Magna: Appell an die Politik

Abbau Das Magna-Werk in Bopfingen soll schließen. Die IG Metall kündigt Widerstand an und fordert von der Politik Unterstützung für den Standort.
  • Blick auf das Industriegebiet Süd-Ost in Bopfingen, wo auch Magna seinen Standort hat – noch. Archiv-Foto: ham

Bopfingen

Mit zwei Versammlungen hat Magna am vergangenen Donnerstag die Belegschaft über die Pläne informiert, das Werk bis zum Jahr 2022 zu schließen. „Für die Kollegen war das ein Schlag ins Gesicht“, berichtet Josef Mischko, zweiter Bevollmächtigter der IG Metall in Aalen. „Die Mitarbeiter waren fix und fertig.“ Er kritisiert das Vorgehen des Konzerns scharf. „Im Frühjahr haben wir dafür gekämpft, dass es am Standort weitergeht“, erklärt er. Damals baute das Unternehmen rund 90 Stellen ab – um die Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen, wie der Gewerkschafter erklärt. Genau diese spricht der Konzern dem Standort nun ab.

Die IG Metall will gemeinsam mit dem Betriebsrat zunächst den wirtschaftlichen Hintergrund der Entscheidung auch mit Hilfe von Experten klären – und fordert schon jetzt eine Reaktion der Politik, um den Standort Bopfingen zu stärken.

„Wir werden wirtschaftlich und rechtlich prüfen lassen, ob die geplante Schließung rechtmäßig ist“, führt Gewerkschafter Mischko aus. Wäre dies der Fall, dann gehe es darum, einen möglichst guten Interessenausgleich sowie einen Sozialplan auszuhandeln. „Magna muss seiner sozialen Verantwortung gerecht werden und ist verpflichtet, den betroffenen Beschäftigten sowohl eine Zukunftsbrücke in eine neue Existenz als auch eine Altersbrücke zu bauen“, so der Gewerkschafter. Jüngere Mitarbeiter müssten weiterqualifiziert werden. Zwar gebe es im Ostalbkreis Firmen mit einem Bedarf an Mitarbeitern, hier komme es aber darauf an, dass die Qualifikationen passgenau seien. Er hofft deshalb auf die Unterstützung der Arbeitsagentur. Älteren Arbeitnehmern soll der Übergang in den Ruhestand ermöglicht werden.

Wir brauchen Perspektiven!

Josef Mischko
IG Metall

Mischko zweifelt an der offiziellen Darstellung des Konzerns, wonach der Standort Bopfingen wegen des Auslaufens von zwei Produktionsaufträgen bis Ende des Jahres 2022 geschlossen werden müsse. „Unseren aktuellen Infos zufolge läuft ein Auftrag bis 2023, ein weiterer bis 2025. Wir werden die Pläne deshalb auf Herz und Nieren prüfen.“ Ungeachtet des Ausgangs sieht Mischko wie auch Bopfingens Bürgermeister Dr. Gunter Bühler die Politik in der Pflicht. „Auch das Land Baden-Württemberg ist gefordert!“ Der Standort Bopfingen müsse mit Firmenansiedlungen und Investitionen in die Infrastruktur unterstützt werden. „Es reicht nicht aus, sich im Ostalbkreis auf die Entwicklung der drei großen Kreisstädte zu konzentrieren. Die Politik muss jetzt an einem Strang ziehen und alle Kräfte mobilisieren. Wir brauchen Perspektiven für den Standort!“

Bürgermeister Bühler hatte bereits in der vergangenen Woche erklärt, sowohl das Land als auch der Ostalbkreis müssten den Standort unterstützen. Gemeinsam müsse man eine Zukunftsperspektive entwickeln. „Magna ist ein sehr wichtiger Arbeitgeber in unserer strukturschwachen Region. Für uns ist das ein großer Einschnitt.“

Der Landtagsabgeordnete Winfried Mack macht sich laut eigenen Angaben „große Sorgen“ um die Magna-Beschäftigten. Der CDU-Politiker hat Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut in einem Schreiben gebeten, mit der Stadt Bopfingen umgehend Kontakt aufzunehmen. „Wir müssen jetzt gemeinsam alles tun, um einen starken Anstieg der Arbeitslosigkeit in der Raumschaft zu verhindern.“

© Wirtschaft Regional 09.11.2020 16:50
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