Nachfolger gesucht – und gefunden

Generationswechsel In der Region Ostwürttemberg gab es in den Jahren 2016 bis 2019 fast 1000 Nachfolgen. Und der Bedarf an neuen Unternehmern wird weiter steigen, prognostiziert die IHK in einem neuen Report.

  • Josef und Marlen Schlosser führen das gleichnamige Holzbauunternehmen aus Jagstzell. Foto: IHK

Heidenheim

Für Marlen Schlosser stand bereits als Kind fest, dass sie einmal in die Fußstapfen ihres Vaters treten wird. Nach ihrem Studium und Praxiserfahrungen in verschiedenen Unternehmen stieg sie 2010 in den Familienbetrieb, die Schlosser Holzbau GmbH in Jagstzell, ein. Seitdem hat sie viel angepackt und einen spürbaren Wandel mitgestaltet in dem Unternehmen, das ihr Vater Josef Schlosser vor rund 40 Jahren gegründet hat – und das heute zu den führenden im modernen Holzingenieurbau zählt.

Das Beispiel Schlosser ist eines von zwölf erfolgreichen Unternehmensnachfolgen, die die IHK in ihrem neuen Nachfolge-Report vorgestellt hat. Insgesamt, konstatiert die Kammer, gab es im Zeitraum 2016 bis 2019 insgesamt fast 1000 Unternehmensübergaben. Eine wichtige Kennzahl ist dabei die Nachfolgeintensität, also die Nachfolgen je 10 000 Einwohner.

In allen Mittelbereichen – Aalen, Ellwangen, Heidenheim und Schwäbisch Gmünd – ist die Nachfolgeintensität seit dem Jahr 2009 leicht zurückgegangen. Dies entspricht dem landesweiten Trend, erklärt Markus Schmid, Leiter Team Gründung und Förderung bei der IHK.

Die Anteile am Nachfolgegeschehen sind dabei unterschiedlich in den Teilräumen verteilt. Die höchste Nachfolgedynamik weist mit 7,3 Nachfolgen je 10 000 Einwohner der Mittelbereich Schwäbisch Gmünd auf, der absolut einen Anteil von 40 Prozent an den Unternehmensnachfolgen im Untersuchungszeitraum auf sich vereint. Mit einer Gründungsintensität von 6,8 je 10 000 Einwohner folgt knapp dahinter Ellwangen, das allerdings mit 14 Prozent auch den geringsten absoluten Anteil an den Unternehmensnachfolgen besitzt. Mit etwas Abstand, Anteil 25 Prozent und einer Nachfolgeintensität von 4,8 folgt der Mittelbereich Aalen. Dahinter liegt Heidenheim mit einem Anteil von 21 Prozent und einer Nachfolgeintensität von 3,9.

Die IHK wirft im Report den Blick auch in die Zukunft. Bis zum Jahr 2030 wird nach der Prognose der IHK die Zahl der notwendigen Nachfolger in Ostwürttemberg von aktuell rund 260 auf rund 360 jährlich wachsen. Schmid: „Dies ist besonders in Branchen, die sich schon heute schwertun, einen Nachfolger zu finden, eine besondere Herausforderung. Zugleich ist es Auftrag an die regionalen Partner im Nachfolgenetzwerk, bei der Sensibilisierung zum Thema Nachfolge nicht nachzulassen.“

Man muss sich auf Veränderungen einlassen.

Marlen Schlosser
Geschäftsführerin Schlosser

Die Verteilung der Unternehmensnachfolgen auf die vier Branchengruppen in Ostwürttemberg ist relativ gleichmäßig. Der Anteil der Dienstleistungen liegt bei nur 24,5 Prozent. Im Tourismussegment lag der Anteil bei 27,8 Prozent. Die Industrie hat einen Anteil von 23,6 Prozent und der Handel von 24,1 Prozent.

Für Nachfolgen in Einzelunternehmen gibt es weitere Kennzahlen. So ist die Zahl der weiblichen Nachfolgen unter den Einzelunternehmen in Ostwürttemberg mit 35 Prozent weiterhin konstant auf hohem Niveau. Jede vierte Einzelunternehmensnachfolge wird von Menschen mit Migrationshintergrund gestartet. Deren Anteil ist mit 26 Prozent im Vergleich zum Anteil bei Neugründungen (21 Prozent) signifikant höher. Einzelunternehmen werden mit einem Anteil von 58 Prozent am häufigsten übergeben. Dass deren Anteil im Vergleich zum Neugründungsgeschehen hier niedriger ist, lässt sich damit erklären, dass Handelsregisterunternehmen oftmals mehr Substanz für eine Nachfolge bieten und somit einfacher in die nächste Generation geführt werden können.

Marlen Schlosser hat dies nach eigener Aussage vor allem mit einem Ansatz geschafft, die obersten Ziele sind für sie beste Leistungen und hundertprozentige Kundenbegeisterung. „Die Mischung aus Erfahrung und „jugendlicher Innovation ist wichtig für modernes, erfolgreiches und gemeinsames Handeln“, sagt Schlosser.

So lässt sich auch die Arbeitsbeziehung zu ihrem Vater und Inhaber, Josef Schlosser, beschreiben. Der Einstieg seiner Tochter ins Unternehmen bedeutete auch für ihn eine Herausforderung, weil er konfrontiert war sich mit neuen anderen Ideen und modernen Herangehensweisen auseinanderzusetzen, gleichzeitig jedoch auch eine Entlastung, denn er konnte darauf vertrauen, dass die von der Tochter eingebrachten Neuerungen, gepaart mit seiner Expertise, das Unternehmen noch zukunftsfähiger machen würden. „Gerade der enge Austausch der Generationen ist der Schlüssel zum Erfolg“, weiß Marlen Schlosser inzwischen. Und: „Man muss sich auf Veränderungen einlassen.“

Der Nachfolgereport Ostwürttemberg kann kostenfrei bestellt werden: Brigitte Hergesell, E-Mail: hergesell@ostwuerttemberg.ihk.de oder Tel.: 07321-324-175

© Wirtschaft Regional 23.02.2021 15:46
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