„Zeiss war sein Leben“

Optikkonzern Dr. Horst Skoludek, der langjährige Sprecher des Vorstands des Zeiss-Konzerns, ist im Alter von 93 Jahren gestorben.
  • Dr. Horst Skoludek während seiner Zeit als Vorstandschef von Zeiss. Archiv-Foto: Zeiss

Oberkochen

Beinahe sein ganzes Berufsleben hat Dr. Horst Skoludek bei Zeiss verbracht – und im Unternehmen so viel bewegt wie nur wenige. Nun ist er im Alter von 93 Jahren gestorben.

Skoludek begann seine berufliche Karriere als Verkäufer bei Baush + Lomb, ehe er zum Zeiss-Konzern nach Oberkochen wechselte. Dort war er zunächst von 1962 bis 1965 als Verkäufer in Deutschland tätig, 1966 ging er als Executive Vice President der Carl Zeiss Inc. nach New York. 1969 wurde ihm die Vertriebsleitung für wissenschaftliche Instrumente der Zentrale in Oberkochen übertragen. Zwei Jahre später folgte die Berufung in den Vorstand. Im November 1982 wurde er Sprecher des Vorstands und im Mai 1992 in den Ruhestand verabschiedet.

Vor allem die deutsche Wiedervereinigung (und jene von Zeiss) bedeutete Skoludek sehr viel. 1927 im schlesischen Penzig geboren, wurde er als 16-Jähriger noch vor Ende des Zweiten Weltkrieges eingezogen und als Fallschirmjäger über England abgeschossen. Erst 1947 kehrte er nach Deutschland zurück – nach mehrjähriger Kriegsgefangenschaft und Zwangsarbeit in einem Bergwerk in England. Die Familie zog in den Jahren danach nach Jena. An der dortigen Universität begann Skoludek ein Studium der Physik und Chemie – konnte es aber nicht zu Ende führen: Sein Vater wurde von den ostdeutschen Behörden zu Zwangsarbeit verurteilt, Skoludek floh mit seiner Mutter in den Westen, wo er zunächst in Frankfurt/Main sein Studium der Mineralogie, Physik und Chemie beendete und 1960 promovierte.

Die Wiedervereinigung war der Höhepunkt, weil es die Wiedervereinigung von Carl Zeiss bedeutete.

Anke Rice-Skoludek
über die Karriere ihres Vaters
Dr. Horst Skoludek

Unter seiner Regie steigerte Zeiss nicht nur den Umsatz von 500 Millionen auf rund 2,4 Milliarden D-Mark: Zwischen 1971 und 1992 investierte das Unternehmen rund eine Milliarde D-Mark und sammelte Pensionsrückstellungen von 800 Millionen D-Mark an. In seine Amtszeit fiel die wirtschaftliche Erholung und die internationale Ausweitung des Geschäfts nach der wirtschaftlichen Schwächephase, in die das Unternehmen mit dem Niedergang der deutschen Kameraindustrie geriet, wie Zeiss in einer Mitteilung schreibt. Er habe den Wandel vom „Hochschulinstitut mit angeschlossenen Werkstätten“ zum marketingorientierten Unternehmen vorangetrieben.

Trotz des Erfolgs galt der Vorstandssprecher als sehr nahbar und stets bodenständig. Höher dotierte Angebote von anderen Konzernen lehnte er ab, wie seine Tochter Anke Rice-Skoludek erzählt. „Zeiss war sein Leben.“ Umso größer war seine Freude über die Wende: „Die Wiedervereinigung war der Höhepunkt seiner beruflichen Laufbahn, weil es die Wiedervereinigung von Carl Zeiss in Oberkochen und Jena bedeutete“, erinnert sich Rice-Skoludek. „Damit ist sein größter Wunsch in Erfüllung gegangen.“

Skoludek erhielt zahlreiche Ehrungen. So war er Ehrenvorsitzender des Industrieverbandes der deutschen feinmechanischen und optischen Industrie (heute: Spectaris) sowie Ehrensenator der Uni Jena, an deren Wiederaufbau nach der Einigung er großen Anteil hatte wie an der Praxisorientierung der Lehre. Zudem war Skoludek Ehrensenator des Deutschen Museums sowie Träger des Bundesverdienstkreuzes. Er engagierte sich in Forschungs- und Wirtschaftsfördergesellschaften, Stiftungen und Aufsichtsräten.

© Wirtschaft Regional 12.11.2020 19:18
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