SCHOLZ AG / Schritt in Richtung eines globalen Automobilzulieferer-Markts

Weltweit an die Spitze heran

  • Da geht der Weg hin: Berndt-Ulrich Scholz (links) und Oliver Scholz erläutern, wo die indische Firma Mahindra ihren Sitz hat.
Die Essinger Scholz AG steigt mit der Verkauf von Beteiligungen an der Jeco Holding (wir berichteten) in den Kreis der Weltmarktführer bei Stahlschmieden ein. Firmenchef Berndt-Ulrich Scholz und sein Sohn Oliver erläutern die Bedeutung des Verkaufs auf ihre Unternehmensgruppe.Die beiden Vorstände weilten vergangenen Donnerstag in Bombay zur Vertragsunterzeichnung. Vorbehaltlich einer Zustimmung des Bundeskartellamts wird der Kontrakt rechtsgültig. Demnach wird die Automobilsparte des indischen Industriekonzerns Mahindra & Mahindra künftig 67,9 Prozent der Jeco Holding, zu der neben zwei weiteren Schmieden in Deutschland die Gesenkschmiede Schneider Aalen (GSA) gehört, halten. Die Beteiligung der Scholz AG verringert sich von derzeit 90 auf 28,1 Prozent, vier Prozent wird der Vorsitzende des Jeco-Vorstands, Thomas Körner, inne haben. Der Erwerb wird über eine Zwischenholding abgewickelt. Berndt-Ulrich Scholz bezifferte den Kaufpreis der Jeco Holding plus der bestehenden Verschuldung in Summe auf 140 Millionen Euro, die weitestgehend wieder als Reinvestition in das neue Unternehmen eingebracht werden.
Verhandlungen laufen

Zum neuen Unternehmen gehören künftig acht Schmieden in Deutschland (5), Südafrika, Indien und England. "Die Verhandlungen mit einer chinesischen Schmiede stehen kurz vor dem Abschluss", bestätigte Oliver Scholz. Damit sei die Schmiedesparte global aufgestellt, High-End- wie auch Low-End-Bereich seien optimal abgedeckt.
Für diesen künftigen Wettbewerbsvorteil begibt sich die Scholz AG sogar ruhigen Gewissens in die Position des Juniorpartners mit 28,1 Prozent Minderheitenbeteiligung. "Die Nähe zu den Kunden, vor allem in Asien, ist ausschlaggebend. Langfristig wird das für die deutschen Werke Stabilität bringen und unseren indischen Partnern den Zugang zur europäischen Automobilindustrie", erklärt Oliver Scholz. Im Aufsichtsrat der neuen Jeco Holding würden künftig indische Vertreter sitzen, Thomas Körner bleibt Vorstandsvorsitzender der Jeco AG. Zudem soll er im Aufsichtsrat der Holding vertreten sein. "Dr. Anand Mahindra, Managing Director bei Mahindra & Mahindra, genießt hohes Ansehen. Er sprach beim Weltwirtschaftsforum in Davos. Das Unternehmen besticht durch höchste Bonitäten und hohe Reputation", erklärt Oliver Scholz.
Das neu entstehende Unternehmen schreibt einen Jahresumsatz von 600 Millionen Euro und beschäftigt knapp 3000 Mitarbeiter, davon 850 in den bisherigen drei Schmieden der Jeco AG. Der Zusammenschluss birgt ein Wachstumspotenzial. Gerade der Nutzfahrzeugsektor in Indien ist ein rasch wachsender Markt. Andererseits verspricht sich das neue Unternehmen, weitere Aufträge der europäischen Automobilbauer zu ergattern. So soll ein globaler Automobilzulieferer aufgebaut werden. Mit dem Zusammenschluss schließt das Unternehmen zum Weltmarktführer Barat Forge, ebenfalls indisch und in Bombay börsennotiert, auf. An den Kontrakten der GSA mit Daimler-Chrysler, MAN, ZF, Volvo, Kolbenschmidt und anderen werde sich laut Berndt-Ulrich Scholz nichts ändern.
Die Scholz Edelstahl, ein weiteres Tochterunternehmen der Scholz AG, hält jeweils 90 Prozent an drei weiteren Schmieden in Deutschland. "Diese bleiben zunächst in Besitz der Scholz AG. Ob sie in das neue Unternehmen eingebracht werden, wird später entschieden", sagte Berndt-Ulrich Scholz. In den letzten Jahren sei die deutsche Schmiedeindustrie stark geschrumpft und man habe den Markt konsolidiert.

© Wirtschaft Regional 05.10.2006 00:00
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