Wie Corona das DM-Geschäft verändert

Bilanz Die Covid-Pandemie fordert die Karlsruher Drogeriemarkt-Kette. Der Umsatz steigt, in der Region sogar stärker als in anderen Märkten. Die Pandemie bringt überraschende Konsequenzen.

  • Blick in eine Filiale von DM. Foto: DM

Aalen/Schwäbisch Gmünd.

Die Drogeriemarktkette DM bleibt trotz spürbarer Auswirkungen der Covid-Pandemie auf Wachstumskurs. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2019/20 haben die Karlsruher ihren gesamten Umsatz um rund 2,9 Prozent auf 11,52 Milliarden Euro gesteigert.

In der Region Ostwürttemberg lief es für das Unternehmen sogar noch besser, wie der Gebietsverantwortliche Hauke Flöter im Gespräch mit dieser Zeitung erklärt. Zudem hat die Pandemie auch das Einkaufsverhalten der Kunden verändert.

In der Region betreiben die Karlsruher Filialen in Aalen (drei), Gmünd (zwei), Heidenheim, Mutlangen, Lorch, Gaildorf, Giengen, Bopfingen, Westhausen sowie Königsbronn und Sontheim/Brenz, wo DM im Mai dieses Jahrs einen Standort eröffnet hat. In Ellwangen wurde die Filiale Ende Juni geschlossen. Sie wurde durch den Standort Westhausen besetzt. Eine neue Filiale in Ellwangen ist laut Flöter derzeit nicht geplant.

In den regionalen Niederlassungen lag der Umsatz im zurückliegenden Geschäftsjahr bei 46,7 Millionen Euro, ein stolzes Plus von sieben Prozent. „Wir sind mit der Entwicklung unserer Filialen sehr zufrieden“, erklärt Flöter. Die Zahl der Mitarbeiter stieg von 185 auf 190.

Die Mitarbeiter der Filiale Ellwangen zogen entweder mit nach Westhausen um oder wechselten in die Aalener Filialen. Die Zahl der Auszubildenden stieg ebenfalls von 23 auf 25. „Unser Ziel ist, in jeder Filiale mindestens einen Azubi zu beschäftigen“, sagt Flöter. Derzeit liefe bereits die Suche nach den im DM-Sprech „Lernlinge“ genannten neuen Mitarbeitern für das kommende Ausbildungsjahr 2021. „Wir bilden die jungen Leute als Drogisten aus“, sagt Flöter. So verfügten sie über eine höhere Beratungskompetenz als nach einer Verkäuferlehre.

Wir sind mit der Entwicklung unserer Filialen sehr zufrieden.

Hauke Flöter
Gebietsverantwortlicher DM

Die Covid-Pandemie hat sich ebenso spürbar auf das Verhalten der Kunden und die Vorkehrungen in den Filialen ausgewirkt. Sie sei auch für DM eine „außergewöhnliche Situation“, wie Flöter erklärt. „Dank unserer engagierten Mitarbeiter haben wir uns aber schnell und gut auf die neuen Umstände eingestellt.“ Die Kunden hätten auf die Pandemie unterschiedlich reagiert.

So sei die Zahl der Kundenkontakte pro Filiale zwar gesunken, wenn auch gering um 0,2 Prozent auf 3,03 Millionen, doch die Umsätze – siehe oben – stiegen. Heißt: Die Kunden kommen und kaufen seltener ein, dafür aber größere Mengen. Auch die Nachfrage nach einzelnen Produktbereichen habe sich gewandelt. So sei die Nachfrage nach dekorativer Kosmetik (wie etwa Lippenstiften) oder Reiseaccessoires spürbar gesunken, stattdessen kaufen die Kunden vermehrt Lebensmittel und Wohndeko ein. Vor allem Bio-Nahrung erfreue sich steigender Beliebtheit.

Mehr Frequenz in den Randgebieten

„Wir merken, dass die Menschen immer häufiger zu Hause statt in der Kantine oder der Gastronomie essen“, sagt Flöter. Die Nachfrage nach Toilettenpapier ist derzeit übrigens auf einem normalen Niveau, wie der Gebietsverantwortliche erklärt. Und selbst wenn es wieder zu einem Run auf das besondere Papier kommen sollte, ist ihm nicht bange: „Wir sind vorbereitet, wir haben aus dem Frühjahr gelernt“, sagt Flöter und schmunzelt.

Die Entwicklung der einzelnen Filialen fällt uneinheitlich aus, wie der Verantwortliche für die Region erklärt: Während sich die Filialen in den sogenannten Fachmarktzentren in den Randgebieten von Kommunen immer größerer Beliebtheit erfreuen, geht die Frequenz in den City-Lagen, also den Kernstädten, zurück. Flöter führt dieses Verhalten vor allem auf die steigende Vorsicht der Menschen während der Pandemie zurück. „In Ostwürttemberg ist das Verhalten sogar noch ausgeprägter als in anderen Regionen Deutschlands.“ Der Kundenstrom bewege sich seit Beginn der Pandemie häufig in Wellen: Während des Lockdowns im Frühjahr und auch aktuell wegen des Lockdown Lights kämen weniger Kunden, vor und nach den Maßnahmen nehme die Zahl der Menschen in den Filialen wieder spürbar zu.

© Wirtschaft Regional 20.11.2020 15:19
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