Arbeitslosigkeit: Raum Bopfingen erwischt es besonders

Arbeitsmarkt Rund um Bopfingen ist die Arbeitslosigkeit innerhalb eines Jahres am stärksten gestiegen. Ein hoher Anteil an gering Qualifizierten könnte eine Ursache sein.
  • Der Anstieg der Arbeitslosigkeit (in den Balken die absolute Zahl der arbeitslos Gemeldeten) war zuletzt im Raum Bopfingen am höchsten.

Bopfingen

Coronakrise und Strukturwandel lassen die Arbeitslosigkeit in ganz Ostwürttemberg steigen. Prozentual am stärksten betroffen aber ist der Raum Bopfingen. Hier nahm die Arbeitslosigkeit im Laufe eines Jahres um fast 50 Prozent zu.

Die Agentur-Geschäftsstelle Osten der Ostalb betreut die Arbeitslosen mit Wohnsitz in Bopfingen, Lauchheim, Unterschneidheim, Kirchheim und Riesbürg. Zwar sind es in absoluten Zahlen nur rund 200 Arbeitslose mehr. Der einwohnerstärkere Nachbarbezirk Ellwangen verzeichnete jedoch im gleich Zeitraum nur einen Anstieg von 431 auf 557 Arbeitslose, also um 126.

Die Agentur für Arbeit hat keine einfache Erklärung parat, warum die Coronakrise gerade im Raum Bopfingen besonders auf den Arbeitsmarkt durchschlägt: „Es sind für uns keine Schwerpunktbildungen erkennbar, da sich die Arbeitslosigkeit über nahezu alle Bereiche und Personengruppen erstreckt“, heißt es von der Agentur.

Bopfingens Bürgermeister Dr. Gunter Bühler weist allerdings darauf hin, dass für eine Kleinstadt wie Bopfingen und ihre Umgebung bereits kleinere Umwälzungen große Folgen haben können. Er erinnert an den Autozulieferer Magna, der im vergangenen Jahr Stellen in Bopfingen abgebaut hat. Statt wie früher 450 arbeiten nun nur noch 200 Menschen für die Firma im Industriegebiet Flochberg-Süd: „Das ist für Bopfingen so, wie es für Schwäbisch Gmünd ist, wenn Bosch 1000 Stellen abbaut“, sagt Bühler. Rund 50 Stellen gingen beim geschlossenen Verpackungshersteller Pregis verloren.

Bopfingen, einst florierender Standort der Leder- und Textilindustrie, wurde in den 1960er- bis 1980er-Jahren von einer Strukturkrise gebeutelt: „Ganze Industrien sind weggebrochen“, sagt Bühler. Das sei noch immer spürbar. Zum sei die Unternehmenslandschaft nicht so stark ausgeprägt wie in anderen Raumschaften: „Es gibt hier keinen Riesenarbeitsmarkt.“

Zum anderen lebten im Raum Bopfingen viele Menschen mit geringer Qualifizierung. „Ich glaube, dass die gering Qualifizierten die ersten sind, welche die Coronakrise trifft“, meint Bühler.

Das lässt sich auch aus der Zahl der Arbeitslosengeld-II-Empfänger aus dem Raum Bopfingen, die vom Jobcenter betreut werden, ablesen. Sie stieg in einem Jahr um 76 auf nun 248.

Es wäre wichtig, Beschäftigung in den Osten des Kreises zu bringen.

Dr. Gunter Bühler
Bürgermeister von Bopfingen

Viele im Raum Nördlingen und Dinkelsbühl tätig

Die Arbeitsagentur weist auch darauf hin, das „ein nicht unerheblicher Teil der Arbeitslosen zwar ihren Wohnort in Bopfingen hat, der verlorene Arbeitsplatz sich aber außerhalb des Agenturbezirkes Bopfingen, etwa in Nördlingen und Dinkelsbühl, befunden hat.“

Große Firmenpleiten oder massiven Stellenabbau gab es im bayerischen Grenzgebiet allerdings kaum. Der Nördlinger Zulieferer SPN kündigte zwar dieses Jahr an, 40 Stellen abzubauen. Die endgültige Schließung der Modefirma Strenesse wirkt sich hingegen kaum auf den hiesigen Arbeitsmarkt aus: Zuletzt waren nur noch 20 Mitarbeiter am Verwaltungssitz Nördlingen tätig. Kein Vergleich zu 2016, als mit der Schließung des Kathrein-Antennenwerks auf einen Schlag 700 Stellen verloren gingen. Auch aus Dinkelsbühl kommen keine großen Schlagzeilen zu Stellenabbau.

Bopfingens Bürgermeister Bühler hofft vielmehr, dass die Ankündigung des Batterieherstellers Varta, am Standort Nördlingen 800 zusätzliche Job zu schaffen, positive Effekte auf die Beschäftigungszahlen rund um den Ipf hat.

Ein Varta-Standort in Bopfingen, das wäre es: „Bopfingen liegt direkt auf der Achse Ellwangen-Nördlingen“, sagt der Bürgermeister und hofft, dass seine Stadt vielleicht doch noch vom Expansionskurs der Batteriefirma profitieren kann.

„Es wäre wichtig, Beschäftigung in den Osten des Landkreises zu bringen“, bekräftigt Bühler. Im Gegensatz zu Ellwangen, wo eine Vielzahl von Stellen im öffentlichen Bereich, etwa Gesundheitswesen und Justiz, Stabilität brachten, sei Bopfingen hier leer ausgegangen. Hoffnungen setzt Bühler in den neuen Landrat Dr. Joachim Bläse. Dieser habe bereits signalisiert, Strukturprobleme dort zu lösen, wo sie bestehen, „Ein ehrliches Bemühen muss her, etwas nachhaltig für den Raum zu tun“, so Bühler.

© Wirtschaft Regional 14.09.2020 10:05
583 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?