veranstaltung in seinem Referat deutlich, dass in Deutschland das Thema Krise beendet ist. Forschung und Entwicklung habe das Unternehmen nicht heruntergefahren, auch die Stammbelegschaft sei nicht abgebaut worden. „Wir profitieren von den Forschungsinvestitionen der letzten Jahre.“
Dr. Thomas Vetter, Vorstandsvorsitzender der Aradex AG, widmete sich in seinem Vortrag voll und ganz der künftigen Mobilität. Eindrucksvoll machte er seiner Zuhörerschaft klar, dass lineare Entwicklungsprozesse bei innovativen Techniken nicht gedacht werden dürfen. Wer heute behauptet, dass bestimmte technische Prozesse nicht möglich sind, irrt mit fast 100-prozentiger Wahrscheinlichkeit. Ähnliches gelte für die Elektromobilität. Natürlich, so Vetter, drehe sich alles um das Thema Batterie und Speicherkapazität. Seine Lösung: Wir brauchen höher drehende Elektromotoren, die einen geringeren Energieeinsatz benötigen. Bereits von Aradex umgesetzt, sieht Vetter die Lösung für künftige E-Mobilität auf drei Ebenen: Reine Batteriefahrzeuge im Bereich der Zweit- und Drittfahrzeuge oder auch bei kommunalen Fahrzeugen, Vollhybride mit hochleistungsfähigen Verbrennungsmotoren und Plug-In-Hybride für die Massenmobilität.
Wie das Thema E-Mobilität an der Hochschule Aalen aufgenommen, gelehrt und in den dortigen Labors auch erforscht wird, darüber berichtete deren Rektor Prof. Dr. Gerhard Schneider. Zahlreiche der Studiengänge könnten dem Thema Rechnung tragen, wenn die vermittelten Kernkompetenzen auf diesem Gebiet eingesetzt würden. Für Prof. Schneider ist der Leichtbau einer der Schlüsselaspekte für künftige Mobilität. Deshalb hätten sich einige seiner Kollegen auch ganz gezielt in Kooperation mit Industrieunternehmen aus der Region der weiteren Erforschung von Leichtbaumaterialien.
„Können wir künftig überhaupt noch vom Automobil leben?“, fragte Dr. Jochen Kress , Chef der Mapal KG in Aalen häretisch in den Raum. „Ja, wir können“, lautete die Antwort, die Kress plausibel machte. Energieeffizienz sei die treibende Kraft für einen Automobilzulieferer wie Mapal. „Wir beschäftigen uns aktuell mit den Themen Downsizing und Leichtbau und bearbeiten in diesem Zusammenhang ganz neue Werkstoffe.“ Letztlich, so Kress, könne er schon heute sagen, dass für sein Unternehmen auch in Zukunft die Mobilitätsbranche die wichtigste sei. „Der Markt der Hubkolbenmotoren wird weiter wachsen.“
War das Thema Batterie und Speicher in vielen Vorträgen schon angeklungen, konnte Dr. Konrad Holl, Geschäftsführer der Volkswagen Varta Microbattery Forschungsgesellschaft aus Ellwangen von seinem Tages- und Forschungsgeschäft berichten. Vor dem Hintergrund des nationalen Entwicklungsplans Elektromobilität in Deutschland wurde die Forschungsgesellschaft mit Fördermitteln des Bundes gegründet.
Von Seiten der Unternehmen beendete Dr. Peter Heuser, CEO der Ricardo Deutschland, den Vortragsreigen. Für ihn laute die zentrale Frage: „Wieviel Mobilität wollen wir uns leisten?“ Angesichts immer geringer werdender Rohstoffquellen könnte es nicht das Ziel sein, Elektrofahrzeuge auf der Basis fossiler Brennstoffe fahren zu lassen. „Wir brauchen dringend mehr Fachkräfte. Wir wollen unsere Mitarbeiterzahl in Gmünd von 200 bis in fünf Jahren verdoppelt haben.“
Solche Botschaften hörte nicht nur OB Arnold, sondern auch der Landtagsabgeordnete und Staatssekretär Dr. Stefan Scheffold gerne. Scheffold sprach in seiner Funktion als Aufsichtsrat der e-mobile BW GmbH. „Wir wollen aus der E-Mobilität einen Jobmotor machen“, sagte Scheffold. Angesichts der Innovationskraft der gesamten Mobilitätsbranche sei er hier auch sehr zuversichtlich. Das Land sei dabei, die E-Mobilität zu einem industriellen Massenprodukt zu machen. Klaus-Peter Betz
© Wirtschaft Regional 15.12.2010 21:46
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