IHK / Informationsaustausch mit Grünensprecherin Sitzmann

Arbeit und Atomkraft

Edith Sitzmann, die wirtschaftspolische und stellvertretende Fraktionssprecherin der Grünen Landtagsfraktion besuchte die IHK Ostwürttemberg, um sich aus erster Hand über aktuelle wirtschaftspolitische Themen in der Region zu informieren. Dabei ging es vor allem um die aktuelle Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt. "Baden-Württemberg erlebt gerade einen Wirtschafts- und Arbeitsmarktschub, wie er seit der Wende nicht mehr stattgefunden hat", kommentierte IHK-Hauptgeschäftsführer Klaus Moser die gute Konjunktur mit ihren positiven Auswirkungen auf den Arbeits- und Ausbildungsmarkt. Mit einer derzeitigen Arbeitslosenquote von 5,7 Prozent in Ostwürttemberg nähere sich die Region immer stärker dem Landesschnitt an, der bei 5,5 Prozent lag.
Ebenso habe sich die Lehrstellensituation verbessert. Zum Stichtag Ende November sei die Zahl der neu eingetragenen Ausbildungsverträge auf 1 826 gestiegen, ein Plus von 4,1 Prozent gegenüber Vorjahr. Zusätzlich konnten 130 neue Ausbildungsbetriebe gewonnen werden.
Moser machte deutlich, wie wichtig eine wirtschaftsorientierte Qualifikation ist und nahm damit besonders Bezug auf den aktuellen Arbeitsmarkt, auf dem vor allem technische Fachkräfte fehlten. Als Beispiel nannte er die Firma Voith, die derzeit zwischen 80 und 100 offene Ingenieurstellen nicht besetzen kann. "Die Wirtschaft leidet insgesamt an einem Mangel an Fachkräften im naturwissenschaftlichen Bereich", diagnostizierte Moser. Entsprechend den Anforderungen der Wirtschaft werde heute von den Hochschulabsolventen mehr denn je ein breites Grundwissen gefordert. Erst später - in den Betrieben - solle dann die Spezialisierung erfolgen.
Die Grünen-Sprecherin Edith Sitzmann wünschte sich für die Lehrer vor allem mehr fachpraktischen Bezug, um dann die Schüler besser auf Berufswahl und Arbeitsleben vorbereiten zu können. Auch müsse das Interesse der Jugend an der Wirtschaft neu entfacht werden, meinte die Grünen-Abgeordnete. "Die Jugendlichen haben teilweise keine realistischen Vorstellungen von ihrer Zukunft", meinte Sitzmann. Man müsse ihnen klarmachen, dass sie etwas erreichen könnten. Vor allem den Schülerinnen fehle es dabei vielfach an Vorbildern in der Wirtschaft. Mädchen seien in Mathematik, Physik oder Chemie oftmals besser, würden allerdings doch nur selten im Studium diesen Begabungen weiter nachgehen.
Moser verwies auf die besondere Problematik der hohen Zahl an Schulabbrechern. Jeder zehnte Schüler verlasse ohne Abschluss die Schule. "Viele von ihnen sind nur schwer wieder einzugliedern und finden keine Lehrstelle", urteilte der IHK-Chef.
Die Probleme sieht Sitzmann dabei oftmals im Elternhaus: "Viele Kinder und Jugendliche entwickeln ein gewisses Fluchtverhalten von der Familie und sind nur mehr schwer zugänglich."
Mit dem Instrument der Einstiegsqualifizierung habe die IHK für diese Jugendlichen sehr gute Ergebnisse erzielt, erklärte Klaus Moser: "Bis auf wenige Ausnahmen konnten wir allen Jugendlichen einen Ausbildungsplatz oder ein Praktikum für die Einstiegsqualifizierung anbieten." Annähernd jedes zweite Praktika führe zu einem festen Ausbildungsverhältnis.
Unterschiedlicher Auffassung sind Sitzmann und Moser beim Thema Kernenergie. Während die Grünen weiterhin jeglicher Form von Atomkraft entgegenstehen, ist Moser davon überzeugt, dass die Kernenergie eine der umweltfreundlichsten und ökonomischsten Energieform darstellt. Er betonte vor allem die Effizienz der Kraftwerke, die ohne CO2-Ausstoß arbeiten.
Die Grünen argumentierten mit der Endlichkeit und dem Entsorgungsproblem. Moser befürchtet in der Stilllegung der Kernkraftwerke eine Belastung der Wirtschaft, da der Strom dann aus dem Ausland bezogen werden müsse. Zudem reiche die Leistung alternativer Energiequellen noch nicht aus.
© Wirtschaft Regional 23.12.2006 00:00
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