Heckler & Koch plant keinen Stellenabbau

Der Hersteller aus dem Kreis Rottweil erwägt eine Klage gegen die Entscheidung des Bundesministeriums.
  • Kampfschwimmer mit G36 Sturmgewehr. Foto: Carsten Rehder/dpa
Mit Bedauern hat der Waffenhersteller Heckler & Koch die Entscheidung der Sturmgewehr-Ausschreibung des Verteidigungsministeriums zu Gunsten des Konkurrenten C. G. Haenel aus Thüringen aufgenommen. Der Vorstandsvorsitzende Jens Bodo Koch betonte jedoch, dass das Unternehmen mit Sitz im Kreis Rottweil dennoch profitabel sei und bleibe. „Die Zahl der Bestellungen aus aller Welt ist höher als wir derzeit abarbeiten können und die Nachfrage weiter hoch.“ Daher müssten die rund 950 Mitarbeiter am Standort „auch keine unmittelbaren Folgen“ befürchten. „Wir haben nach dem Wechsel des Mehrheitsaktionärs vor einigen Wochen erklärt, dass die Jobs in Oberndorf sicher sind. Daran hat sich nichts geändert“, erklärt Finanzvorstand Björn Krönert.

Vielmehr wolle das Unternehmen „die Entscheidung nun juristisch ausführlich prüfen und alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen“, erklärte Koch. Das Volumen der Ausschreibung von 120 000 Gewehren, das zudem spezielle Visiere, Zielfernrohre und weitere Teile anderer Firmen beinhaltet, liegt bei etwa 245 Millionen Euro und damit in etwa in der Größenordnung des Umsatzes von Heckler & Koch im vergangenen Jahr (knapp 240 Millionen Euro).

Die Geschichte des Sturmgewehrs G36 ist ein Drama in vielen Kapiteln. Jetzt aber könnte die letzte Episode angebrochen sein. Das Vergabeverfahren für ein Nachfolgermodell sei „einen weiteren großen Schritt vorangekommen“, wie das Verteidigungsministerium am Dienstag bestätigte. Der Entscheidung muss nun noch der zuständige Ausschuss im Bundestag zustimmen.

Seit Jahren hatte die Bundeswehr nach einem Nachfolgemodell für das Sturmgewehr G36 von Heckler & Koch gesucht, nachdem sich die Waffe den Ruf eines „Problemgewehrs“ eingefangen hatte. Ob zu Recht – darüber gehen die Meinungen in der Truppe durchaus auseinander. Bei vielen Soldaten ist das G36 nicht zuletzt wegen seines geringen Gewichts und seiner vergleichsweise einfachen Handhabe durchaus beliebt.

Dennoch hatte die frühere Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen vor mittlerweile über fünf Jahren entschieden: „Dieses Gewehr, so wie es konstruiert ist, hat in der Bundeswehr keine Zukunft.“

Präzisionsmängel im heißgeschossenen Zustand oder bei hohen Außentemperaturen, lautete der vernichtende Befund. Kritiker sahen bei dieser Diagnose Leib und Leben deutscher Soldaten in Gefahr. Julia Kling, Ellen Hasenkamp
© Südwest Presse 16.09.2020 07:45
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