Wie zwei Lorcher mit umgebauten Campern den Markt erobern

Reisen Jungunternehmer Lukas Maier aus Lorch gründete 2019 das Unternehmen Vanside und macht gemeinsam mit seinem Vater aus Fahrzeugen ein Zuhause. Ein Markt, der boomt.

  • Vater-Sohn-Gespann: Bernd Maier und Sohn Lukas Maier haben sich dem Werkstoff Holz verschrieben und bauen gemeinsam Fahrzeuge zu Campern um. Foto: Vanside

Lorch

Was gibt es eigentlich Schöneres, als unterwegs zu Hause zu sein?“ Diese Frage hat sich der 21-jährige Lukas Maier aus Lorch gestellt und seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Er und sein Vater Bernd Maier haben sich dem Werkstoff Holz verschrieben und verwandeln Kastenwagen in Camper. Mit Küche, Bett, und allem, was das Camperherz höherschlagen lässt.

Reisen und Leben im Campervan – ein Trend, der auch schon vor Corona stark an Bedeutung zugenommen hat. Das Lorcher Familienunternehmen Vanside trifft mit individuellen Ausbauten genau die Vorlieben der Reiselustigen. Alle Module sind im Handumdrehen ein- und wieder ausgebaut. So kann das Fahrzeug individuell genutzt werden.

Wie alles begann

2015 startete Lukas Maier die Ausbildung zum Holzmechaniker im Betrieb seines Vaters. Das war der Beginn des Vater-Sohn-Gespanns. Spezialisiert auf den Sonderfahrzeugbau, waren Bestattungswagen der Hauptbestandteil der Arbeit.

Inspiriert durch Festivalbesuche und den Ausbau des eigenen Campers, gründete Lukas Maier im vergangenen Jahr sein eigenes Unternehmen.

Das Familienunternehmen Vanside erreicht mit individuellen Campermodulen einen Markt, der immer attraktiver wird. „Viele Menschen wollen keinen Pauschalurlaub mehr“, sagt Lukas’ Mutter, die ebenfalls mit an Bord ist. Susanne Maier nennt sich selbst „die Frau für alle Fälle“. Sie kümmert sich um die Buchhaltung und ist verantwortlich, dass immer genügend Essen und Trinken bereitsteht. „Wenn Kunden kommen, gibt es bei uns immer etwas zu essen“, sagt sie.

Der Markt boomt

„Der Hype für Vanlife ist da“, sagt Lukas Maier. „Das war er auch schon vor Corona.“ Dennoch habe er das Gefühl, dass die Coronakrise die Nachfrage noch verstärkt hat. Unabhängigkeit und Selbstbestimmtheit – Werte, die vor allem in den letzten Monaten immer mehr ins Bewusstsein der Menschen gerückt seien. Vor allem die Reisewarnungen und abgesagten Urlaube, haben den Wunsch nach einem Camperlifestyle erhöht.

Das Beste ist, wenn der Kunde mit einem Grinsen rausläuft.

Lukas Maier
Geschäftsführer von Vanside

Alleinstellungsmerkmal

Die Konkurrenz schläft nicht. Nach und nach gebe es immer mehr Firmen, die den Camper-Trend für sich nutzen, sagt Bernd Maier. Dennoch: Viele Unternehmen würden nur fertige, nicht abwandelbare Module anbieten. Wer individuelle Möbel möchte, habe dann schlechte Karten. Deshalb hat sich das Unternehmen von der eigentlichen Idee für Möbelmodule abgewandt und fertigt alles nach Wunsch der Kunden – auch der Farbauswahl sind kaum Grenzen gesetzt.

Besondere Kundenbeziehung

Die Kunden kommen aus ganz Deutschland. „Auch Schweizer waren schon hier“, sagt der 58-jährige Vater. Es sind die Geschichten der Menschen, die im Gedächtnis bleiben. „Unser erster Kunde war ein 90-jähriger Mann“, erzählt Bernd Maier begeistert. „Dem haben wir ein Bettchen in seine V-Klasse gebaut, damit er sich unterwegs mal hinlegen kann.“

Auch an eine Schweizer Familie erinnern sich die Maiers gern. Jahrelang hätten sie kein Auto gehabt, waren immer mit dem Fahrrad im Urlaub. Dann haben sie sich einen gebrauchten Bus gekauft. Eine Nacht haben die Schweizer in Lorch verbracht, während ihr Bus ein neues Innenleben bekam.

„Wir grillen hier öfter“, sagt Bernd Maier. Und damit meint er nicht nur mit Familie und Freunden. Auch Kunden, die aufgrund der Umbauarbeiten ein paar Tage bleiben, sind dann herzlich eingeladen. „Ein Pärchen, das fünf Tage hier war, hat sogar mitgeholfen“, erzählt Lulas. Und weiter: „Wir haben sogar den Geburtstag des Mannes hier in der Werkstatt gefeiert“.

Lauscht man den Geschichten der Maiers über ihre Arbeit, wird klar: Hier geht es um Kundenbeziehungen, nicht ums Geschäft. „Ich sehe das gar nicht als Beruf“, sagt der 21-jährige Geschäftsführer. „Das ist meine Berufung – meine Leidenschaft.“

© Wirtschaft Regional 10.09.2020 17:08
1055 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?