„Logistik ist ein Erfolgsfaktor“

Wachstum Ein ereignisreiches Jahr liegt hinter der Spedition Brucker. Die Aalener sind für 2021 optimistisch. Warum sich das Wachstum jedoch eher jenseits der Region hinaus abspielen wird.
  • Der Stammsitz der Spedition Brucker in Aalen. Foto: Spedition Brucker

Aalen

Das Jahr 2020 war auch für die Spedition Brucker ein besonderes. Im Januar und Februar lief das Geschäft auf vollen Touren, wie Dr. Stefan Brucker berichtet. „Im März kam der Einbruch, im April und Mai die Unsicherheit, aber danach waren wir wieder auf Kurs. Seit Juni haben sich die Geschäfte wieder deutlich stabilisiert“, so der geschäftsführende Gesellschafter. Der Oktober war sogar geprägt von einem historischen Umsatzrekord in der 114-jährigen Firmengeschichte. „Darauf sind wir stolz“, sagt Brucker. Vom Himmel gefallen ist die Besserung indes nicht.

„Wir haben die Pandemiekrise wie jede andere Firma gespürt“, sagt Brucker. Die Autoindustrie, zu der einige Kunden gehören, hat die Produktion teils massiv zurückgefahren. Auch aus anderen Branchen kamen negative Signale. „Uns kam in der Zeit entgegen, dass wir sehr breit aufgestellt sind.“ In anderen Branchen, wie der Baubranche und weiteren Teilen des damit zusammenhängenden Einzelhandels, hätten die Geschäfte stark angezogen. Zudem hat das Unternehmen die Zeit der Pandemie genutzt. „Wir haben neue Geschäftsfelder erschlossen, neue Logistikkonzepte entwickelt und somit Großprojekte für uns gewonnen“, so Brucker.

Für einen großen Automobilzulieferer wird Brucker im Neckar-Alb-Kreis ein Logistikzentrum planen und betreiben. Hierzu befindet sich bereits eine 11 000 Quadratmeter große Logistikimmobilie im Bau, die man Mitte des Jahres bezieht. An diesem Standort sind die Aalener bereits für den Großkunden im Bereich der innerbetrieblichen Kontraktlogistik tätig, nun wird die Zusammenarbeit ausgebaut. „Das Vertrauen freut uns.“ Dieses Projekt zeige, wie sich die Logistikbranche entwickelt und sich das Leistungsspektrum verändert habe. „Neben der klassischen Lagerlogistik mit der Aufgaben der Werkver- und -entsorgung übernehmen wir das Behältermanagement, angefangen bei der Bestandsverwaltung bis hin zur Reinigung der Mehrwegbehälter.“ Das zeige, dass sich die Logistikbranche in den vergangenen Jahren verändert hat, etwa durch die Digitalisierung. „Viele Firmen haben erkannt, dass eine gute Logistik ein wichtiger, wesentlicher Erfolgs- und Wettbewerbsfaktor ist.“ Entsprechend gewandelt haben sich die Aufgaben, vor denen die Mitarbeiter von Stefan Brucker und dessen Bruder Arno Brucker stehen – und die Chefs selbst. „Hätte mir vor zehn Jahren jemand erzählt, dass ich anstatt in Lkws nun siebenstellig in Reinigungsanlagen und in Mikroskope für die Restschmutzanalyse von Mehrwegbehältern investiere, hätte ich ihn für verrückt gehalten“, erzählt Brucker schmunzelnd.

Uns kam in der Zeit entgegen, dass wir sehr breit aufgestellt sind

Stefan Brucker
Spedition Brucker

Heißt auch: Der klassische Fernverkehr spielt für den eigenen Firmenfuhrpark eine deutliche geringere Rolle als früher. Das liegt nicht nur an den Preisen, die permanent unter Druck stehen, sondern an der allgemeinen Knappheit an Fahrpersonal. Doch auch der Geschäftsbereich Transport und Spedition soll weiter wachsen – insbesondere im Bereich der Linien- und Werkverkehre. Aktuell kommen über 500 Lkw täglich zum Einsatz. Darüber hinaus sind immer mehr Mitarbeiter mit der Entwicklung von IT-Systemen und der Konzeption von Logistikkonzepten beschäftigt. „Wir verschaffen dank unseres Know-hows unseren Kunden einen großen Wettbewerbsvorteil“, so Brucker, der auch in diesem Bereich selbst tätig ist. Weitere Projekte sind in Planung – mehr will er erst erzählen, wenn die Unterschrift geleistet ist.

Die positive Entwicklung hat Auswirkungen auf die Zahl der Mitarbeiter. Im kommenden Jahr wird Brucker im Neckar-Alb-Kreis 40 neue Stellen schaffen. Die Zahl der Beschäftigten ist in diesem Jahr trotz Corona gewachsen, fast 700 Menschen sind bei der Firma tätig. Kurzarbeit habe es für die Belegschaft in diesem Jahr trotz der Delle so gut wie nicht gegeben. „Sicher hätten wir dies in großem Stil beantragen können, aber wir wollten keine Hilfe vom Staat. Wir haben gute Jahre hinter uns, da müssen wir auch mal ein schwächeres durchstehen und kreative Modelle entwickeln.“ Umsatz und Ergebnis werden wegen Corona nicht an das Vorjahresniveau heranreichen, für das kommende Jahr ist Brucker optimistisch. „Die Pandemie wird uns noch eine Weile begleiten, auch die CO2-Abgabe wird den Druck auf die knappen Margen erhöhen, aber bei uns stehen viele spannende Projekte an, auf die wir uns freuen“, sagt Brucker.

Die Diversifizierung soll ausgebaut werden. Der limitierende Faktor dürfte bei den Aalenern weiter nicht die Nachfrage oder ein Mangel an Projekten sein, sondern der Fachkräftemangel – und das Fehlen von Flächen. „Unser Wachstum wird sich im kommenden Jahr leider eher jenseits der Region Ostwürttemberg abspielen“ sagt Brucker. In der Region fänden sich kaum noch Flächen, vor allem in Aalen sei der Mangel zu spüren. „Wir würden gerne bauen, aber wir können nicht aufgrund fehlender Flächen für Logistik und Fuhrpark.“ Die Entwicklungspotenziale lägen deshalb in anderen Regionen im Südwesten.

© Wirtschaft Regional 07.01.2021 16:35
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