Lempart rollt die Teppiche ein

Einzelhandel Mit Teppich Lempart in der Roßstraße schließt eine weitere Institution unter den Aalener Fachgeschäften. Nach 50 Jahren Firmengeschichte brachte die Coronakrise das Aus.
  • Ein Bild von der Eröffnung 1970. Foto: Lempart
  • Müssen ihr Traditionsgeschäft schließen: Doris und Axel Lempart. Foto: hag

Aalen

Bei Teppich Lempart in der Roßstraße streifen derzeit Menschen von weit her durch die Etagen. „Woher kommen Sie, aus Essen?“ – „Ja, wir sind schon lange Kunden und wollten Ihnen noch einen letzten Besuch abstatten.“ Doris Lempart muss genau hinschauen, schließlich tragen alle Mundschutz in dem Fachgeschäft, das bald für immer schließen wird. Eine Aalener Institution geht verloren.

Doris Lempart, die an der Seite ihres Mannes Joachim vor fast genau 50 Jahren den ersten Teppichladen am Spritzenhausplatz eröffnete, hat in letzter Zeit viele Briefe und Postkarten bekommen. Langjährige Kunden loben die einzigartige Auswahl, das gute Händchen bei der Beratung, sprechen von Bereicherung, hervorragendem Service und dem Gefühl, gut aufgehoben zu sein. Und alle sind traurig über das Ende des Traditionsgeschäftes.

Über fünf Jahrzehnte hat sich Lempart einen Namen gemacht. Nach der Eröffnung im Juni 1970 am Spritzenhausplatz folgten 1972 die Eröffnung einer Gardinenabteilung, 1987 der Neubau in der Roßstraße und die Eröffnung einer Betten-Boutique. Von 1996 bis 2004 betrieb Lempart ein Haus in der Stuttgarter Straße. Seit 2005 ist das gesamte Sortiment von Gardinen, Accessoires, Bodenbelägen und Teppichen aller Art in der eigenen Immobilie mit 1000 Quadratmetern Fläche in der Roßstraße vereint.

„Mein Vater ist noch nach Indien, Persien und Nepal gereist, um Teppiche einzukaufen“, erinnert sich Axel Lempart an den früheren Firmenchef Joachim Lempart. Der Sohn stieg Mitte der 90er Jahre in das Unternehmen ein und ist heute Geschäftsführer.

Mittlerweile reicht für den Teppichkauf ein Besuch beim Importeur in Hamburg. Auch sonst hat sich vieles geändert. Allgemein statten die Deutschen ihre Heime mit immer weniger Textilien aus, beobachtet Axel Lempart. „Wenn ein junger Mensch früher in eine Studentenwohnung zog, kauften ihm die Eltern Teppiche und Gardinen“, beschreibt es Doris Lempart – natürlich im Fachgeschäft, denn dort stimmte die Qualität. Heute holten sich die jungen Leute im Möbelhaus einen Teppich, der dann nach drei Jahren auf dem Müll landet. In einigen Bereichen wie den Bodenbelägen oder den Gardinen ist auch der Online-Handel zur Konkurrenz für das Fachgeschäft geworden.

Mein Vater ist noch nach Indien, Persien und Nepal gereist, um Teppiche einzukaufen.

Axel Lempart
Geschäftsführer

Das gilt aber nicht für die hochwertigen Teppiche, die eine Anschaffung fürs Leben und eine wertbeständige Anlage sind: Einen Teppich, der mehrere Zehntausend Euro kostet, möchte man ansehen, fühlen und dazu ausgiebig beraten werden. Das Sortiment bei Lempart ist riesig: persische Klassiker, Seidenteppiche, Nomadenteppiche, Kelims, Handwebteppiche aus Schafschurwolle, Nepalteppiche und vieles mehr.

Coronakrise war entscheidend

Trotz aller Bemühungen: Den entscheidenden Schlag hat der Shutdown in der Coronakrise dem Unternehmen versetzt. Zuerst musste man komplett schließen. „Wir hatten wochenlang keine Einnahmen“, sagt Axel Lempart. Dann durfte das Geschäft zwar eingeschränkt wieder öffnen. Aber die Verluste konnten nicht wieder aufgefangen werden. Es sei unmöglich, die Firma verlustfrei weiterzuführen. „Das Herz würde gerne weitermachen, aber der Verstand sagt uns, wir müssen uns der Realität stellen“, räumt Axel Lempart ein.

Derzeit läuft der Räumungsverkauf. Die endgültige Schließung ist für Ende des Jahres vorgesehen. Die 13 bis 15 Mitarbeiter,darunter Teilzeitbeschäftigte, müssen gehen. „Das tut sehr weh, einige waren 40 Jahre bei uns“, sagt Doris Lempart. Sie möchte zum Abschluss unbedingt noch einmal ihre große Weihnachtsausstellung auf die Beine stellen. Viele langjährige Kunden werden diese Gelegenheit sicher nutzen, um sich von Teppich Lempart zu verabschieden.

© Wirtschaft Regional 09.10.2020 16:44
770 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?