Sparkasse: Nicht nebensächlich

Zwischen Berlin und Brüssel gibt es bekanntlich unterschiedliche Vorstellungen zum Namensrecht der Sparkassen. Die in Deutschland gültige Regelung, dass nur öffentlich-rechtliche und daher dem Gemeinwohl verpflichtete Kreditinstitute den Namen Sparkasse führen dürfen, wird von der EU als Rechtsverstoß angesehen.
Diese Meinungsverschiedenheit scheint auf den ersten Blick recht nebensächlich, ist es aber leider nicht. Das Problem ist einfach folgendes: Wenn Landkreise oder Städte ihre Sparkasse verkaufen möchten, dann wäre dies nach bisherigem Recht für privatwirtschaftliche Käufer uninteressant, da der entsprechende Käufer den Namen "Sparkasse" nicht mit übernehmen könnte. Der "aufgekaufte" Kunde würde sich sozusagen über Nacht als Kunde zum Beispiel einer Großbank wiederfinden.
Nach dem von der EU geforderten Recht würde derselbe Kunde offiziell weiterhin Sparkassenkunde bleiben. Da die Großbank aber strikt an der Maximierung des Profites ihrer Aktionäre interessiert ist, vielleicht sogar interessiert sein muss, würde der bisherige Kunde einer Sparkasse plötzlich nach Großbankgesichtspunkten behandelt. Der unselige Begriff "Peanuts" aus Großbankermund ist ja noch im Gedächtnis der Öffentlichkeit gespeichert. Was damals für den Großbanker Peanuts waren, bedeutete für mittelständische Unternehmen und Arbeitnehmer den Zusammenbruch ihrer Existenz. Soviel zur Mentalität der Großbanken.
Es ist eine Tatsache, dass Großbanken sehr interessiert sind an den wirtschaftlich starken Kunden der Sparkassen. Der Erhalt des Namens Sparkasse ist dabei für sie von zentraler Bedeutung, deshalb wird von dieser Seite ja auch der politische Druck zur Änderung des Namensrechtes über Brüssel ausgeübt. Die Großbanken zielen dabei nur auf die Ausschlachtung der Unternehmen, das Herauspicken der wirtschaftlichen Rosinen, wobei die weniger lukrativen Kunden hinausgedrängt werden. Nicht nur der einzelne Sparkassenkunde hätte mit habhaften, auch wirtschaftlichen Nachteilen zu rechnen, sondern die betroffenen Regionen würden insgesamt den Wegfall der am Gemeinnutz orientierten Geschäftstätigkeit der Sparkassen zu spüren bekommen.
Und niemand sollte darauf hoffen, dass die Landkreise oder Städte nicht füher oder später daran denken, ihre Sparkassen zu verkaufen. Bekanntlich herrscht bei den Kommunen große Finanznot, so dass der Verkauf des Tafelbilbers, darunter der Sparkassen, immer mehr als ein Ausweg angesehen werden dürfte. Es gilt, die Öffentlichkeit auf diese realen Gefahren aufmerksam zu machen und Druck auf die Politik auszuüben, um erheblichen Schaden von Deutschland abzuhalten. Dass Zerstörungswerk der globalen "Heuschrecken" ist ohnehin schon groß genug.
Ingo Bild, Aalen
© Wirtschaft Regional 28.11.2006 00:00
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