Magna schließt Bopfinger Werk

Autoindustrie Ende 2022 kommt das Ende für die Fabrik mit 230 Mitarbeitern. Die Gründe für das Aus – und was Bürgermeister Dr. Gunter Bühler jetzt fordert.
  • Der Magna-Standort in Bopfingen soll Ende 2022 geschlossen werden. Archiv-Foto: ham

Bopfingen.

An diesem Donnerstag wurden die Mitarbeiter in einer Betriebsversammlung über die Pläne des Magna-Konzerns informiert. Bis zum Ende des Jahres 2022 will das Unternehmen den Betrieb einstellen und das Werk schließen. Bereits seit einigen Jahren sank die Zahl der Mitarbeiter bei Magna kontinuierlich. Vor einigen Jahren waren noch rund 450 Menschen bei Magna in Bopfingen tätig – Leiharbeiter inklusive. Derzeit sind es rund 230 Mitarbeiter. Für die Stadt ist die geplante Schließung eine bittere Nachricht.

Vor gut einem Jahr strich der Konzern am Standort bereits rund 100 Stellen und begründete dies mit der allgemein schlechten Konjunktur in der Automobilindustrie. Eine Schließung war damals allerdings kein Thema. Seither habe sich die Lage in der europäischen und globalen Autobranche durch die Auswirkungen der Covid-Pandemie nochmals verschlechtert, begründet ein Sprecher des Konzerns auf Anfrage dieser Zeitung die Pläne des Konzerns, den Standort zu schließen. „Daher musste diese Entscheidung nun getroffen werden.“

In Bopfingen werden Komponenten, etwa umgeformte Blechteile, für die Fertigung in den umliegenden Produktionswerken der Hersteller produziert. Kunden nennt Magna jedoch keine. Die Fahrzeugproduktion werde in diesem Jahr allein in Europa von 20 auf rund 16 Millionen Autos sinken, erklärt der Magna-Sprecher weiter. Die Produktion in Bopfingen werde nicht verlagert, der Betrieb laufe mit den noch bestehenden Produktionsaufträgen Ende des Jahres 2022 aus.

Diese Entscheidung musste jetzt getroffen werden.

Ein Magna-Pressesprecher über das Aus der Bopfinger Fabrik

Betroffen sind rund 230 Mitarbeiter. „Wir werden nun die Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern sowie der Gewerkschaft starten“, so der Sprecher. Weitere Details des Abbaus stünden indes noch nicht fest. „Der Prozess wurde initiiert, am Ende wird ein Sozialplan für die Beschäftigten stehen.“ Weitere Werkschließungen in Deutschland seien „Stand jetzt“ nicht geplant. Magna betreibt in Europa derzeit 144 Werke.

„Für den Standort Bopfingen ist das ein herber Einschnitt“, sagt Bürgermeister Dr. Gunther Bühler zum Aus des Werks. „Magna war ein sehr wichtiger Arbeitgeber in unserer strukturschwachen Region.“ Für die betroffenen Mitarbeiter sei die Schließung ein harter Schlag. Er fordert nun eine Reaktion der Politik. „Für uns ist der Verlust von Magna so dramatisch wie der Stellenabbau von Bosch in Schwäbisch Gmünd.“ Der Kreis und gegebenenfalls auch das Land müssten nun handeln. Bühler fordert Unterstützung von öffentlicher Seite, um die Wirtschaft in Bopfingen zu stimulieren. „Hier muss die Politik endlich reagieren“, fordert der Bürgermeister auch mit Blick auf die seit einiger Zeit steigenden Arbeitslosenzahlen in der Gegend an der bayrischen Grenze.

Unterdessen veröffentlichte Magna am Freitag seine Quartalszahlen – und die sind trotz der Krise mehr als solide. Der Umsatz sank im Vergleich zum Vorjahreszeitraum lediglich um zwei Prozent auf 7,7 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis stieg sogar von 470 auf 665 Millionen Euro, als Nettogewinn weist das Unternehmen 341 Millionen Euro aus. Magna ist mit einem Jahresumsatz von zuletzt rund 40 Milliarden Euro nach Bosch und Denso immerhin der drittgrößte Autozulieferer der Welt.

© Wirtschaft Regional 06.11.2020 18:37
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