Rettung der Kemmer-„Töchter“ in Sicht

  • Die Kemmer Technology AG in Schwäbisch Gmünd-Kleinbach ist insolvent. Die 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Tochtergesellschaften hoffen auf die Rettung ihrer Arbeitsplätze.
Die Gespräche zwischen Martin Kemmer, Rechtsanwalt Klaus Albert Maier und der Commerzbank Stuttgart verliefen am Montagnachmittag „so zufriedenstellend, dass die Insolvenz der Holding-Gesellschaft Kemmer Technology AG in Schwäbisch Gmünd-Kleindeinbach nicht wie beim Dominoeffekt auf die operativen Tochtergesellschaften durchschlägt“, sagte der zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellte Stuttgarter Anwalt im Gespräch mit dieser Zeitung. Allerdings müsse das Insolvenzverfahren der Kemmer-Holding, das Vorstandsvorsitzender Martin Kemmer am Freitag beim Amtsgericht Aalen beantragte, schnell eröffnet werden.SCHWÄBISCH GMÜND   Der Grund für die schnelle Eröffnung und Abwicklung des Insolvenzverfahrens liegt in der besonderen Konstruktion der Gmünder Unternehmensgruppe, die sich mit hochpräzisen Leiterplattenwerkzeugen (Hartmetallwerkzeugen), Sonder- und Stanzwerkzeugen sowie mit hochtechnisierten Prüfinstrumenten weltweit einen guten Namen gemacht hat. Die Holding Kemmer Technology AG , in der nur drei Mitarbeiter beschäftigt sind, fungiert als eine Art Klammer für die operativ tätigen Tochtergesellschaften - u.a. mit Ergebnisabführungsvereinbarung und einem gemeinsamen Cash-Pool. „Dieses System funktioniert, so lange alles glatt läuft“, sagte Maier, „jetzt müssen wir schnell das Insolvenzverfahren abwickeln, denn damit werden die Vereinbarungen zwischen der AG und den GmbHs hinfällig und jede der Tochtergesellschaften, in denen insgesamt rund 250 Mitarbeiter beschäftigt sind, bekommt ihren eigene Finanzhoheit mit entsprechenden Kreditrahmen.“
Wie immer in Insolvenzfällen, kommen auch bei der Kemmer Technology AG mehrere unglückliche Umstände zusammen. „Das Jahr 2007 war in unserer Branche nicht gut“, räumt Martin Kemmer ein. Man habe in der Bilanz erhebliche Korrekturen nach unten vornehmen müssen - zum Beispiel Rückstellungen zur Zinsabsicherung, für Währungsrisiken (Euro zu Dollar und Yen)) und Abbewertung der Lagerbestände. Um dies auszugleichen, seien die Gesellschafter bereit gewesen, „Geld nachzuschießen und so das weitere Wachstum der Gruppe zu finanzieren“, sagte Martin Kemmer. Die Auftragslage sei gut, man strebe in diesem Jahr sogar eine Umsatzsteigerung von 32 auf 36 Millionen Euro an.
Gesellschafter der AG sind Martin Kemmer und die Beteiligungsgesellschaft „Hannover Finanz“, die schon seit vielen Jahren Partner ist. „Hannover Finanz“ führte selbst die Bankengespräche und habe dann „völlig überraschend in der vergangenen Woche die Zusage wieder zurückgezogen, so dass mir nur noch der Weg zum Amtsgericht übrig blieb“, bedauert Kemmer. Der vorläufige Insolvenzverwalter Klaus Albert Maier vermutet, dass die Kemmer-Gruppe „zu schnell expandierte“ und „Hannover Finanz“ möglicherweise andere Vorstellungen hatte“. Dadurch sei Martin Kemmer „zwischen die Mühlsteine geraten.“
Die Tochtergesellschaften der Kemmer Technology AG sind:
- MPK Kemmer PCB Tools, Kleinstwerkzeuge, Produktion: Großdeinbach,
- MPK Kemmer Special Tools, individuell gefertigte Vollhartmetallwerkzeuge, Produktion Kleindeinbach und Bad Mergentheim,
- KMS Kemmer Automation, individuelle Projekte für Kunden, Produktion: Schramberg-Waldmössingen,
- Kontech Kemmer PCB Tools, Microbohrer und -Fräser, Produktion Zuhai City in China.
- KMS Technology Center, Neu- und Weiterentwicklung vorhandener Technologien und Produkte; Kooperation mit der Technischen Universität Dresden,
- KMS Vision System, Qualitätskontrolle komplexer Fertigungsprozesse,
- WMC Sinterstar, Herstellung und Veredelung von Hartmetallen, dazu gehören die deutsche WMC Sinterstar Vertriebs-GmbH in Schwäbisch Gmünd und die schweizerische W. Metzger & Co. AG (seit April 2007).
Klaus Albert Maier ist zuversichtlich, „dass die Rettung der Tochtergesellschaften klappt, weil das Know-how der Mitarbeiter enorm ist.“Allerdings müsse jede einzelne Gesellschaft analysiert und mit den Banken separat für jedes Unternehmen verhandelt werden. Restrukturierungsmaßnahmen seien partiell notwendig. Während Schramberg zum Beispiel aus allen Nähten platze, sei bei anderen das Ergebnis „verbeserungswürdig.“ Außerdem müsse ein neuer Finanzpartner gefunden werden. Gespräche würden geführt. Die Löhne und Gehälter „werden ausbezahlt, sagte Maier, „es wird aber zu Verzögerungen kommen, weil für die Gesellschaften erst Konten eingerichtet werden müssen. Maier will das Insolvenzverfahren in der nächsten Woche eröffnen.
© Wirtschaft Regional 26.02.2008 00:00
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