Prototechnik geht an Eberspächer

Mitarbeiterzahl soll beim Spezialist für Abgasanlagen erhöht werden – Positive Stimmen von Autoherstellern – Kompetenzzentrum in Gmünd
  • Motorenprüfstand mit einer Abgasanlage von Eberspächer.
  • Das Logo bleibt, die Zugehörigkeit hat gewechselt: Die Prototechnik GmbH wechselt von Ricardo zu Eberspächer. Die 80 Mitarbeiter wurden von Heinrich Baumann (geschäftsführender Gesellschafter Eberspächer), Mathias Keck (Vizepräsident globale Entwicklung Eberspächer), Stefan Schmidt (Geschäftsführer operativ Prototechnik) sowie Martin Peters (Präsident Managing Partner Eberspächer, v.li.) über die neuen Ziele informiert. (Foto: sk)
Durch die Übernahme der Prototechnik GmbH durch die in Esslingen ansässige J. Eberspächer GmbH zum 28. Juli sichern sich die Neckartäler Kapazitäten und Know-how in der Prototypen- und Sonderserienfertigung von Abgasanlagen. Der Großserienlieferant Eberspächer rundet sein Portfolio somit ab, Prototechnik hat als Kompetenzzentrum für Leichtbau und Sonderserien Planungssicherheit und mehr Flexibilität für die kommenden Jahre, in denen Expansion auf die Fahnen geschrieben ist. Und der seitherige Eigner Ricardo Deutschland kann sich auf das Entwickeln und die Sparte Prüftechnik konzentrieren.Schwäbisch Gmünd. Gestern wurden die 80 Mitarbeiter vom neuen Management von Eberspächer sowie dem operativen Geschäftsführer Stefan Schmidt, der bereits seit 2009 die kommissarische Leitung von Prototechnik übernommen hatte, in einer Infoveranstaltung über die weitere Planung und die Ziele bei Prototechnik unterrichtet. „Wir haben die Zeit, in der sich die Zukunft der Prototechnik in der Schwebe befand, beendet. 2010 und 2011 wird das Gmünder Unternehmen schwach wachsen, danach erwarten wir zweistellige Zuwachsraten beim Umsatz. Dieser Entwicklung tragen wir bereits heute durch Neueinstellungen Rechnung. Für September suchen wir noch zwei Auszubildende als Industriemechaniker und einen im Bereich Lagerlogistik. Zudem sind sechs weitere Stellen vakant“, erklärte Heinrich Baumann, geschäftsführender Gesellschafter bei Eberspächer.
Eberspächer spielt bereits seit gut einem Jahr mit dem Gedanken der Übernahme von Prototechnik. Durch die Wirtschaftskrise wurde dies jedoch 2009 in den Hintergrund gedrängt. „Im Februar haben die Gespräche sich dann wieder intensiviert, nachdem klar war, dass sich die konjunkturelle Lage zum Besseren wendet“, erklärte Mathias Keck, Vizepräsident für Entwicklung bei Eberspächer und Geschäftsführer bei Prototechnik. Mit dem Kauf sei Eberspächer nicht über Nacht zum Marktführer geworden, vielmehr habe man sich einen Wettbewerbsvorteil in Kompetenz und bei Kapazitäten in der Sonderserienfertigung erworben, sagte Keck. Eberspächer und Prototechnik würden noch mehr zum Systemintegrator für Abgasanlagen.
Prototechnik ist auf Produkte im Bereich Ansaug- und Abgassysteme, auf Abgasnachbehandlung und sonstige Rohrsysteme spezialisiert. Der Fokus des seit 2003 zu Ricardo Deutschland GmbH gehörenden Unternehmensbereichs liegt auf der Entwicklung und Herstellung von Prototypen sowie Sonderserien für Pkw, Nutzfahrzeuge, „Off-Highway“-Anwendungen, Motorräder, Rennsport- und High-Performance-Fahrzeuge.

Titanschalldämpfer für Porsche
Die Experten der 1985 gegründeten Prototechnik verfügen über umfassendes Know-how in der Verwendung von Spezialwerkstoffen wie Aluminium und Titan. Paradebeispiel ist die Serienfertigung des Titan-Schalldämpfers für den Porsche 911 GT3 RS. Zu den Kunden von Prototechnik – die seit über 20 Jahren erfolgreich mit Eberspächer zusammenarbeitet – zählen namhafte Motoren- und Fahrzeughersteller, weitere Systemlieferanten sowie eine Vielzahl internationaler Rennteams. „Prototechnik wird nach dem Verkauf an Eberspächer mehr Freiheitsgrade im operativen Geschäft haben als bisher. Mit Eberspächer im Rücken werden wir noch flexibler am Markt operieren“, sagte Stefan Schmidt. Das Prototechnik-Logo bleibe erhalten. Für Ricardo als Entwickler sei die Produktionstiefe der Prototechnik zu groß gewesen.
Und die OEMs reagierten ebenfalls positiv auf das Ende der Hängepartie am Gügling: Von Porsche, für dessen Modell 911 Eberspächer die Serienabgasanlage liefert, kamen sofort nach Vertragsabschluss positive Signale, verriet Heinrich Baumann. Die Hersteller hätten in der Krise ein scharfes Auge auf ihre Zulieferer geworfen und begrüßten die Konzentration von Know-how.
„Jedes Gramm Gewichtsersparnis reduziert den CO2-Ausstoß und macht die Fahrzeuge umweltverträglicher“, betont Prototechnik-Geschäftsführer Dr. Thomas Wünsche, der bei Eberspächer für den Bereich Abgastechnik verantwortlich ist. Mit Übernahme der Prototechnik könne Eberspächer neue Markt- und Produktfelder im Bereich Leichtbau erschließen. Das Thema Leichtbau habe in den letzten Jahren in der Automobilindustrie an Bedeutung gewonnen.
Eberspächer zählt weltweit zu den führenden Systementwicklern und -lieferanten für Abgastechnik, Fahrzeugheizungen und Bus-Klimasysteme und engagiert sich zudem in der Fahrzeugelektronik sowie bei automobilen Bussystemen zur elektronischen Vernetzung im Fahrzeug. Kunden sind nahezu alle europäischen, nordamerikanischen und immer mehr asiatische Pkw- und Nfz-Hersteller. 2009 hat die international aufgestellte Firmensgruppe mit 5260 Mitarbeitern einen Umsatz von über 1,3 Milliarden Euro erwirtschaftet.
© Wirtschaft Regional 02.08.2010 21:41
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