Nachhaltiges Bauen mit neuen Ideen

Jubiläum Das Büro „Liebel / Architekten“ in Aalen besteht seit 20 Jahren und hat mit nachhaltigen und ganzheitlichen Konzepten bereits viele Preise erhalten.
  • Für die Samariterstiftung realisiert das Büro einen Gebäudekomplex in Neresheim. Foto: L/A

Neue Lösungen für klimafreundliches Bauen: Das hat sich das seit 20 Jahren bestehende Architekturbüro „Liebel / Architekten“ (L/A) in Aalen auf die Fahnen geschrieben. 47 nationale und internationale Auszeichnungen geben Architekt Bernd Liebel und seinem 20-köpfigen Team Recht. Das Büro plant, erarbeitet und realisiert Projekte unter anderem im Wohnungs- und Gewerbebau ebenso wie im Bildungs-, Verwaltungs- oder Pflege- und Sozialbereich.

Gegründet hat es Bernd Liebel im Jahr 2000 als Ein-Mann-Büro Büro in einem Wohnungsflur in Aalen. Zuvor hatte er Erfahrungen in namhaften Büros in Stuttgart und San Francisco gesammelt. Seinen Sitz hat das Büro nun im von L/A selbst sanierten Lokschuppen „Ich habe das große Glück, dass sich unter dem engagierten Team auch ein langjähriger und fester Mitarbeiterstamm befindet, der das Büro entscheidend mitgeprägt und weiterentwickelt hat“, resümiert Bernd Liebel.

Auf die Frage, was sein Büro besonders auszeichne, nennt Liebel das Erarbeiten individueller und maßgeschneiderter Lösungen für den jeweiligen Bedarf der Bauherrinnen und Bauherren - gepaart mit einem „hohen Qualitätsanspruch an die Architektur“.

Seit vielen Jahren setzt L/A zudem einen besonderen Fokus auf nachhaltige, ganzheitliche Konzepte: Ein einprägsames Beispiel ist der 2019 seiner Bestimmung übergebene, im Betrieb klimapositive Fachklassentrakt des Schubart-Gymnasiums in Aalen: das erste Null-Energie-Schulgebäude im Ostalbkreis. „Hier lautet die neue Rechenformel 1+1=1: Ein zusätzliches Schulgebäude bei gleichbleibenden Energiekosten“, umschreibt es Liebel. Für dieses Projekt wurde das Büro unter anderem mit dem „Bundespreis Bauen und Umwelt“ ausgezeichnet. Als einziges Nicht-Wohngebäude erhielt das Schubart-Gymnasium diese hohe Ehrung.

Ein integrales Klimakonzept reduziert auch den Primärenergieverbrauch der VR-Bank in Markgröningen. Durch eine kompakte Bauweise, funktionale Grundrisse und kurze Wege werde zudem der Flächenverbrauch bei gleicher Arbeitsplatzanzahl optimiert, was zusätzlich Energie und Kosten spare, so das Büro.

„Das Thema identitätsstiftende Architektur wird für Unternehmen immer wichtiger“, betont Bernd Liebel. Wirtschaftsbetriebe, die sich in Produktion und Geschäftspolitik Klimaschutz und CO2-Einsparung oder -Neutralität auf die Fahnen geschrieben haben, möchten diese Werte auch in ihren Bauten verwirklicht sehen. „Zumal die Hauptkosten beim Betrieb des Gebäudes entstehen und nicht beim Bau“ so Liebel. Sein Büro setzt deshalb auf das Konzept „High-Comfort - Low-Tech“. Das bedeutet: Möglichst geringer technischer Aufwand bei maximalem Wohn- und Arbeitskomfort.

Identitätsstiftende Architektur wird immer wichtiger.

Bernd Liebel
Architekt

Umwelt-Energiequellen ausnutzen

Der Schlüssel liegt für L/A in der effizienten und intelligenten Ausnutzung von Umwelt-Energiequellen, etwa wenn es um Belichtung, Belüftung, Erwärmung oder Kühlung von Gebäuden geht. Dadurch kann etwa auf technisch aufwendige Klima- oder Lüftungsanlagen verzichtet werden.

Nachhaltigkeit bedeutet auch, an die Nutzer der Gebäude zu denken. „Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass ein angenehmes Arbeitsumfeld für eine höhere Zufriedenheit und Identifikation mit dem Unternehmen führt“ so der Architekt: „Die Folge sind weniger Fehltage und eine höhere Produktivität bei den Mitarbeitern.“ Eine intelligente Planung führt zu einem auf die jeweiligen Bedürfnisse zugeschnittenem Konzept aus Einzelbüros, Gruppenbüros, Teambüros und flexiblen Arbeitsplätzen – sowie der Verzahnung mit Home-Office-Lösungen.

Nicht nur für den Unternehmens- und Bürobereich, auch für die ganze Bandbreite möglicher Bauten – vom Einfamilienhaus- bis zum Geschosswohnungsbau, für Mensen, Kindergärten, Schulgebäude und Einrichtungen für Menschen mit Behinderung – erarbeitet das Büro Lösungen. So entsteht für das Samariterstift in Neresheim derzeit ein neuer Gebäudekomplex, der ein klimaneutrales Ergebnis bei Bau und Betrieb anstrebt. In Bretzfeld verantwortet das Büro den Bau eines Null-Energie-Kindergartens.

Wegen der „hohen Architekturqualität der Projekte“ wurde Bernd Liebel bereits 2006 in den Bund Deutscher Architekten (BDA) berufen. Dort ist er Vorstand der Kreisgruppe Ostwürttemberg, sowie Mitglied des Landesrats und des Berufungsausschusses. L/A ist Mitglied in der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB) sowie Teilnehmer der Initiative „Phase Nachhaltigkeit“ der DGNB und der Deutschen Architektenkammer. Zahlreiche nationale und internationale Publikationen würdigen die innovativen und nachhaltigen Lösungen des Büros.

© Wirtschaft Regional 21.12.2020 16:19
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