Seydelmann baut Standort Aalen aus

Investition Die Corona-Krise kann der Maschinenfabrik nichts anhaben. Mit der Investition stärkt das Unternehmen den Standort, der seit Jahren auf Wachstumskurs ist.
  • Von links: Andreas Seydelmann, Thilo Rentschler, Wolfgang Steidle, Matthias Seydelmann vor der neuen Montagehalle der Maschinenfabrik Seydelmann. Foto: Peter Hagenender

Aalen.

Man ist ein bisschen unterwegs, bis man vom Empfangs- und Verwaltungsgebäude direkt an der Aalener Burgstallstraße zur jüngsten Investition der Maschinenfabrik Seydelmann ankommt. Beim Fußmarsch wird klar: Das Areal des Familienunternehmens ist im Lauf der vergangenen Jahrzehnte immer größer geworden. Gut zwei Millionen Euro hat das Familienunternehmen heuer am Standort investiert.

In der neuen Montagehalle werden künftig Maschinenlinien fertig gestellt. Das rund 1600 Quadratmeter große Gebäude markiert den jüngsten Meilenstein in der Entwicklung des Unternehmens, das seinen Stammsitz mit rund 40 Mitarbeitern zwar in Stuttgart, aber den größten Standort in Aalen, wo das Unternehmen im Jahr 1843 gegründet wurde, betreibt.

Am Standort entwickeln rund 310 Mitarbeiter Maschinen und Anlagen zur Nahrungsmittelproduktion, zum Beispiel Kutter, Mischer oder Feinstzerkleinerer, mit denen nicht nur Fleisch verarbeitet oder Würste hergestellt werden, sondern ebenso Käse-, Gemüse- und Fischprodukte sowie Süßwaren, Suppen, Backwaren oder Babynahrung.

Das Unternehmen gilt trotz seiner mittelständischen Struktur als Weltmarktführer in dieser Nische. Der Großteil der Komponenten wird am Standort hergestellt. „Wir setzen auf eine enorm hohe Fertigungstiefe“, erklärt Andreas Seydelmann, geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens, bei der Besichtigung des Unternehmens, an der Aalens OB Thilo Rentschler sowie der erste Bürgermeister der Stadt, Wolfgang Steidle, teilnahmen.

Die aktuellen Auswirkungen der Corona-Pandemie können der Aalener Erfolgsgeschichte indes nichts anhaben. „Die Nahrungsmittelindustrie war nur indirekt betroffen, unser Auftragsbestand ist stabil geblieben“, so Seydelmann. Mehr noch: „In den vergangenen zehn Jahren haben wir den Umsatz in etwa verdoppelt“, erklärt der Geschäftsführer, allerdings ohne konkrete Zahlen zu nennen. Das Wachstum spiegelt sich in der Zahl der Mitarbeiter wider. Im vergangenen Jahrzehnt hat die Maschinenfabrik am Standort Aalen rund 100 neue Arbeitsplätze geschaffen.

Wir setzen auf eine enorm hohe Fertigungstiefe.

Andreas Seydelmann
Maschinenfabrik Seydelmann

Auch vom Trend zum veganen Essen profitiert die Firma

Allein in diesem Jahr kamen 10 bis 15 Mitarbeiter hinzu. Für das aktuelle Jahr rechnet Seydelmann, der das Unternehmen zusammen mit Matthias Seydelmann, ebenfalls geschäftsführender Gesellschafter, führt, mit einem Umsatz oberhalb des Vorjahresniveaus. Deshalb ist die neue Montagehalle auch mit Sicherheit nicht die letzte Investition am Standort. Bereits im kommenden Jahr sollen die Arbeiten an einer neuen Schleiferei beginnen. „Zudem investieren wir kontinuierlich in unsere Gebäude und den Maschinenpark.“

Zwischen 600 und 700 Anlagen werden pro Jahr in Aalen gebaut. „Zu unseren Kunden gehört sowohl der klassische Metzger um die Ecke als auch die Industrie“, erklärt Seydelmann. Das Unternehmen stellt neben einzelnen Maschinen auch komplette, hoch- oder vollautomatisierte Produktionslinien her. „Der Automatisierungsgrad nimmt seit Jahren zu, diese Entwicklung wird durch die Corona-Pandemie weiter an Dynamik gewinnen.“ Die Kunden der Aalener kommen aus aller Welt, auf 80 Prozent beziffert die Firma ihre Exportquote. Von Aalen aus werden selbst Märkte wie Venezuela oder Weißrussland beliefert. Insgesamt stehen Unternehmen aus 150 Ländern auf der Kundenliste von Seydelmann.

Wichtige Impulse für das eigene Wachstum erwartet das Unternehmen vom weltweiten Trend zum veganen Essen. „Wir waren uns vor einigen Jahren noch etwas unsicher, ob wir uns mit unserer langjährigen Tradition vor allem in der Fleischverarbeitung in dieser Branche etablieren können“, sagt Seydelmann. Inzwischen sei klar: Auch in diesem Boom-Markt der Zukunft wollen die Kunden auf die Anlagen aus Aalen nicht verzichten. Die Erfolgsgeschichte beeindruckt natürlich auch die Politik, deren städtische Vertreter die Maschinenfabrik anlässlich der Investition in die neue Montagehalle besuchten.

„Die Firma Seydelmann hat in den vergangenen Jahren und seit ihrer Gründung vor 177 Jahren eine tolle Entwicklung genommen“, erklärt OB Rentschler. „Wir sind froh, dass ein solch erfolgreicher Mittelständler in dem aufstrebenden Quartier Süd seinen Sitz hat.“ Die Investition von Seydelmann sei ein wichtiger Schritt in der Entwicklung des Stadtteils, in dem zuvor bereits die Immobilienfirma I Live oder die Kaufland-Gruppe gebaut und investiert hatten. Auch dank der Modernisierung des Ostertag-Areals und weiterer geplanter Investitionen gibt sich der OB optimistisch für die Zukunft: „In diesem Quartier entsteht das neue urbane Aalen.“

© Wirtschaft Regional 09.09.2020 17:28
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