Firmen leiden unter dem Lockdown

Konjunkturumfrage I Zwar hat sich die Stimmung in den IHK-Betrieben etwas gebessert, doch haben die Firmen noch immer schwer mit den Auswirkungen der Pandemie zu kämpfen - und der steigenden Unsicherheit.
  • Die Stimmung hellt sich leicht auf, wirkliche Erholung ist nicht in Sicht. SDZ-Grafik: Carmen Apprich

Heidenheim

Die Ergebnisse der IHK-Konjunkturumfrage zu Jahresbeginn 2021 liegen vor – und das Ergebnis überrascht nicht: Der Lockdown bremst die Erholung der regionalen Wirtschaft. Geprägt ist die aktuelle Lage von Unsicherheit, lautet ein Fazit der IHK. Allerdings hat sich die Lage stabilisiert, die Firmen bewerten ihre Aussichten besser als noch im Herbst. Ein Grund: Die exportorientierte Industrie stabilisiert die regionale Wirtschaft, die Basis ist aber fragil.

Derzeit bewerten 35 Prozent der befragten Unternehmen, das sind 7 Prozentpunkte mehr als noch im Herbst 2020, ihre Lage mit „gut“. Immer noch 21 Prozent bewerten ihre aktuelle Lage mit „schlecht“. Das sind erfreulicherweise weniger als noch im Herbst 2020 (29 Prozent). Wiederum fallen die Einschätzungen der Lage und der Erwartungen in Ostwürttemberg etwas optimistischer aus als im Land. Die Erwartungen zeigen zwar etwas bessere Aussichten als noch im Herbst, doch auch hier wird die Unsicherheit deutlich.

Fast ein Drittel der Unternehmen geht von besseren Geschäften in den nächsten zwölf Monaten aus, 20 Prozent rechnen mit schlechteren Geschäften. Das Top-Risiko ist in fast allen Branchen die Corona-Pandemie, gefolgt von der In- und Auslandsnachfrage. Nach Einschätzung der IHK hat die Pandemie in Ostwürttemberg bisher glücklicherweise weder am Arbeitsmarkt noch im Insolvenzgeschehen starke Spuren hinterlassen. Die Hilfsprogramme sowie die Erleichterungen im Insolvenzrecht haben dies abgefedert. In den Sommermonaten und bis November 2020 hätten sich viele Branchen stabilisiert.

Zwei Prozent der Firmen sehen sich von einer Insolvenz bedroht.

IHK-Konjunkturumfrage

Mit dem seit November geltenden Lockdown haben die Herausforderungen zugenommen. Hier sind Soloselbständige, kleine und mittlere Firmen mit geringen Reserven und in besonderem Maße der gesamte Non-Food-Handel, die Gastronomie, die Hotellerie wie auch die Reisebranche, Messen und Messedienstleister, Schausteller und Marktkaufleute sowie körpernahe und persönliche Dienstleister betroffen. Die Zahl der Anrufe von Firmen mit großen Existenzängsten nimmt laut IHK seit Januar zu, ebenso das kritische Hinterfragen der Maßnahmen.

Die Industrie ist nach Angaben der Unternehmen zu 81 Prozent in ihren Kapazitäten ausgelastet, im Herbst waren es nur 74 Prozent. Die Lage ist bei einem Drittel der Betriebe „gut“, bei 42 Prozent immerhin „befriedigend“. Mehr Firmen als noch im Herbst melden steigende Auftragseingänge (44 Prozent). Noch bei 19 Prozent ist die Tendenz fallend. Der Handel beurteilt die Geschäftslage etwas schlechter als noch im Herbst, 43 Prozent sprechen von einer guten Lage, 19 Prozent von einer schlechten. Die positive Lage wird vor allem durch Großhandel und Vollsortimenter getragen. Von Schließungen betroffene Händler haben extrem zu kämpfen: 44 Prozent der Händler erlitten einen teils massiven Umsatzrückgang, davon 13 Prozent mit einem Rückgang von mehr als 25 Prozent. Bei den Händlern sind 34 Prozent optimistisch und rechnen mit einer Rückkehr zur normalen Geschäftstätigkeit im 2. Halbjahr 2021. 19 Prozent rechnen im Jahr 2022 mit einer Rückkehr. Bei den Dienstleistern hat sich die Bewertung im Vergleich zum Herbst verbessert. Jeder dritte Dienstleister beurteilt seine aktuelle Geschäftslage mit „gut“. 21 Prozent sprechen von einer schlechten Lage. Unternehmensnahe Dienstleister, wie IT-Dienstleister, tragen die positive Stimmung.

Aufgrund der Verlängerung des Lockdowns, welche den Firmen Unternehmen im Umfragezeitraum noch nicht bekannt war, ist davon auszugehen, dass sich das Stimmungsbild der Wirtschaft weiter eingetrübt hat. Knapp zwei Prozent der befragten Betriebe in Ostwürttemberg sehen sich von einer Insolvenz bedroht. Wenn die Zahl der Insolvenzen und schweren Schicksalsschläge für betroffene Unternehmer und deren Beschäftigte vermieden werden sollen, komme es laut IHK darauf an, dass die Bereitstellung der Hilfsgelder schnell und so unbürokratisch wie möglich erfolgt. Im Rahmen der Überbrückungshilfe III brauche es für den Handel und auch Dienstleister einen Ausgleich für die hohen Umsatzverluste, die durch den in manchen Branchen bereits über drei Monate bestehenden Lockdown verursacht wurden. Weiterhin müssen aus Sicht der IHK alle Branchen gleichbehandelt werden. Viele Firmen hätten in Hygienekonzepte investiert, die gut funktionierten. Sie erwarteten laut IHK nun, „dass die Politik alle verantwortbaren Lockerungen umsetzt“.

© Wirtschaft Regional 05.02.2021 14:20
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