Elf Pflegehilfskräften gekündigt

Finanz-Schieflage des Arbeiter-Samariterbundes betrifft Seniorenzentrum in Lindach
  • Das Seniorenzentrum des Arbeiter-Samariterbundes in Schwäbisch Gmünd-Lindach: Elf Pfleghilfskräfte sollen künftig 15 Prozent weniger verdienen. (Foto: Tom)
Den Regionalverband Rems-Murr/Schwäbisch Gmünd des Arbeiter- Samariterbundes (ASB) Baden-Württemberg plagt ein finanzielles Minus von rund 300 000 Euro. Um diese Last auszugleichen, kooperieren mit dem Ziel einer Kostensenkung seit dem 1. September 2010 die Regionalverbände Rems-Murr/Schwäbisch Gmünd und Stuttgart. Die Konsequenz für elf Pflegehilfskräfte im Seniorenzentrum Schwäbisch Gmünd-Lindach daraus: Sie müssen mit einer Lohnkürzung um 15 Prozent einverstanden sein, ansonsten wird die bereits (vorsorglich) ausgesprochene betriebsbedingte Kündigung wirksam.Schwäbisch Gmünd. Deshalb herrscht im Lindacher Seniorenzentrum bei den Mitarbeitern, zunehmend aber auch bei den dort wohnenden 52 Seniorinnen und Senioren große Unruhe. Auf einer Hausversammlung am morgigen Donnerstag um 19 Uhr soll „aufgeklärt und informiert werden“, sagte der Stuttgarter ABS-Geschäftsführer Kersten Stier im Gespräch mit dieser Zeitung.
Der ASB Stuttgart hat die komplette Verwaltung und Leitung der ambulanten und stationären Dienste im Bereich Rems-Murr und Schwäbisch Gmünd übernommen. Das sind die Seniorenzentren in Lindach, Welzheim und Winnenden. Der bisherige Vorstand unter dem Vorsitz von SPD-MdB Christian Lange bleibe weiter bestehen und werde weiterhin seine Aufgaben in Zusammenarbeit mit ihm wahrnehmen, sagte Kersten Stier.
Die Kooperation sei notwendig geworden, um die bislang defizitären Dienstleistungsbereiche „künftig finanziell ausgeglichen gestalten zu können“. Zu den Ursachen der Schieflage wollte sich Stier nicht äußern: „Das hat historische Gründe und liegt vor meiner Zeit beim ASB zurück.“ Zur Sanierung sei die Senkung der Sach- und Verwaltungskosten sowie auch und besonders der Personalkosten notwendig. Stier: „Bei den Sach- und Verwaltungskosten haben wir schon einiges eingeleitet, der dickste Brocken mit einem Anteil von 65 Prozent sind aber die Personalkosten – das ist im Dienstleistungssektor traditionell so“. Laut Stier seien die Pflegehilfskräfte in Lindach, Winnenden und Welzheim bisher überdurchschnittlich entlohnt worden: „Wir brauchen deshalb eine Anpassung an marktübliche Vergütungssätze, die Einhaltung der geltenden Mindestlöhne ist für uns aber ein Selbstverständnis“. Die Reduzierung der Löhne betrage rund 15 Prozent.
Nach Informationen dieser Zeitung soll der Stundenlohn bei den Pflegehilfskräften von 11 auf 9 Euro gesenkt werden.
„Wir haben in Lindach vorsorglich elf Mitarbeiter/innen gekündigt“, sagte Stier und betonte: „Wer bereit ist, für den veränderten Lohnsatz zu arbeiten, bekommt einen neuen Arbeitsvertrag“. Mit einigen Pflegehilfskräften sei schon eine Einigung erzielt worden, andere hätten Widerspruch gegen die Kündigung eingelegt. Für Stier steht fest: „Wer nicht bereit ist, zu den neuen Bedingungen bei uns zu arbeiten, verliert diesen Arbeitsplatz.“ Gleichwohl werde keine Stelle abgebaut, betonte Stier, „denn wir sind verpflichtet, eine bestimmte Personalquote in Qualität und Quantität vorzuhalten“. Es gebe bereits Neubewerbungen auf Stellen, die eventuell frei werden.
Durch die Senkung der Entlohnung im Bereich der Pflegehilfskräfte – die examinierten Fachkräfte sind davon nicht betroffen – werde die bisherige hohe Qualität der Pflegeleistungen nicht gemindert, gibt sich Stier zuversichtlich. Wie bisher würden die Qualitätsrichtlinien des ASB Landesverbandes Baden-Württemberg sowie der Kostenträger in vollem Maß umgesetzt und erfüllt.
Kersten Stier erklärte weiter, dass sich Vorstand und Geschäftsführung des ASB Landesverbandes sich zum Ziel gesetzt hätten, „dass die wirtschaftliche Gesundung des ASB Regionalverbandes Rems-Murr/Schwäbisch Gmünd innerhalb der nächsten zwölf bis Monate wiederhergestellt ist“.
© Wirtschaft Regional 28.09.2010 22:11
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