Kommentar Thomas Veitinger zum Aus für Googles Internet-Ballons

Wichtige Träume

  • Thomas Veitinger Foto: Volkmar Könneke
Es dürfte der Wunsch vieler Menschen sein: Einen Traum leben – und wenn er ausgeträumt ist, einfach einen neuen beginnen. Schwerreiche können das. Wie Google: Dessen Konzernmutter Alphabet mit 11,2 Milliarden Dollar Gewinn leistet sich „Moonshots“, angelehnt an das Mond-Projekt von US-Präsidenten John F. Kennedy. Die Pläne von Alphabet sind zum Teil fantastisch, wie der Versuch, in Kontaktlinsen Kameras zu installieren. Sind sie unrentabel, werden sie eingestellt.

Das ist jetzt mit „Loon“ passiert. Ein Projekt, das schnelles und billiges Internet über monatelang in der Luft schwebende Ballone in dünn besiedelte Regionen bringen sollte. Zu unrentabel, war das Resümee.

Das eigentlich Unvorstellbare dürften aber für viele Manager hierzulande nicht die Milliarden sein, die Alphabet jedes Jahr in Versuche steckt. Sondern die dahinterstehende Mentalität: In Silicon Valley sollen Mitarbeiter sogar Extrazulagen bekommen, wenn ihnen ein Projekt misslingt. Es gilt, Unmögliches möglich zu machen, komme was wolle. Denn manchmal klappt es auch.

Dahinter steht die Mentalität, dass es nicht schadet, mit einem Unternehmen zu scheitern – Hauptsache man steht wieder auf und probiert es erneut. Kapital gibt es dafür. Noch hängt deshalb die Start-up-Kultur hierzulande hinterher. Träume sollten eine Chance bekommen.
© Südwest Presse 23.01.2021 07:45
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