PFLEIDERER AG / Der neue Kunz-Inhaber investiert 2,4 Millionen Euro in einen neuen Trockner für die Rohspanplattenfertigung

Optimismus am Holzwerk-Standort Gschwend

  • Der Trockner (Foto) wird modernisiert.
  • Optimismus bei der Unit Kunz in Gschwend (v.l.): Franz David, Ulrike Hilger und Dirk Beyer.
Die Pfleiderer AG, Neumarkt, will mit einer Sonderinvestition von 31 Mio. Euro die Wettbewerbsfähigkeit ihrer deutschen Standorte verbessern. 2,4 Mio. entfallen dabei auf Gschwend. Im ehemaligen Holzwerk Kunz soll der Trockner in der Rohspanplattenfertigungsanlage erneuert und damit der Plattenausstoß um rund acht Prozent gesteigert werden. Dies sichert die derzeit 116 Arbeitsplätze.Wie berichtet, hat die Pfleiderer AG im Jahr 2005 die Kunz-Gruppe (von der heute im wesentlichen nur noch die Holding in Unterensingen besteht) übernommen. Nach der Fokussierung auf den Geschäftsbereich Holzwerkstoffe hat sich das MDAX-notierte Unternehmen aus Neumarkt zu den führenden Systemanbietern für Holzwerkstoffe, Oberflächenveredelung und Laminatfußböden mit ihren Produkten und Dienstleistungen zu einem bevorzugten Partner der Möbelindustrie, dem Fachhandel, dem Do-it-yourself-Handel und dem Innenausbau entwickelt.
5207 Mitarbeiter der Pfleiderer AG erwirtschafteten 2006 weltweit einen Umsatz von rund 1,4 Mrd. Euro. Produziert wird an 19 Standorten in Nordamerika, Russland, Polen und Deutschland. Organisatorisch ist Pfleiderer in die drei Business-Center (BC) Osteuropa, Nordamerika und Westeuropa (Deutschland) eingeteilt. Zum BC Westeuropa gehören fünf Units: Leutkirch (Thermopal), Arnsberg (Deropal), Neumarkt (wodego), die Pfleiderer Industrie GmbH (Neumarkt, Gütersloh und Nidda) und die Unit Kunz mit den Standorten Gschwend, Ebersdorf in Thüringen und Baruth bei Berlin. In Deutschland setzte Pfleiderer mit 2633 Mitarbeitern, davon 116 Azubis, 774 Mio. Euro um. Die Unit Kunz erwirtschaftete mit 379 Beschäftigten (20 Azubis) 219,5 Mio. Euro, Gschwend steuerte dazu mit 116 Mitarbeitern (drei Azubis) 40,6 Mio. Euro bei.
Mit der Umsetzung des Investitionsprojekts "Future BC West" will Vorstandsmitglied Dr. Robert Hopperdietzel die Ertragskraft und den Bestand der deutschen Standorte nachhaltig sichern. Daneben sollen die Personal- und Strukturkosten verbessert werden. Während in Arnsberg die 10,5 Mio. Euro-Investition für eine neue Laminatpresse und andere Anlagen mit einem Abbau von 130 Arbeitsplätzen verbunden ist, soll es in Leutkrich (13,1 Mio. Euro) und Nidda (5 Mio. Euro) keine Personalreduzierungen geben.
Die spezielle Lage Gschwends erläuterten gestern Ulrike Hilger (kaufmännische Geschäftsführerin Unit Kunz), Franz David (Leiter Business Kunz) und Dirk Beyer (Werkleiter Gschwend) vor der Presse. In Gschwend werden Rohspanplatten (ohne Beschichtung wie früher) in 19 unterschiedlichen Typenarten entwickelt und hergestellt. Das Material (Sägespäne, Holzhackschnitzel usw.) kommt überwiegend von den Holzwerken Klenk (Oberrot) und Rettenmaier ((Wilburgstetten). "Der Standort Gschwend ist von der Kostenstruktur her nicht wettbewerbsfähig, auch wenn die Konzernleitung mit der Ertragslage sehr zufrieden ist", sagte Franz David. Ausgestoßen werden im Jahr 265 000 Kubikmeter Spanholzplatten. Würden die 116 Mitarbeiter in einem neu erstellten Werk (Kosten etwa 100 Millionen Euro) arbeiten, betrüge der Ausstoß 600 000 Kubikmeter. "Das liegt", so Dirk Beyer, "auch der Pressenlänge von nur 24 m, bei neuen Anlagen sind 50 bis 52 m möglich." Deshalb habe man sich in Gschwend auf Spezialprodukte in den Nischen Türenindustrie (Brandschutz) oder Möbelindustrie (Küchen) konzentriert. U.a. seien auch die Superhotels in Dubai mit Produkten aus Gschwend ausgestattet worden.
Mit der Erneuerung des Trockners soll nun die Leistungsfäghigkeit der bestehenden Pressenanlage gesteigert werden. Beyer erklärte: "Der Trockner kann dann wesentlich mehr Tonnen Wasser pro Stunde aus dem Holz verdunsten und es kommt im Winter nicht mehr zu Stillstandzeiten." Die rühren daher, weil im Winter in 100 kg reinem Holz 130 kg Wasser enthalten sind, im Sommer dagegen nur 60 bis 70 kg. Beyer: "Die Presse steht im Winter zu sieben Prozent ihrer Laufzeit still. Normal läuft sie rund um die Uhr, weshalb wir auch in einem Fünf-Schichten-Rhythmus arbeiten." Der Jahresausstoß werde mit neuem Trockner um 21 000 Kubikmeter erhöht. Mit weiteren Maßnahmen sei eine Produktivitätssteigerung um bis zu 15 Prozent möglich. Bis 2008 soll die Anlage mit dem neuen Trockner in Betrieb gehen. "Dann kommen wir dem angestrebten Konzernziel von 16 % EBIT (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) näher", ließ Ulrike Hilger wissen." Auch andere Standorte hätten diese Marke noch nicht erreicht.
Optimismus also in Gschwend - auch wenn die Preise für Sägemehl und andere Holzschnittstoffe seit letztem Jahr "wegen des Booms im Pellets-Bereich um rund 110 Prozent gestiegen sind", wie Franz David wissen ließ.

© Wirtschaft Regional 13.04.2007 00:00
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