VR-Bank: Wendel leitet Aufsichtsrat

Genossenschaftsbank Claus Albrecht scheidet aus dem Gremium aus. Die virtuelle Vertreterversammlung der VR-Bank Ostalb beschließt eine Dividende von 1,5 Prozent für die 55 000 Mitglieder.

  • Vorne von links: Der neue und der scheidende Aufsichtsratschef, Roland Wendel und Claus Albrecht. Hinten von links die Vorstände Ralf Baumbusch, Kurt Abele und Olaf Hepfer. Foto: ham

Aalen

Roland Wendel ist der neue Aufsichtsratsvorsitzende der VR-Bank Ostalb. Der Gmünder Buchprüfer und Steuerberater ist im Anschluss an die Vertreterversammlung, die in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie digital abgehalten wurde, einstimmig zum Nachfolger von Claus Albrecht gewählt wurden. Albrecht hatte das Amt zwölf Jahre lang bekleidet und scheidet nun aus Altersgründen aus.

Traditionell entscheidet die Vertreterversammlung als wichtigstes Gremium der VR-Bank über die Verwendung des Jahresüberschusses. Aufgrund der Pandemie verlegte die Bank den Termin dieses Jahr von Mai auf November und von der Stadthalle Aalen ins Internet. Auf einer Online-Plattform konnten sich die registrierten Vertreter drei Tage mit Videos, Präsentationen und Texten informieren sowie Fragen und Wortbeiträge einreichen. Am Montag, 9. November, hatten sie dann ganztägig die Möglichkeit, ihre Stimme abzugeben.

„Von insgesamt 368 Vertretern haben sich 254 registriert und 191 haben mit abgestimmt“, freute sich Vorstandsvorsitzender Kurt Abele über die hohe Teilnahmequote. Bei Präsenz-Vertreterversammlungen seien durchschnittlich nur rund 45 Prozent der Vertreter anwesend.

Der wichtigste Beschluss: Die rund 55 000 Mitglieder erhalten für das Geschäftsjahr 2019 eine Dividende in Höhe von 1,5 Prozent. „Das ist zwar weniger als die 3,5 Prozent in den Jahren zuvor, aber nachdem die Bankenaufsicht zunächst ein faktisches Dividendenverbot ausgesprochen hat, sind wir froh, dass final ein differenziertes Vorgehen zulässig war“, so Abele. Ob die europäische und die deutsche Bankenaufsicht auch im kommenden Jahr von der Auszahlung von Dividenden abraten, sei noch nicht entschieden: „Es ist meiner Meinung nach aber wahrscheinlich“, sagte der Vorstandschef. Insgesamt betrug der Jahresüberschuss im Jahr 2019 rund 5,9 Millionen Euro. Abele zeigte sich mit Wachstumsraten von mehr als sieben Prozent im Kundengeschäft sehr zufrieden. „Mit 4,2 Milliarden Euro betreutem Volumen wird deutlich, welches Vertrauen uns die Mitglieder und Kunden schenken.“

Für die Bank selbst halten sich die Negativfolgen der Coronakrise bisher im „überschaubaren Rahmen“, betonte Vorstandsmitglied Ralf Baumbusch: „Unsere wirtschaftlich starke Region schlägt sich bisher gut.“ Das Kreditgeschäft der VR-Bank Ostalb wachse auch 2020 – und zwar „nahezu ungebremst“ im Baufinanzierungsgeschäft, während die Firmen der Region anstehende Investitionen teilweise zurückstellten.

Sein Vorstandskollege Olaf Hepfer präsentierte weitere Zahlen. So waren im Jahr 2019 insgesamt 350 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Bank tätig, 14 weniger als noch im Jahr zuvor. Bis zum Jahr 2024 wechselten weitere Mitarbeiter in den Ruhestand – rund 30 Vollzeitstellen würden dann nicht mehr nachbesetzt.

Unsere wirtschaftlich starke Region schlägt sich bisher gut.

Ralf Baumbusch
Vorstandsmitglied

Aufsichtsrat wird sukzessive kleiner

Einhellig dankten die Verantwortlichen dem bisherigen Aufsichtsratsvorsitzenden Claus Albrecht. Der Aalener Unternehmer scheidet altersbedingt aus. Albrecht selbst bedankte sich für die „große Ehre“ und bezeichnete seinen Nachfolger Roland Wendel als „eine sehr gute Wahl: Es ist für eine hervorragende Kontinuität gesorgt, bezogen auf die bisherige Arbeit im Aufsichtsrat sowie die Zusammenarbeit mit dem Vorstand.“

Wendel, der von 2013 bis zur Fusion 2017 im Aufsichtsrat der Gmünder Volksbank saß und zuletzt stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der VR-Bank Ostalb war, benannte sein Ziel mit „Kontinuität im Wandel“.

Stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender ist künftig neben Martin Bläse aus Schwäbisch Gmünd auch Hermann Schwarz aus Dorfmerkingen. Neu in den Aufsichtsrat wurde die Aalener Unternehmerin Barbara Bopp gewählt. Wiedergewählt wurden Martin Bläse, Steffen Hachtel und Markus Kaißer. Ausgeschieden sind neben Claus Albrecht auch Alfred Baumhauer und Gertrud Schwager-Karl.

Statt 16 hat das Gremium nun noch 14 Mitglieder. Im Rahmen der Bankenfusion war vereinbart worden, die Zahl der Aufsichtsratsmitglieder langfristig von 18 auf 12 zu senken: „Das wird in ein bis zwei Jahren erreicht sein“, bekräftigte Roland Wendel.

© Wirtschaft Regional 10.11.2020 15:54
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