580 Handwerksbetriebe stehen zur Übergabe an

Zentrum für Betriebsnachfolge Handwerkskammer Ulm erwartet durch corona-bedingte Umstrukturierungen mehr Übernehmerinteresse in einzelnen Branchen.
  • Das Zentrum für Betriebsnachfolge der Handwerkskammer Ulm berät und hilft beim Übergang.Foto: HWK Ulm

Ulm

Derzeit stehen 580 Handwerksbetriebe im Ostalbkreis aus Altersgründen zur Übergabe an. Das teilt die Handwerkskammer Ulm mit. Insgesamt sind es im Kammergebiet, das von Ellwangen bis zum Bodensee reicht, rund 2800 Betriebe, bei denen altersbedingt eine Übergabe notwendig wäre.

Das Zentrum für Betriebsnachfolge (ZEN) der Handwerkskammer Ulm unterstützt die Betriebsübernahmen von etablierten Handwerksbetrieben. Im ersten Halbjahr 2020 hat das ZEN 432 Kontakte zwischen potenziellen Betriebsübergebern und -übernehmern vermittelt. Im vergangenen Jahr waren es knapp 600 Kontakte, im Jahr 2018 rund 570. Insgesamt sind seit Gründung des ZEN im November 2015 mehr als 800 Übergaben erfolgreich betreut worden.

Mit den Handwerksbetrieben, so die Handwerkskammer Ulm in einer aktuellen Mitteilung, werde die Wirtschaftsstruktur zwischen Ostalb und Bodensee erhalten. Gleichzeitig sicherten Betriebe Arbeits- und Ausbildungsplätze vor Ort und versorgen die Bevölkerung mit Handwerkerleistungen. „Wir dürfen nicht immer nur von den Start-ups träumen. Der Erhalt der Versorgung unserer Bevölkerung steckt hinter jeder Betriebsnachfolge und ist für die Beteiligten nichts anderes als ein Start-up“, so Dr. Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm.

Das ZEN begleitet Handwerkerinnen und Handwerker bei allen Fragen, die im Bereich der Übernahme oder Übergabe eines Betriebes aufkommen. Durch die corona-bedingten Umstrukturierungen in einzelnen Wirtschaftsbereichen erwartet die Handwerkskammer Ulm eine verstärkte Nachfrage von potenziellen Übernehmern.

Wir dürfen nicht immer nur von den Start-ups träumen.

Tobias Mehlich
Handwerkskammer Ulm

Übergabeprozess dauert in der Regel fünf Jahre

Gleichzeitig wünscht sie sich, dass die Politik die sich ergebenden Potenziale der Betriebsübernahmen erkennt und diese über finanzielle Förderungen unterstützt, neben den bereits bestehenden und geplanten Gründungszuschüssen. Ein Übergabeprozess dauere in der Regel fünf Jahre. Eine frühzeitige Eintragung in die Betriebsbörse erhöhe deshalb die Chance, einen Nachfolger zu finden, der sowohl zum Betrieb als auch zum Kundenstamm passe. Derzeit stehen rund 170 Handwerksbetriebe in der Börse zur Übergabe offen.

Von den rund 2800 Betrieben im Gebiet der Handwerkskammer Ulm, die altersbedingt zur Übergabe anstehen, sind 580 im Ostalbkreis, 226 im Landkreis Heidenheim, 413 im Alb-Donau-Kreis, 193 im Stadtkreis Ulm, 389 im Landkreis Biberach 605, im Landkreis Ravensburg und 405 im Bodenseekreis.

© Wirtschaft Regional 04.09.2020 15:30
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