Mössners Weltrekord

Maschinenbau Der Automatisierungsspezialist hat die wohl größte Aluminium-Bandsäge der Welt gebaut. Was hinter dem Projekt steckt.
  • Die Aluminium-Bandsägenanlage von Mössner. Foto: Mössner

Eschach

Es ist selbst für einen so traditionsreichen Automatisierungsspezialisten und Sondermaschinenbauer Mössner ein ganz besonderes Projekt: In monatelanger Detailarbeit haben die Eschacher die wohl größte Aluminium-Bandsäge der Welt entwickelt und montiert. „Der schwerste, bisher gesägte Barren wog rund 40 Tonnen“, erklärt Christian Kunz, Entwicklungsleiter bei Mössner. Zum Einsatz kommt die Anlage in Polen. Die Anlagen selbst bringen bis zu 350 Tonnen auf die Waage, der Sägeantrieb leistet bis zu 110 Kilowatt. „Zum Einsatz kommt sie vor allem in Walzwerken und bei der Herstellung von Aluminium“, so Kunz.

Aluminium wird in Aluminiumhütten durch die Elektrolyse von Aluminiumoxid, welches wiederum aus Bauxit gewonnen wird, hergestellt. Dies wird als Primäraluminium bezeichnet. „Das flüssige Aluminium wird in Barren gegossen, die dann wiederum gesägt werden müssen“, erklärt Kunz. Die Bandsägen aus Eschach können das sowohl in vertikaler wie auch horizontaler Ausrichtung. Auch im Bereich des Recyclings, bei der Produktion von Recyclingaluminium oder Sekundäraluminium, findet die Anlagentechnik von Mössner Anwendung. Das Ergebnis sind entweder sogenannte T-Barren-Stücke, die ihrerseits eingeschmolzen werden können, oder eben Walzbarren. ,,Die Walzbarren werden in einem Walzwerk zu Blechen verarbeitet.“ Und werden im Anschluss zu Getränkedosen oder ähnlichen Gebrauchsgegenständen verarbeitet. Auch können diese durch die Horizontalsägen von Mössner in Platten aufgeteilt und zu Halbzeugen weiterverarbeitet werden. Der Aufbau der Sägeanlage wurde auch filmisch begleitet.

Die Bandsägen und -anlagen von Mössner kommen nicht nur in der Aluminiumindustrie zum Einsatz, auch Gießereien und Automobilhersteller gehören zu den Kunden von Mössner. In der Autoindustrie zum Beispiel im Bereich der Fahrwerkstechnik und der Elektromobilität. Doch schon längst beliefert das Unternehmen nicht nur Premium-Autobauer mit ihren Lösungen. „Wir sehen uns als lokalen Automatisierungspartner mit Expertise in zahlreichen internationalen Märkten.“ Neben Deutschland sind die EU, China und Mexiko die wichtigsten Märkte für Mössner.

Zum Einsatz kommt die Anlage etwa in Walzwerken.

Christian Kunz
Mössner

Weltweit hat die Firma in den vergangenen 30 Jahren weit mehr als 1000 Robotersysteme installiert. Aus dem Maschinenbauer von einst, der mit klassischen Bandsägen für Stahl und Metall groß geworden ist, ist längst ein Automatisierungsspezialist geworden, der die Megathemen Digitalisierung und Industrie 4.0 in die Praxis umsetzt. „Wir integrieren neueste Entwicklungen der Informationstechnik, der Sensorik und Steuerungstechnik in die Weiterentwicklung unserer Anlagen“, erklärt Kunz. Industrie 4.0 sei für Mössner kein Selbstzweck, „sondern elementarer Bestandteil beim Engineering von neuen Anlagen oder Maschinen“.

Ein Beispiel für diese neuen Lösungen ist das Projekt RoboBro, mit dem Firmen verschiedenster Branchen bestehende Prozesse und Bearbeitungsschritte automatisieren können. RoboBro soll nicht nur für die Firmen wirtschaftliche Vorteile haben, sondern auch die Mitarbeiter von monotonen oder physisch anstrengenden Tätigkeiten entlasten. Je nach Bedarf liefert Mössner die benötigten Komponenten, zum Beispiel Roboter, Steuerungstechnik, Greifsysteme oder auch die Software, erklärt Kunz. Die Industrie-4.0-Lösung Mössner Analytics wiederum ist eine Plattform für das Erfassen, Verarbeiten, Speichern, Visualisieren und Analysieren von Maschinendaten. Aktuell beschäftigt die Firma 140 Mitarbeiter

© Wirtschaft Regional 08.01.2021 10:31
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