INDUSTRIE-UND HANDELSKAMMER / Konjunkturbericht für das vierte Quartal 2005 und Prognose

Firmen sind eher optimistisch

Die Unternehmen in Ostwürttemberg melden zum dritten Mal in Folge eine verbesserte Geschäftslage. Fast jeder zweite Betrieb verzeichnete Umsatzzuwächse und eine verbesserte Ertragslage. Optimismus besteht für das Jahr 2006. Während die Erwartungen für das Auslandsgeschäft auf hohem Niveau bleiben, wird jetzt mit einer Belebung auf dem Binnenmarkt gerechnet. Diese Chancen auf einen Konjunkturfrühling werden sich aber, laut IHK-Konjunkturumfrage unter rund 430 Unternehmen, kaum auf den Arbeitsmarkt niederschlagen.Die konjunkturelle Erholung der regionalen Wirtschaft hat in den letzten Monaten spürbar an Breite gewonnen. Nahezu alle Branchen melden eine verbesserte aktuelle Geschäftslage. So stieg der Anteil der Unternehmen mit gut laufenden Geschäften von 26 auf knapp 33 Prozent. Der Anteil der Betriebe mit schlechter Geschäftslage ging von 18 auf rund 14 Prozent zurück. Rund jeder zweite Betrieb urteilt mit "befriedigend".
Gleichzeitig hat sich auch die Ertragslage vieler Unternehmen entspannt. Derzeit melden rund 58 Prozent (Vorquartal 54 Prozent) eine befriedigende Gewinnsituation. Der Anteil der Unternehmen mit steigenden Erträgen erhöhte sich von 16 auf rund 19 Prozent. Beklagten noch im Herbst 30 Prozent der Betriebe eine schlechte Ertragslage, ging deren Anteil jetzt auf 23 Prozent zurück.
Diese besseren Perspektiven haben für IHK-Konjunkturbeauftragten Peter Gring im wesentlichen drei Ursachen: Hauptmotor der konjunkturellen Entwicklung ist und bleibt das Exportgeschäft, insbesondere in der Industrie. Wie im Vorquartal geht hier fast jedes zweite Unternehmen auch im Jahr 2006 von weiter steigenden Exporten aus. Rückschläge befürchten nur rund sieben Prozent (Vorquartal neun Prozent). 45 Prozent der exportierenden Unternehmen erwarten ein gleichbleibend hohes Auslandsgeschäft.
Weitere Ursache für die Stimmungsverbesserung dürfte in erhofften Vorzieheffekten aufgrund der angekündigten Mehrwertsteuererhöhung im Jahr 2007 liegen. Vor allem Hersteller und Händler langlebiger Konsumgüter könnten davon profitieren.
Hinzu kommt die Verbesserung der Abschreibungsmöglichkeiten, die sich ebenfalls positiv auf die Investitionsbereitschaft der Unternehmen auswirken dürfte.
Seit langem bestehe jetzt wieder die Hoffnung, dass auch die Binnenkonjunktur an Fahrt gewinnt, interpretiert Gring. Nachdem bereits im vierten Quartal 2005 rund 38 Prozent der Unternehmen (Vorquartal 19 Prozent) Umsatzzuwächse im Inland verzeichneten, stieg auch der Optimismus bei der künftigen Geschäftsentwicklung. Rund 43 Prozent (Vorquartal 23 Prozent) erwarten im laufenden Jahr höhere Inlandsumsätze. Hauptrisikofaktor seien die Energie- und Rohstoffmärkte.
Dass sich der seit Jahren aufgebaute Investitionsstau jetzt langsam löst, zeigten die Investitionsabsichten in den nächsten zwölf Monaten. Gegenüber dem vierten Quartal 2004 nahm der Anteil der Unternehmen mit steigenden Investitionsabsichten von 22 auf 45 Prozent zu. Rückläufige Investitionen erwarten nur noch 16 Prozent (Vorjahr 25 Prozent). Die Hauptinvestitionsmotive dienen dem Ersatzbedarf und der Rationalisierung (57 Prozent). Bei 40 Prozent der Unternehmen zielen die Investitionen auf neue Produkte und Verfahren. Stark zugenommen hat das Investitionsmotiv der Kapazitätserweiterung von 15 auf 32 Prozent.
Relativ unberührt von dieser konjunkturellen Aufwärtsentwicklung bleibe der regionale Arbeitsmarkt, fürchtet Gring. Jedes zweite Unternehmen gehe von einer gleichbleibenden Personalstärke aus. Zwar erwägen 16 Prozent (Vorquartal 10 Prozent) der Betriebe zusätzliches Personal einzustellen, einem weiteren Rückgang erwartet aber fast jedes dritte Unternehmen. Gring hofft: "Der Stellenabbau dürfte sich verlangsamen." Mit einem Stillstand sei aber noch nicht zu rechnen.
Blick in die Branchen

2005 beruhte die Aufwärtsentwicklung der Industrie auf der anhaltend hohen Auslandsnachfrage. Deutlich zugenommen hat zum Jahreswechsel das Inlandsgeschäft. Erstmals hielten sich die Unternehmen mit steigenden und rückläufigen Aufträgen die Waage. Noch optimistischer ist die Einschätzung der Umsatzentwicklung in den nächsten zwölf Monaten im Inland.
Die Bauwirtschaft
befindet sich weiter in einer schwierigen Lage mit sehr angespannter Ertragssituation. Jedoch lassen eine zuletzt leicht zunehmende Bauproduktion und die gestiegene Investitionsbereitschaft der gewerblichen Wirtschaft die Branche hoffen, dass sich der jahrelange Schrumpfungsprozess nicht weiter fortsetzt.
Der Handel
analysiert eine leicht verbesserte Lage. Während der produktionsverbindende Großhandel am Aufschwung seiner gewerblichen Abnehmer partizipiert, blicken die Einzelhändler und konsumnahen Großhändler noch verhalten optimistisch in die Zukunft.
Die Dienstleister
schätzen vor dem Hintergrund gestiegener Umsätze und einer leicht verbesserten Ertragslage ihre Perspektiven für das laufende Jahr jetzt deutlich positiver ein. Vor allem die unternehmensnahen Services sind auf Wachstumskurs, ebenso wie die Finanzdienstleister sowie der Bereich Verkehr und Logistik.
Das Hotel-und Gaststättengewerbe
spürt eine Erholung. Mit leicht verbesserter Geschäftslage ist die Branche hoffnungsvoll, am erwarteten Aufschwung teilhaben zu können.
Der ausführliche Konjunkturbericht kann bei Tanja Bocon, (07321)324-151 angefordert werden und steht unter www.ostwuerttemberg.ihk.de
© Wirtschaft Regional 16.02.2006 00:00
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