Gewerkschaft kritisiert Niedriglöhne auf der Ostalb

IG BAU 11 100 Vollzeit-Beschäftigte im Kreis arbeiten laut der Gewerkschaft zum Niedriglohn – Landwirtschaft, Gebäudereinigung und Floristik betroffen.
  • Schöner Beruf, aber oft schlecht bezahlt: In der Floristik müssen sich viele Beschäftigte mit Mini-Löhnen begnügen, die nicht zum Familienunterhalt reichen, kritisiert die IG BAU. Foto: IG BAU

Aalen

Aktuell arbeiten im Ostalbkreis 13 Prozent aller Vollzeit-Beschäftigten im Niedriglohnsektor. Insgesamt rund 11 100 Menschen erzielten trotz voller Stundenzahl ein Einkommen unterhalb der amtlichen Niedriglohnschwelle von derzeit 2350 Euro brutto im Monat (Westdeutschland). Darauf weist die Gewerkschaft IG BAU (Bauen-Agrar-Umwelt) in einer Pressemitteilung hin. Die Zahlen gehen aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken-Fraktion im Bundestag hervor. „40 Stunden Arbeit pro Woche und trotzdem bleibt es klamm im Portemonnaie“, überschreibt die Gewerkschaft ihre Pressemitteilung.

„Dass selbst eine Vollzeitstelle häufig nicht ausreicht, um finanziell halbwegs abgesichert zu sein, ist alarmierend“, sagt Mike Paul, Bezirksvorsitzender der IG BAU Stuttgart. In der Region zählten demnach unter anderem die Landwirtschaft, die Gebäudereinigung und die Floristik zu den Branchen, in denen besonders wenig gezahlt werde. Grund dafür sei auch die schwindende Tarifbindung. „Je mehr Firmen aus Tarifverträgen aussteigen, desto schlechtere Karten haben die Beschäftigten. Es droht eine immer tiefere Spaltung des Arbeitsmarktes“, warnt Paul.

Corona-Pandemie verschärft die Spaltung

Dass selbst eine Vollzeitstelle häufig nicht ausreicht, um finanziell halbwegs abgesichert zu sein, ist alarmierend.

Mike Paul
IG BAU

Diese werde durch die Corona-Pandemie teils verschärft: Beschäftigte im Handwerk könnten ihre Arbeit nur selten im Homeoffice erledigen. Wegen hoher Mieten in den Städten müssten sie obendrein oft weite Pendelwege in Kauf nehmen.

Der Gewerkschafter ruft die Unternehmen im Landkreis dazu auf, sich zu Mitbestimmung und Tarifautonomie zu bekennen: „Die Sozialpartnerschaft ist ein Erfolgsmodell, das den Beschäftigten - und den Betrieben - über Jahrzehnte wachsenden Wohlstand beschert hat. Sie darf nicht unter die Räder kommen.“ Nach Untersuchungen der Hans-Böckler-Stiftung profitierten davon auch die Firmen. In tarifgebundenen Unternehmen steige die Produktivität, Mitarbeiter seien motivierter.

„Aber auch die Politik ist am Zug. Sie sollte mehr für die Tarifbindung tun“, erklärt Paul und nennt das Beispiel des Maler- und Lackiererhandwerks: Dort haben Gesellen Anspruch auf einen tariflichen Mindestlohn von 13,50 Euro pro Stunde. Diese Lohnuntergrenze wurde von der Politik für die ganze Branche zur Pflicht gemacht. Zum Vergleich: Der gesetzliche Mindestlohn liegt aktuell bei 9,35 Euro pro Stunde.

© Wirtschaft Regional 05.10.2020 15:22
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