Wie die Region der Corona-Krise trotzt

Studie Die Commerzbank hat Unternehmer in Deutschland zu den Folgen der Pandemie befragt. Die Krise trifft die Firmen wie zu erwarten hart, allerdings steht die Region besser da als der Durchschnitt.
  • Eine Umfrage der Commerzbank unter Unternehmern in der Region zeigt die Folgen der Corona-Krise.

Aalen

Rund 3500 Firmen mit bis zu 15 Millionen Euro Umsatz hat die Commerzbank bundesweit befragen lassen, davon rund 50 aus Ostwürttemberg. „Wir wollten erfahren, sie stark die Firmen von der Corona-Krise betroffen sind“, erklärt Johannes Kube, Niederlassungsleiter bei der Commerzbank in Ostwürttemberg, die Idee hinter der Studie.

Klar ist: Auch die Firmen in der Region litten oder leiden unter den Auswirkungen der Pandemie. 25 Prozent erklärten gar, dass sie sich deshalb in einer existenzbedrohenden Situation befänden. Das ist immerhin ein Viertel, allerdings liegt der bundesweite Wert bei 55 Prozent. „Das ist ein massiver Unterschied“, erläutert Wolfgang Hahn, bei der Commerzbank für die Unternehmenskunden in der Region verantwortlich. Er führt die Krisenfestigkeit der regionalen Firmen vor allem auf folgende Ursachen zurück: „Ostwürttemberg ist eine sehr starke Wirtschaftsregion. Die Firmen verfügen über eine gute Liquiditätsstruktur und haben in den vergangenen Jahren gut gewirtschaftet.“ Zudem würden sie von den im Süden traditionell starken Banken gut unterstützt.

Banken Der Hausbank komme in der Krise eine bedeutende Rolle zu. 62 Prozent der Unternehmen in Ostwürttemberg fühlten sich gut über Fördermöglichkeiten beraten. So gaben 92 Prozent an, dass ihnen ihre Bank in der Krise eine große Unterstützung gewesen sei. „Anders als etwa bei der Finanzkrise 2008 und 2009 sind die Banken nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung“, erklärt Kube.

Unterstützung Knapp die Hälfte (48 Prozent) der Firmen in der Region hat staatliche Unterstützungsmaßnahmen in Anspruch genommen. Am häufigsten wurden dabei das Kurzarbeitergeld (24 Prozent) und Zuschüsse der Landesförderbank Baden-Württemberg (20 Prozent) genutzt. „Bei rund der Hälfte der Fälle lag die Höhe der Unterstützung unter 10 000 Euro. Das heißt, dass insbesondere viele kleine Unternehmen betroffen sind“, erläutert Hahn. So hätten die Firmen versucht, ihre Liquidität sicher zu stellen. Die Commerzbank habe ihrerseits für Firmen- und Unternehmerkunden bundesweit seit Mitte März ein Volumen von mehr als zehn Milliarden Euro an Finanzierungen bereitgestellt, davon 92 Millionen Euro in der Niederlassung in Nord- und Ost-Württemberg.

Banken sind Teil der Lösung, nicht Teil des Problems.

Johannes Kube
Niederlassungsleiter Commerzbank

Geschäftsmodell Kube und Hahn stellen zudem heraus, dass viele Firmen sich in der Krise äußerst flexibel gezeigt und schnell reagiert haben. Rund ein Viertel nutzten neue Kommunikations- und Marketingkanäle, 16 Prozent haben ihre internen Prozesse digitalisiert, 16 Prozent nutzen nun ebenso digitale Vertriebswege. Nur rund ein Drittel gab an, das Geschäftsmodell gar nicht angepasst zu haben.

Digitalisierung Die Studie der Commerzbank zeigt: „Die Corona-Krise wirkt als Digitalisierungsschub“, so Hahn. 46 Prozent der Unternehmer in der Region nutzen die Krise, um die Digitalisierung in ihrem Unternehmen weiter voranzutreiben. Das sind deutlich mehr als auf Bundesebene (36 Prozent). 52 Prozent der Unternehmer konzentrieren sich auf die Digitalisierung im Bereich Marketing und Kundenkommunikation. Rund jeder sechste Unternehmer baut den Online-Vertrieb seiner Produkte aus. Das ist wiederum deutlich weniger als im Durchschnitt. Rund 48 Prozent der Firmen setzen auf Home-Office, der gleiche Anteil gab hingegen an, dass das in ihrem Unternehmen nicht möglich sei. Vier Prozent wollen keine Home-Office.

Fazit „Die Corona-Krise hat die Firmen schwer getroffen“, so Kube. Dennoch hätten Unternehmer in Ostwürttemberg die Krise bisher besser gemeistert als der Bundesdurchschnitt. Und: „Viele Unternehmer können Corona auch etwas Positives abgewinnen“, so Hahn. Wie die Umfrage zeige, habe die Krise unter anderem den Teamgeist und die Kreativität in den Firmen gestärkt. Auch mehr Zeit für die Familie, flexiblere Arbeitszeiten sowie eine Erhöhung der Solidarität würden als Chancen der Corona-Krise gesehen.

© Wirtschaft Regional 05.11.2020 15:47
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