Home-Office und die Steuer

Interview Mehr Menschen arbeiten von zu Hause aus. Steuerberater Markus Graser verrät, was bei der Steuererklärung wichtig ist.

  • Steuerberater Markus Graser hat Hoffnung, dass die pauschale Entlastung für das Home-Office kommt. Foto: ASG

Aalen

In der Corona-Pandemie sollten unnötige Kontakte auch im Arbeitsleben vermieden werden. Für viele bedeutet das: Arbeiten von zu Hause. Welche Auswirkungen das auf die Steuererklärung haben kann, erläutert Steuerberater Markus Graser, Geschäftsführer der ASG Aalener Steuerberatungsgesellschaft.

Bislang entlastete der Staat – etwa über die Pendlerpauschale – eher den Weg zum Arbeitsplatz, der für viele nun entfällt. Dafür fallen im Home-Office Kosten an. Gibt es dafür auch Entlastung?

Markus Graser: Nach jetzigem Stand gibt es vor allem dann Entlastung, wenn ein eigenes Arbeitszimmer vorhanden ist und der Arbeitgeber keinen Arbeitsplatz zur Verfügung stellt. Allerdings wollen der bayerische und der hessische Finanzminister eine Initiative in den Finanzausschuss des Bundesrates einbringen. Die Pläne sehen vor, dass pro vollem Tag im Home-Office fünf Euro pauschal als Werbungskosten angesetzt werden können, maximal 600 Euro pro Jahr. Hier ist noch nichts entschieden, ich könnte mir aber vorstellen, dass diese Pläne umgesetzt werden.

Wie ist die Regelung bislang?

Bisher muss der Arbeitnehmer oder Selbstständige nachweisen, dass er ein Arbeitszimmer besitzt, welches zu mindestens 90 Prozent auch als solches genutzt wird - und in der Firma auch kein Büro vorhanden ist. Hier gab es auch schon Gerichtsurteile: Bejaht wurde beispielsweise die Frage, ob Lehrer ein Arbeitszimmer zu Hause ansetzen dürfen. Die anteiligen Raumkosten des Arbeitsplatzes am Küchentisch oder in einer Ecke des Wohnzimmers sind bisher nicht absetzbar.

Wie kann das Arbeitszimmer zu Hause abgesetzt werden?

Es ist zu empfehlen, alles gut zu dokumentieren und dem Finanzamt beispielsweise Fotos des Arbeitszimmers vorzulegen. Wenn der Arbeitgeber in der jetzigen Situation Home-Office vorschreibt, sollte die entsprechende Anweisung vorgelegt werden. Anteilig können für das Arbeitszimmer auch die Abschreibung auf den Immobilienwert ohne Grund und Boden, Strom, Wasser, Heizung und andere Nebenkosten angegeben werden. Der Höchstbetrag liegt bei 1250 Euro im Jahr.

Wie steht es um zusätzliche Kosten, etwa für Drucker und Papier?

Diese Kosten für Arbeitsmittel können in jedem Fall angesetzt werden, auch wenn kein Arbeitszimmer vorhanden ist. Anschaffungen im Wert von bis zu 800 Euro netto im Jahr, etwa für Computer, Schreibtisch oder Bürostuhl, sind sofort als Werbungskosten ansetzbar. Was darüber hinausgeht, muss über die Nutzungsdauer verteilt werden. Gleiches gilt für Telefon und Internet, wo im Normalfall eine Pauschale von 20 Euro pro Monat greift. Was darüber hinaus geht, muss mit Einzelverbindungsnachweisen belegt werden - das dürfte im Normalfall aber nur Selbstständige betreffen.

Ein Analyst der Deutschen Bank hat nun ins Gespräch gebracht, die Steuern, die durch vermehrtes Arbeiten im Home-Office wegfallen – durch weniger Einkäufe, Fahrten zur Arbeit und Restaurantbesuche in der Mittagspause – mit einer Home-Office Steuer in Höhe von fünf Prozent auf das Bruttogehalt auszugleichen. Was halten Sie davon?’

Ich halte das nicht für sinnvoll. Das Arbeiten zu Hause sollte eher gefördert als bestraft werden – alleine schon aus Umweltgesichtspunkten. Es ist doch positiv, wenn man keinen Sprit verbläst. Weitere Konsumminderungen sind reine Spekulationen und wenn, dann sehr individuell. Zum Beispiel sind Restaurantbesuche von Arbeitnehmern in der Mittagspause wohl eher nicht die Regel. Eine Pauschalbesteuerung wäre hier aus meiner Sicht schlichtweg nicht gerecht.

© Wirtschaft Regional 19.11.2020 16:01
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