Nicht nur wegen Apple wird Varta immer nachhaltiger

Batterientechnik Dass Apple Varta-Akkus verbaut, ist zwar bekannt, nun aber offiziell. Neu ist auch, dass Varta zu Apples Öko-Allianz gehört.

  • Akkus der Ellwanger Varta AG kommen nicht nur in Apple-Kopfhörern, sondern auch in weiteren, sogenannten Wearables wie Fitness-Uhren zum Einsatz. Foto: Varta

Ellwangen/Cupertino.

Es ist offiziell: Varta gehört zu den Zulieferern von Apple. Was in der Branche bereits seit Monaten bekannt ist, hat der US-Konzern nun auch offiziell verkündet. Wie Apple-Managerin Sarah Chandler jüngst in Berlin während der Konferenz „Electronics Goes Green“ des Fraunhofer-Instituts IZM erklärte, geht die Kooperation allerdings über eine reine Lieferbeziehung hinaus. Denn Varta hat sich verpflichtet, für die Produktion der Apple-Komponenten komplett auf erneuerbare Energien umzusteigen. Die Varta-Zellen kommen vor allem in den Kopfhörern des Unternehmens aus Cupertino zum Einsatz.

Varta selbst erklärte auf Anfrage dieser Redaktion lediglich: „Wie bestätigen die Aussagen von Apple.“ Weitere Angaben machte Dr. Christian Kucznierz, Head of Corporate Communications bei Varta, nicht. Die Ellwanger befinden sich jedoch in illustrer Gesellschaft. Wie Apple-Managerin Chandler weiter erklärte, arbeiteten auch die deutschen Zulieferer Henkel und Tesa daran, ihre Produktion für Apple vollständig auf erneuerbare Energien umzustellen. Hintergrund: Der US-Konzern will bis zum Jahr 2030 komplett klimaneutral sein. In zehn Jahren werde jedes Gerät von Apple ohne CO2-Belastung hergestellt, sagte Umweltchefin Lisa Jackson bereits im Juli der Deutschen Presseagentur. Damit würde Apple jährlich 14,3 Millionen Tonnen Kohlendioxid einsparen, was ungefähr jener Menge entspricht, die drei Millionen Autos im Jahr produzieren.

Zwar kommentierte Varta weitere Nachfragen nicht, Kucznierz betonte, dass Nachhaltigkeit bei Varta ohnehin eine große Rolle spiele. „Bei der Herstellung unserer Primärbatterien etwa haben wir den Ressourceneinsatz bereits minimiert“, erklärt der Sprecher weiter. Seit 2007 habe man bei der Produktion pro eine Million Einheiten die CO2-Emissionen um 48 Prozent gemindert, 64,3 Prozent Gas eingespart, 68,6 Prozent weniger Elektrizität verbraucht, den Einsatz von Wasser um 74,7 Prozent gesenkt und die anfallende Abfallmenge um 59,5 Prozent vermindert.

Wir bestätigen die Aussagen von Apple.

Dr. Christian Kucznierz
Konzernsprecher Varta AG

Zudem setze Varta als einziger deutscher Batteriehersteller von Primärbatterien für Endverbraucher auf den Produktionsstandort Deutschland. „Mit unseren Werken in Dischingen, Ellwangen sowie Nördlingen und den damit verbundenen kurzen Lieferwegen in Europa haben wir in Bezug auf den CO2-Austoß einen klaren Wettbewerbsvorteil“, so Kucznierz weiter. Im Gegensatz zu Importprodukten könne Varta eine um 0,4 Tonnen bessere CO2-Bilanz vorweisen und somit im Vergleich zum Wettbewerb 550 Tonnen CO2 einsparen.

Varta hatte erst vor einigen Wochen erneut eine Rekordbilanz vorgelegt. Im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres war der Umsatz auch dank der Übernahme von Varta Consumer um 158 Prozent auf 390 Millionen Euro gestiegen. 2020 will Varta trotz Corona-Pandemie Erlöse von bis zu 830 Millionen Euro erwirtschaften. Zudem hatte Varta-Chef Herbert Schein in einem Interview mit dem Tagesspiegel bekräftigt, künftig auch Elektroautos mit Batterien ausrüsten zu wollen. „Für die nächste Generation der E-Mobilität sind Ladezeit, hohe Leistung, hohe Energie und Langlebigkeit der Batterie die limitierenden Faktoren“, sagte er der Zeitung. „Die Technologie, die wir heute entwickeln, könnte bei Anwendungen im Bereich der Elektromobilität Vorteile bieten. Wir freuen uns, wenn wir im Bereich Automotive eine Rolle spielen dürfen.“

© Wirtschaft Regional 07.09.2020 18:34
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