Corona verändert das Gehalt

Die Gewinneinbrüche dürften sich erst zeitverzögert auf die Löhne auswirken. Wer gut ausgebildet ist, hat jedoch Chancen, ohne Einbußen davonzukommen.
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  • Im Vergleich mit Kassiererinnen und Mechatronikern verdienen Pflegerinnen am meisten. Für sie werden in den kommenden Jahren auch die höchsten Lohnsteigerungen erwartet. Foto: Peter Steffen/dpa
  • Die Gehälter von Kfz-Mechatronikern sollen langsamer steigen als in vielen anderen Branchen, sagt eine Prognose des Portals Gehalt.de Foto: Nicolas Armer/dpa
  • Nach einer Prognose des Portals Gehalt.de könnten Kassiererinnen im Jahr 2022 rund 900 Euro mehr verdienen. Foto: Christian Charisius/dpa
Um in der Corona-Krise Geld zu sparen, reduzierten einige Unternehmen auch Gehälter. Das ergab eine repräsentative Umfrage der Personal- und Organisationsberatung Korn Ferry. Es wurden weltweit knapp 4000 Firmen aus verschiedenen Branchen befragt, darunter auch kleinere und mittelständische.

Ende Mai gaben 18 Prozent der befragten deutschen Unternehmen an, dass sie Löhne gekürzt haben – im April waren es noch sieben Prozent. Davon seien überwiegend die Geschäftsführung und das mittlere Management betroffen, deren Gehälter hätten sich im Schnitt um 11 bis 15 Prozent verringert. Vor allem kurzfristige Boni seien gestrichen worden. Bei den anderen Angestellten behelfen sich viele Firmen, indem sie – teilweise mit Gewerkschaften abgestimmt – tariflich vereinbarte Erhöhungen aussetzen oder verschieben. Laut Korn Ferry nutzte im Mai jedes dritte Unternehmen diese Möglichkeit.

Eine Auswertung, die alle im Mai befragten Firmen umfasst, liegt noch nicht vor. Die Studie aus dem April lässt jedoch erkennen, dass die deutschen Unternehmen eher selten Löhne gekürzt haben – im weltweiten Schnitt haben damals viermal so viele Firmen Gehälter reduziert.

Firmen wollen Stellen abbauen

Trotz der Möglichkeit, Kurzarbeit zu beantragen, denken viele deutsche Firmen darüber nach, wie sie Arbeitsplätze abbauen können. Mehr als jedes dritte Unternehmen hatte Mitarbeitern schon im Mai Abfindungen angeboten, weitere 9 Prozent prüften diese Option. Jede zehnte Firma wollte Angestellte dazu bewegen, freiwillig zu gehen oder sich vorerst freistellen zu lassen. Zwei von fünf Unternehmen kalkulierten mit Einbrüchen von bis zu 30 Prozent. Deutschland lag damit ungefähr im weltweiten Durchschnitt.

Philip Bierbach geht dennoch davon aus, dass sich die wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus erst zeitverzögert auf die Gehälter auswirken. „Das hängt damit zusammen, dass viele Gehaltserhöhungen bereits zu Beginn des Jahres bestätigt wurden“, sagt der Geschäftsführer des Online-Portals Gehalt.de auf Anfrage. Auf dem Portal können Arbeitnehmer anonym ihre Tätigkeit und ihr Gehalt angeben, außerdem werden Unternehmen dazu befragt. Laut Bierbach basieren die Informationen auf mehr als 2,6 Millionen Datensätzen zu 800 Berufen.

Im Juni hat das Portal eine Gehaltsprognose für sieben Berufe bis 2022 veröffentlicht, die unterschiedlich stark von der Corona-Pandemie betroffen sind. Demnach werden für die Krankenpflege die höchsten Lohnsteigerungen erwartet. „Was das Lohnniveau in der Pflege angeht, gibt es einen großen Handlungsbedarf. Die Gehälter bewegen sich deutlich unter den durchschnittlichen Einkommen.“ Die Löhne von KFZ-Mechatronikern und Tourismuskaufleuten, die deutlich weniger als Pflegekräfte verdienen, würden dagegen kaum erhöht. Die Kassierer verdienen im Vergleich am wenigsten, ihre Gehälter sollen allerdings stärker als der Gesamtdurchschnitt steigen.

Gute Aussichten für IT-Branche

„Die Corona-Pandemie trifft mehr Unternehmen als die Finanzkrise 2008/2009, darunter auch Branchen, die bislang grundsätzlich gesund waren“, sagt Bierbach. Er erwartet, dass diese sich schneller erholen als etwa die Automobilindustrie oder die Tourismusbranche, für die er eine Nullrunde vermutet. „Die Automobilbranche hat momentan grundlegendere Probleme und muss sich, um wettbewerbsfähig zu bleiben, neu erfinden. In der Tourismusbranche ist noch unklar, wann die Nachfrage nach Fernreisen und Kreuzfahrten wieder steigt.“

Die besten Aussichten hätten Arbeitnehmer jedoch in Branchen, für die es außer der Tarifbindung geregelte Ausbildungsanforderungen und eine hohe Nachfrage nach Arbeitskräften gibt. „Das sind etwa der Onlinehandel, die Pharmazie-Branche, die IT- und die Technik-, aber auch die Baubranche.“ Wenn Firmen lange bräuchten, um Stellen neu zu besetzen, seien sie eher bereit, höhere Gehälter zu akzeptieren.
© Südwest Presse 07.08.2020 07:45
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