innovationspreis der deutschen wirtschaft Carl Zeiss Vision und Voith Turbo Wind mit ihren Projekten erst im Finale unterlegen

Adlerauge und der Windzähmer

  • Der WinDrive wurde von Voith Turbo entwickelt.
  • Norbert Gorny (CEO Zeiss Vision, li.), Dagmar Wöhrl.
Im letzten Jahr sahnte die Region gewaltig ab. Die Oberkochener Carl Zeiss SMT AG bei den Großunternehmen und die Ellwanger Varta Microbattery GmbH in der Kategorie Mittelstand holten die Innovationspreise der deutschen Wirtschaft, die Carl Zeiss AG bekam den Dekadenpreis. Das war 2008 nicht zu toppen. Carl Zeiss Vision und Voith Turbo Wind schafften dennoch den Sprung ins Finale der besten fünf.ostwürttemberg   Bei der Preisverleihung des 28. Wettbewerbs, der von der Wirtschaftswoche und vom Wirtschaftsclub Rhein-Main veranstaltet wird, wurden die Awards bei der Gala-Nacht in der Frankfurter Alten Oper von Staatssekretärin Dagmar Wöhrl und Moderator Reinhold Beckmann an andere Firmen verliehen. 221 Unternehmen und Institutionen hatten sich beworben. Für Voith Turbo Wind (Startup), Heidenheim/Crailsheim, und Carl Zeiss Vision (Großunternehmen), Aalen, war der Sprung unter die besten trotzdem ein Erfolg. Die Wirtschaftswoche beschreibt die Innovationen wie folgt:

Zeiss Vision: Adlerauge
Ein Brillenglas von Zeiss Vision korrigiert Sehfehler auf hundertstel Dioptrien genau und verbessert so das Sehen im Dämmerlicht und bei Dunkelheit deutlich (wir berichteten). Jeder zweite Deutsche ist auf eine Sehhilfe angewiesen: Weil der Augapfel zu kurz oder zu lang ist, stimmt die Brechkraft der Hornhaut nicht mehr. Die in ihr gebündelten Lichtstrahlen treffen nicht genau auf der Netzhaut auf, sondern kurz davor oder dahinter – daraus folgt Kurz- oder Weitsichtigkeit. Auf dem Weg von der Horn- zur Netzhaut wird das einfallende Licht vielfältig optisch gebrochen und verzerrt. Zeiss Vision hat das System i.Scription entwickelt, das sämtliche Abbildungsfehler des Auges über die gesamte Öffnung der Pupille erfasst.
Mit den Messdaten fertigt Zeiss Brillengläser, die Sehfehler auf hundertstel Dioptrien genau ausgleichen. Bisher waren nur Korrekturen in Schritten von einem Viertel Dioptrie möglich. Brillenträger sehen mit den Hochpräzisionsgläsern weitaus schärfer und kontrastreicher. Der i-Profiler projiziert einen feinen Lichtpunkt von niedriger Intensität auf die Netzhaut. Sie streut diesen zurück; die Abbildungsfehler des Auges zeigen sich in verformten Wellen, die das Gerät misst. Zusätzlich muss der Fehlsichtige dem Optiker sein persönliches Sehempfinden schildern. Alle Angaben fließen in die Brillenglas-Herstellung ein. „Jeder Kunde erhält ein individuelles Glas“, betont Produktentwickler Lars Mendel. Eine Studie an der Uni Jena hat die Vorteile der neuen Supergläser bestätigt.

Voith Turbo: Segel los!
Strom aus Windgeneratoren mögen die Stromversorger nicht gerne. Die Menge schwankt wie die Windstärke. Was die Mühlen produzieren, verkürzt die Lebensdauer von Motoren.
Frequenzwandler versuchen, die Schwankungen elektronisch zu kompensieren. Das gelingt nur stufenweise – nicht kontinuierlich, wie es für Qualitätsstrom nötig wäre. Voith Turbo Wind hat deshalb einen hydrodynamischen Wandler entwickelt, der dem Windstrom die Flausen austreibt. Pumpen, Öl, ein Propeller sowie ein Leitblech sorgen dafür, dass der Generator immer mit der gleichen Drehzahl rotiert. „Die Regelung muss bei Windenergie extrem fix erfolgen“, sagt Geschäftsführer Andreas Basteck. Denn die Windgeschwindigkeit kann in einer halben Sekunde von 10 auf 15 m/s steigen. „Wir lassen gewissermaßen das Segel los“, sagt er. WinDrive spielt seine Stärken zwar erst bei über 1,5 MW aus, aber neue Windstromanlagen leisten selten weniger. Die größten schaffen 6 MW. Für Windenergie-Anlagenbauer, die den oberen Leistungsbereich bedienen, sind die Wandler besonders attraktiv: Je mehr Leistung, desto größer die Gewichtsersparnis. Dabei geht es um Dutzende Tonnen. Ein Prototyp mit WinDrive dreht sich seit einem Jahr in Cuxhaven. Kürzlich kam eine baugleiche Mühle mit 2 MW Leistung in den Anden, Argentinien, dazu.

Die Gewinner
Nicht unterschlagen werden sollen die diesjährigen Preisträger beim Innovationspreis der deutschen Wirtschaft. In der Kategorie Start-Up siegte Concentrix Solar. 380-fach konzentriertes Sonnenlicht wird auf fingernagelgroße Solarzellen gelenkt. In der Kategorie Mittelstand gewann Limo Lissotschenko. Mit raffiniert geformten Systemen gelingt es den Dortmundern, Laserstrahlen so zu fokussieren, dass er Energieverluste vermieden werden.
Bei den Großunternehmen war das Augsburger Unternehmen MAN Diesel erfolgreich. Das Unternehmen entwickelte einen Gasmotor, der ohne Zündkerze auskommt und die saubere Verbrennung eines Ottomotors mit den hohen Wirkungsgraden eines Dieselaggregats verbindet.
© Wirtschaft Regional 22.01.2008 00:00
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