Die Stimmung hellt sich auf

Konjunktur Die Wirtschaft erholt sich zwar langsam vom Corona-Tief. Warum eine Entwarnung dennoch zu früh käme und wie es den einzelnen Branchen geht, offenbart ein Blick auf die Umfrage der IHK.
  • So beurteilen die Firmen in der Region die aktuelle Wirtschaftslage. Grafik: Carmen Apprich/SDZ

Heidenheim

Laut den Ergebnissen der jüngsten Auflage der IHK-Konjunkturumfrage zeichnet sich eine erste Erholung der wirtschaftlichen Lage ab. Die weitere Entwicklung ist laut IHK schwer abzuschätzen, die Erwartungen der Unternehmen fallen durchwachsen aus. Dennoch hellt sich die Stimmung zunehmend auf.

Die Indizes. Im Vergleich zum Sommer hat sich der IHK-Geschäftsklimaindex verbessert und ist von 89,5 auf 103,2 Punkte gestiegen. Der Geschäftslageindikator liegt zwar mit -2,1 Punkten knapp unter dem Nullpunkt, doch ist er im Vergleich zum Sommer (-22,2 Punkte) nach oben geklettert. „Es zeigt sich zwar eine erste Erholung, doch ist das trotzdem keine endgültige Entwarnung. Die weitere Entwicklung ist schwierig einzuschätzen und die Auswirkungen der Krise werden vor allem in bestimmten Branchen noch längerfristig spürbar sein“, erklärt Katrin Mager, Referentin Standort bei der IHK, die Zahlen.

Lage & Aussicht. Die Geschäftslage ist bei fast drei Vierteln der Betriebe positiv. 27 Prozent bewerten ihre Lage mit „gut“ – eine Verbesserung im Vergleich zum Sommer. Mit 29 Prozent der Befragten bewerten fast 15 Prozentpunkte weniger als noch im Sommer ihre Lage mit „schlecht“. Die Geschäftserwartungen sind durchwachsen: 33 Prozent der Firmen gehen von besseren Geschäften in den nächsten zwölf Monaten aus. 43 Prozent rechnen mit gleichen Geschäften und 24 Prozent stellen sich auf eine Verschlechterung ein. Die Erwartungen in der Region fallen damit leicht optimistischer aus als im Sommer.

Umsatz & Export. Das Ausmaß der Krise wirkt sich auf den Umsatz der Unternehmen nieder. Bei 28 Prozent wird der Umsatz im Jahr 2020 im Vergleich zu 2019 voraussichtlich im Bereich von 10 Prozent bis zu 25 Prozent zurückgehen. 13 Prozent gehen von einem Rückgang zwischen 25 Prozent und 50 Prozent aus. Nur 9 Prozent rechnen mit einer Umsatzsteigerung und 5 Prozent können derzeit keine Einschätzung treffen. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch der Export. „Im internationalen Handel wird Asien vorläufig Hoffnungsträger bleiben, was zu einer weiteren Verlagerung des Welthandels führen wird. Der ungeregelte Brexit und die geringe Planungssicherheit treffen vor allem die exportorientierte Industrie“, so Mager weiter. 30 Prozent erwarten steigende Exporte, 42 Prozent rechnen mit gleichbleibenden Exportzahlen.

Die weitere Entwicklung ist schwierig einzuschätzen.

Karin Mager
IHK Ostwürttemberg

Investitionen & Arbeitsplätze. Die Verunsicherung zeigt sich bei den Inlandsinvestitionen. Diese werden nur bei 18 Prozent in den nächsten zwölf Monaten zunehmen. 36 Prozent planen gleichbleibende Investitionen. Damit fallen die Pläne etwas optimistischer aus als im Sommer.

Trotz Krise können 36 Prozent der Unternehmen derzeit offene Stellen längerfristig nicht besetzen. 42 Prozent mussten wiederum ihre Personalkapazitäten an eine schwächere Nachfrage anpassen. Der Großteil (85 Prozent) realisierte dies mit Kurzarbeit. Die Nutzung flexibler Arbeitszeitmodelle (53), die Nichtbesetzung freier Stellen (53) und der Verzicht auf die Verlängerung befristeter Stellen (53) sind häufig eingesetzte Maßnahmen der Unternehmen. Zu betriebsbedingten Kündigungen mussten 29 Prozent der Befragten greifen. Hoffnungsschimmer ist, dass wieder 15 Prozent von steigenden Beschäftigtenzahlen vor Ort ausgehen.

Branchen. Die Kapazitätsauslastung der Industrie hat sich wieder etwas erhöht und liegt aktuell bei 74 Prozent (Sommer 2020: 65), befindet sich aber noch lange nicht auf Vorkrisenniveau. Der Handel beurteilt die Geschäftslage positiver als noch im Sommer. Fast die Hälfte (42 Prozent) bewertet die Geschäftslage mit „gut“, 52 Prozent mit „befriedigend“. Nur noch sechs Prozent sehen sich in einer schlechten Lage (Sommer 2020: 49 Prozent). Aktuell bewerten noch 27 Prozent der Dienstleister ihre Geschäftslage mit „gut“. 26 Prozent sprechen von einer schlechten Lage.

Im Baugewerbe ist die Stimmung besser. So sprechen 60 Prozent der Betriebe von einer guten Geschäftslage.

© Wirtschaft Regional 13.10.2020 13:17
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