zurückgeblättert Umicore Galvanotechnik – Goldene Träume mit Goldelektrolyt AURUNA 311 wahr gemacht

Kurioser Auftrag für Galvanik

  • Die Umicore-Mitarbeiter Gerhard Steinhilber (li.) und Willi Müller (vorne) 1981 beim Vergolden der Karosserieteile.
  • So sah der vergoldete DeLorean aus.
Sondermodelle sind in der Automobilbranche nichts Ungewöhnliches. Aber ein goldener DeLorean (Modell DMC 12) mit Edelstahlkarosserie und einzigartigen Flügeltüren, das ist in der Automobilgeschichte bis heute einmalig. Bei Degussa, dem Umicore-Vorgänger, wurde das Auto als Werbeartikel vergoldet.schwäbisch gmünd   Die goldige Geschichte begann 1979: Auf der Suche nach einem besonderen Werbegag für die „Goldcard“ ging das Kreditkartenunternehmen American Express auf DeLorean Motor Cars Ltd. in Nordirland, zu. Sie beschlossen, eine Serie von maximal einhundert Fahrzeugen exklusiv für American Express anzufertigen. Als Besonderheit sollten die Karosserien eine 24-Karat Goldbeschichtung erhalten.
Auf der Suche nach einem geeigneten Beschichtungsunternehmen stieß man auf die Umicore Galvanotechnik (damals Degussa) in Schwäbisch Gmünd. Gerade rechtzeitig auf dem Markt erfolgreich eingeführt, stand der Goldelektrolyt AURUNA 311 zur Direktvergoldung von Edelstahl zur Verfügung. Die abgeschiedene Goldoberfläche hatte eine sehr gute Haftfestigkeit ohne korrosionsempfindliche Zwischenschichten, war porenarm, duktil und besitzt einen hervorragenden Glanz.
Nachdem der Elektrolyttyp geklärt war, musste das Handikap der Größe der Karosserieteile gelöst werden, da die Badvolumina in der eigenen Galvanik zu klein waren. Umicore fand als geeigneten Partner Firma Karl Holder bei Kirchheim/Teck, und mietete für eine Woche einen großen Galvanoautomaten an. .
Im September 1981 startete das Projekt „DeLorean Gold-Edition“. Einzig für diesen Zweck wurden 2500 Liter Goldelektrolyt AURUNA 311 angesetzt. Die Karosserieteile wurden von Hand vorgereinigt und die nicht zu vergoldeten Flächen mit einem Galvanikabdecklack versehen. Nach der üblichen Vorbehandlung erfolgte die Direktvergoldung. Gefordert waren 2,5 µm Goldauflage; bei acht Karosserieteilen pro Auto waren das 800 Gramm Gold. Die Testphase bestand aus zwei DeLorean samt Ersatzteilen.
1981 bot American Express die Gold-Edition in ihrem Weihnachtskatalog an. Bestellen und bezahlen konnte man ausschließlich mit der Goldcard. Der Verkaufspreis des DeLorean betrug damals 85 000 US-Dollar.
Verkauft wurden aber nur die zwei Goldautos, die sich heute in der Snyder National Bank in Texas und im National Automobile Museum in Reno, Nevada, befinden. Das dritte Exemplar entstand erst aus den Ersatzteilen nach dem Konkurs der DeLorean Motor Company und war der letzte DeLorean, der das Fließband 1983 in Nordirland verließ. Dieser Wagen wurde als einziger im Straßenverkehr bewegt und wechselte bis heute mehrmals den Besitzer.
© Wirtschaft Regional 26.09.2007 00:00
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