Varta-Aktie weiter auf Talfahrt

Bilanz Trotz Rekordzahlen wird die Varta-Aktie an den Börsen derzeit abgestraft. Wie Wachstum und fallende Kurse zusammenpassen – und was das neue Logo damit zu tun hat.
  • Auch 2021 will Varta am Stammsitz Ellwangen weiter investieren. Archiv-Foto: Varta

Ellwangen

Und auch am Montag ging es weiter bergab: Die Varta-Aktie hat nach den Höhenflügen der vergangenen Wochen – Ende Januar war ein Anteilsschein zeitweise 181,30 Euro Wert – weiter an Boden verloren. Sie sackte heuer um mehr als zehn Prozent auf knapp mehr als 115 Euro ab. Und das, obwohl das Unternehmen in der vergangenen Woche erneut Rekordumsatz und satte Gewinne vermeldete – und ankündigte, erstmals eine Dividende an die Anteilseigner auszuzahlen. Dennoch sind die einschlägigen Börsenseiten im Netz in heller Aufregung, Analysten wenden sich ab. Was ist nur geschehen?

Das Wachstum. Varta hat im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Umsatz von rund 870 Millionen Euro erzielt, das sind rund 140 Prozent mehr als noch im Vorjahr – und deutlich mehr als die bereits zweimal angehobene Prognose in diesem Jahr vorhergesagt hatte. Ein Großteil des Wachstums entfällt zwar auf die Übernahme des Haushaltsbatterienherstellers Varta Consumer. Rechnet man diesen Effekt heraus, liegt das organische Plus bei satten 50 Prozent. Varta hat 2020 allein mit den kleinen Energiezellen, die etwa in den Kopfhörern von Apple zum Einsatz kommen, rund eine halbe Milliarde Umsatz erzielt. Vorstandschef Herbert Schein spricht von einem „historischen Ergebnis“. Auch der operative Gewinn wuchs kräftig: um 145 Prozent auf rund 239 Millionen Euro.

Das eminente Wachstum der vergangenen Jahre hat allerdings seinen Preis: Die Erwartungen sind gestiegen – und so enttäuschte viele Anleger vor allem der Ausblick aufs aktuelle Geschäftsjahr. 2021 soll der Umsatz der Ellwanger auf 940 Millionen Euro steigen, das wäre ein Plus von lediglich acht Prozent. Zudem werde das Wachstum „vor allem in der zweiten Jahreshälfte erwartet“. Heißt: Aktuell steht die Rekordmaschine auf hohem Niveau still. Das mag für ein mittelständisches Unternehmen, das ein solch enormes Wachstum personell, organisatorisch und strukturell verarbeiten muss, völlig normal sein, die Börse goutiert stockende Wachstumsfantasien selten.

Die Konkurrenz. Bereits im vergangenen Jahr gab es Berichte über die wachsende Konkurrenz aus Asien, Varta klagte über Patentverletzungen und ging gegen einige Hersteller gerichtlich vor. Auch heuer sorgen sich Analysten und Anleger, Varta könnte seinen Wettbewerbsvorteil einbüßen. So schrieb zum Beispiel Analyst Florian Pfeilschifter von Stifel Europe, dass die Samsung-Batterien der neuen Batteriegeneration von Varta stark zu ähneln scheinen. Die Konkurrenz schläft nicht, Varta will deshalb weiter investieren, um Markt- und Technologieführer zu bleiben.

Alle Geschäftsbereiche haben den Erfolg des Vorjahres deutlich übertroffen.

Herbert Schein
Vorstandschef Varta AG

Die Dividende. Erstmals, und früher als von vielen erwartet, hat Varta angekündigt, die Anteilseigner mit einer Dividende am Erfolg teilhaben zu lassen, 2,50 Euro pro Aktie soll die Hauptversammlung beschließen, der Großteil davon über eine Sonderdividende. Das ist zwar im Vergleich durchaus stattlich, allerdings hatten sich viele Anleger mehr erhofft – obwohl es das Unternehmen rund 100 Millionen Euro kosten wird.

Die Anleger. Das Gamestop-Phänomen in den USA ist noch in aller Munde. Vor einigen Woche hatten vor allem Privatanleger, die sich auf der Internet-Plattform Reddit austauschten, den Kurs der Handelskette in die Höhe getrieben. Hernach nahmen die Anleger weitere „heiße Eisen“ ins Visier, in Deutschland rückte unter anderem die Aktie der Varta in den Blickpunkt. Noch in der vergangenen Woche gehörte das Papier zu den Top Drei der am meisten gehandelten Aktien an der Börse Stuttgart. Der Kurs stieg, einige Anleger nahmen die Gewinne mit. Zudem kamen immer wieder Gerüchte über Attacken von sogenannten „Shortsellern“ auf, die auf fallende Kurse wetten.

Die Ankündigung. Kurz vor Bekanntgabe der Zahlen hatte Varta auf dem Internetportal Facebook angekündigt: „In diesem Jahr findet der Independence Day am 18. Februar statt.“ Das beflügelte die Fantasie der Anleger, einige hofften auf eine große Nachricht zum Einstieg in die Fertigung von Batteriezellen für Autos. Allerdings hat Varta lediglich sein Logo und den Markenauftritt aufgefrischt. Der Markenclaim „Empowering Independence“ unterstreiche, so Varta, die Vision des Unternehmens: „Wir definieren die Zukunft der Batterietechnologie, um ein unabhängigeres Leben zu ermöglichen.“

Die Produktion von größeren Batterienformaten nimmt indes weiter Fahrt auf: Varta hatte vor einigen Monaten die Zusage von Fördermitteln in Höhe von 300 Millionen Euro erhalten. Das Geld wird in die Forschung und Entwicklung der Lithium-Ionen-Technologie und der Entwicklung neuer Lithium-Ionen-Zellen investiert. Die Varta will im vierten Quartal eine Pilotanlage zur automatisierten Produktion von größeren Batterieformaten am Standort Ellwangen in Betrieb nehmen.

© Wirtschaft Regional 22.02.2021 15:27
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